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Corona in Frankfurt: Schwuler Seniorenkreis trifft sich nun im Internet

"Lassen uns nicht unterkriegen"  

Keine einfache Zeit – ein schwuler Seniorenkreis trifft sich wegen Corona im Internet

03.12.2020, 09:51 Uhr | Ulf Baier/Stadt Frankfurt, t-online

Corona in Frankfurt: Schwuler Seniorenkreis trifft sich nun im Internet. Michael Holy vom schwulen Seniorenkreis in Frankfurt: Die Männer des "Café Karussell" treffen sich wegen Corona nun im Internet. (Quelle: Maik Reuss/Stadt Frankfurt)

Michael Holy vom schwulen Seniorenkreis in Frankfurt: Die Männer des "Café Karussell" treffen sich wegen Corona nun im Internet. (Quelle: Maik Reuss/Stadt Frankfurt)

Michael Holy organisiert seit über zehn Jahren einen Treff für die ältere schwule Community in Frankfurt. Wegen Corona musste sich einiges ändern – ein Gespräch über das Weitermachen.

Der 70-Jährige Michael Holy organisiert seit November 2009 das Café Karussell, einen Treffpunkt für ältere schwule Männer. Alle zwei Wochen sieht man sich im „Switchboard“, dem offenen Kneipentreff der AIDS-Hilfe Frankfurt. Doch das geht gerade nicht, genauso wie während des ersten Lockdowns im Frühjahr, weshalb sich die Männer nun wieder virtuell treffen. Ulf Baier von der Stadt Frankfurt hat mit ihm darüber gesprochen, wie sich der "schwule Altenclub" – so die Selbstbezeichnung – am Laufen erhält.

Ulf Baier/Stadt Frankfurt: Herr Holy, was macht das Café Karussell genau?

Holy: Wir treffen uns jeden ersten und dritten Dienstag im "Switchboard", das in der Alten Gasse liegt – also mitten in der Frankfurter Schwulenszene und nicht in einem der Senioren-Treffpunkte. Das war mir damals bei der Gründung sehr wichtig, um zu zeigen: Wir Älteren gehören auch noch zur Szene. Wichtig ist mir auch, dass wir kein Kaffeeklatsch für Senioren sind, sondern unsere Treffen immer mit kulturellen oder politischen Inhalten verbinden, wozu es dann kurze Einführungsvorträge mit anschließender Diskussion gibt. Daneben bleibt aber natürlich genügend Zeit, sich über persönliche Themen auszutauschen. Durchschnittlich kommen rund 20 Leute zu den Treffen.

Wie lief das konkret im Frühjahr ab, als das Café Karussell ins Internet ausweichen musste?

Als der erste Shutdown im März kam, bin ich auf die Idee eines privaten Youtube-Kanals für das Streaming der Beiträge gekommen. Doch Jochen Pohlmann – ein erfahrener IT-ler, der auch bei uns mitmacht – fand Konferenzen mit der Video-Software Webex geeigneter. Das Tool gewährt ein vergleichsweise hohes Niveau an Datensicherheit. Das war uns sehr wichtig, damit unsere Treffen weiterhin in einem geschützten Raum stattfinden. Auf diese Erfahrungen, die während des ersten Shutdowns entstanden sind, konnten wir jetzt zurückgreifen.

Die technische Umsetzung von Videokonferenzen stellt ungeübte Nutzer gerne vor Probleme. Können Sie berichten, wie das bei Ihnen ablief?

Das war schon ein ziemlicher Aufwand. Wir haben zuerst einen Probechat gemacht, bevor es richtig losgegangen ist. Das meiste konnten wir per Telefon machen, etwa dabei helfen, die Software zu installieren und einzurichten. So läuft es im Prinzip auch, wenn jemand technische Probleme während eines Treffens hat. Bei mir zu Hause hängt eine Telefonliste und bei Schwierigkeiten rufe ich oder Jochen den Betreffenden an und helfe. Meine berufliche Vergangenheit als IT-Berater nützt dabei sicherlich auch.

Wie sind die Erfahrungen mit den virtuellen Treffen?

Eigentlich erstaunlich gut. Kleine Pannen gibt es schon, etwa wenn jemand die Kamera nicht einschalten kann. Aber wir sind ja immer als Online-Support mit dabei. Das Netz gibt uns durchaus vielfältige Möglichkeiten, mit denen wir unsere Treffen bereichern können. Neulich gab es einen Vortrag zu "Schwule und Oper". Der Vortragende hat dann Ausschnitte aus Opernarien eingespielt, was den Vortrag wunderbar aufgelockert hat. Aber es ist schon so, dass der Spaß an den Online-Sitzungen bei manchem Teilnehmer nicht lange hält. Es gab leider auch Weigerungen, an den Online-Treffen teilzunehmen, auch weil manche Gäste des Café Karussell dem Internet misstrauen.

Sie haben sich während eines Treffens mit Corona befasst. Berichten Sie uns kurz über Ihre Eindrücke?

Das Interesse war groß, darüber zu reden. Wir gehören allein wegen unseres Alters alle zur Risikogruppe und bei manchen kommen noch altersbedingte Vorerkrankungen hinzu. Es gibt ein großes Verständnis für die Einschränkungen und jeder weiß, wie er sich zu schützen hat. Denn kaum einer von uns sagt: "Das geht schnell wieder vorbei!" Das Ausweichen auf die virtuellen Treffen hat auch den Vorteil, dass man sich nicht mit der Frage auseinander setzen muss: "Will ich mich jetzt wirklich mit 20 Leuten im 'Switchboard' treffen und ein Infektionsrisiko eingehen?"

Der zweite Lockdown fällt aktuell in die Zeit mit weniger Tageslicht. Das kann schon auf die Stimmung drücken. Und wenn man dann noch die sozialen Kontakte einschränken muss, wird es schon schwierig. Unsere Stimmung zu dem Lockdown ist aber ganz klar: "Es nervt! Aber wir lassen uns nicht unterkriegen!"

Verwendete Quellen:
  • Mitteilung der Stadt Frankfurt per E-Mail

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