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Beratungsstelle: Radikalisierungspotenzial in Pandemie

Frankfurt am Main  

Beratungsstelle: Radikalisierungspotenzial in Pandemie

26.01.2021, 05:35 Uhr | dpa

Die Beratungsstelle Response für Betroffene antisemitischer, rechter und rassistischer Gewalt hat während der Corona-Pandemie wiederholt Hinweise auf Zwischenfälle oder Radikalisierung innerhalb der sogenannten Corona-Leugner erhalten. Die Bewegung mit Anhängern der Esoterik-Szene über konservativ-Alternative und Impfgegner bis hin zu Verschwörungsideologen berge "ein gefährliches Radikalisierungspotenzial", sagte Roman Jeltsch, stellvertretender Leiter von Response, der Deutschen Presse-Agentur. Für Menschen, die ohnehin von Rassismus oder Antisemitismus betroffen seien, sei dies besonders bedrohlich. "Schließlich wissen wir, dass sich rechte Attentäter wie jene von Halle und Hanau ebenfalls online vernetzten und sich auf der Basis tödlicher Ideologien in ihrem Handeln bestätigt und zu ihren Taten ermutigt fühlten."

Im vergangenen Jahr habe Response von zehn Fällen erfahren, in denen Menschen im Kontext der Corona-Pandemie antisemitische Gewalt oder anti-asiatischen Rassismus erfahren haben. Dies sei sowohl auf Demonstrationen als auch in öffentlichen Räumen wie Bahnhöfen und Supermärkten geschehen. Betroffene seien beispielsweise als "Coronavirus" bezeichnet, geschubst, beschimpft und bedroht worden. Im Internet und auf Anti-Corona-Demos wurden Plakate und Jacken mit Davidsternen präsentiert, die mit der Aufschrift "nicht geimpft" versehen waren.

Diese Art von Holocaust-Relativierung stieß auch bei jüdischen Verbänden und Organisationen auf scharfe Kritik. Maram Stern, der Vizepräsident des Jüdische Weltkongresses, nannte es in einer Stellungnahme "besonders widerlich", wenn sogenannte Corona-Leugner versuchten, für sich selbst eine Opferrolle in Anspruch zu nehmen, die den Opfern des Holocaust gleichkomme.

Die Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt hat mittlerweile ihr digitales Fortbildungsprogramm um das Thema Verschwörungsideologien erweitert, wie die pädagogische Leiterin Saba-Nur Cheema berichtet. "In den vergangenen Monaten haben wir viele Beratungsanfragen von Menschen erhalten, die in ihrem Umfeld mit Corona-Leugnern zu tun haben", sagte sie. Besonders groß sei die Sorge gewesen, wenn von Familienangehörigen und Freunden berichtet wurde, die nach rechts abzudriften drohten.

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