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Stadtteil will mit Vorurteilen aufräumen

Johanna Wendel

Aktualisiert am 02.11.2021Lesedauer: 4 Min.
Wohnen am Frankfurter Berg: Immer mehr junge Familien zieht es hier hin.
Wohnen am Frankfurter Berg: Immer mehr junge Familien zieht es hier hin. (Quelle: Eberhard Centner/leer)
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Das Gesicht der Mainmetropole ist

Kaum ein anderer Stadtteil hat mit so hartnäckigen Klischees zu kämpfen wie der Frankfurter Berg. Auch das Bahnhofsviertel gilt fast bundesweit als hartes Pflaster, genauso wie im Westend angeblich nur reiche Schnösel wohnen.

Doch dafür, dass der nördlich gelegene Stadtteil zu den Randgebieten der Mainmetropole gehört und sich dort nur selten Touristen oder Bewohner anderer Stadtteil hin verirren, meinen viele, den Frankfurter Berg bereits zu kennen.

Wohnsiedlung am Frankfurter Berg: Hier sind die Mieten günstig.
Wohnsiedlung am Frankfurter Berg: Hier sind die Mieten günstig. (Quelle: Johanna Wendel/T-Online-bilder)

Auch wenn die Vorurteile schon seit den 70er-Jahren durch die Stadtgespräche raunten, hat eine Dokumentation des "Spiegel", "Unterwegs mit Dealern und Crack-Köchen", aus dem Jahr 2018 diese neu aufleben lassen. Im Mittelpunkt stehen dabei besonders die vier bis zu 70 Meter hohen Hochhäuser der Julius-Brecht-Straße, in denen allein um die 2.000 Menschen wohnen. Zum Vergleich: Im gesamten Stadtteil leben 8.000 Menschen.

Frankfurts jüngster Stadtteil

Aber zuerst ein Blick in die Geschichte. Der Frankfurter Berg ist der jüngste Stadtteil Frankfurts. Erst seit 1996 gilt er als eigenständig, denn zuvor gehörte er aufgeteilt zu den umliegenden Stadtteilen Bonames, Eschersheim und Berkersheim. Und nicht nur seine Eigenständigkeit ist noch sehr jung, auch seine umfangreiche Besiedlung begann mit 160 Häusern erst 1937.

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Zuvor hatte der Frankfurter Berg seit 1911 als Standort für die Kaiser-Wilhelm-Kaserne (später Edwards-Barracks, Anm. d. Red.) gedient. Durch seine späte Entstehung unterscheidet sich der Frankfurter Berg deutlich von dem nahe gelegenen Stadtteil Harheim, der einen dörflichen Charakter mit erkennbarem Stadtkern darstellt und bereits 786 erstmals in einer Urkunde beschrieben wurde.

Die Einkaufsgasse am Frankfurter Berg: Hier gibt es einen Bäcker, eine Apotheke und Einkaufsmöglichkeiten.
Die Einkaufsgasse am Frankfurter Berg: Hier gibt es einen Bäcker, eine Apotheke und Einkaufsmöglichkeiten. (Quelle: Johanna Wendel/T-Online-bilder)

Der "Stadtkern" vom Frankfurter Berg ist schnörkellos und zweckmäßig – abgesehen von einer tagsüber bereits gut besuchten Kneipe kein Ort, der zum Verweilen einlädt. Lediglich zwei Supermärkte, eine Apotheke, ein Kiosk mit Poststelle und ein Imbiss befinden sich auf der kleinen Ladenzeile, die sich direkt vor einem der Hochhäuser befindet und dadurch von Weitem wie eine Miniaturstadt wirkt.

Jugendliche durchleben Wandel

Ayhan Toprak, Leiter des Jugendhauses am Frankfurter Berg, ärgert die Darstellung des "Spiegel"-Berichts bis heute. Für ihn, der seit 2004 selbst im Stadtteil lebt, erscheint der Frankfurter Berg in einem ganz anderen Licht. "Es gibt hier sehr viel Grün, jeder kennt jeden und die Kommunikation zwischen dem Ortsbeirat und den Einrichtungen funktioniert sehr gut", sagt der Sozialarbeiter.

Das Jugendhaus richtet sich an die 15- bis 21-Jährigen im Stadtteil, für die Jüngeren zwischen elf und 15 Jahren existiert noch das Teenie-Café "Edwards Garden" in einem ehemaligen Verwaltungsgebäude der Kaserne.

Die Jugendlichen, die sich damals in der Reportage zu ihrem Alltag als Drogendealer am Frankfurter Berg geäußert hatten, kennt Toprak persönlich. "Ich habe sie darauf angesprochen und sie haben mir gesagt, dass sie es bereuen, dort mitgewirkt zu haben. Zwei von ihnen wohnten nicht mal hier. Einen der Jugendlichen habe ich anschließend intensiver betreut. Mittlerweile ist er auf einem sehr guten Weg und hat ein Studium begonnen", erzählt Toprak.

Das Jugendhaus: Ruhepol und engagierte Unterstützer

Im Jugendhaus und im Teenie-Café finden die Jugendlichen Unterstützung bei Hausaufgaben, ein warmes Mittagessen und häufig auch die Möglichkeit, ihre Hobbys und Träume auszuleben.

Das Café für Jugendliche: Hier finden Jugendliche Unterstützung bei Hausaufgaben und ein warmes Mittagessen.
Das Café für Jugendliche: Hier finden Jugendliche Unterstützung bei Hausaufgaben und ein warmes Mittagessen. (Quelle: Johanna Wendel/T-Online-bilder)

So treffen sich im Jugendhaus mehrmals die Woche Hip-Hop-Tanzgruppen, um zu trainieren, und in einem kleinen Tonstudio können die Jugendlichen eigene Musik aufnehmen. Dabei werden sie aktuell von Josef unterstützt, der im Jugendhaus das Anerkennungsjahr für sein Studium absolviert.

"Das Abmischen habe ich mir hier nach und nach selbst beigebracht", so der junge Mann. Einige kommen aber auch einfach, um Playstation und Billard zu spielen oder am Boxsack zu trainieren. "Viele Jugendliche leben mit ihren Familien auf sehr engem Raum. Sie sind einfach froh, wenn sie hier in Ruhe lernen können."

Das Jugendhaus: Am Haus ist ein Graffiti.
Das Jugendhaus: Am Haus ist ein Graffiti. (Quelle: Johanna Wendel/T-Online-bilder)

Reihenhäuser, wohin das Auge blickt

Und dennoch: In der Mitte wird der Frankfurter Berg durch die Homburger Landstraße getrennt. Auf einer Seite ragen die bezeichnenden Hochhäuser des Stadtteils in die Höhe, rund um die Geschäfte herrscht reges Treiben. Auf der anderen Seite: bunte Reihenhäuser, liebevoll gestaltete Gärten und kaum eine Menschenseele auf den Straßen.

Hier wird vor allem eines: gewohnt. Einer der Bewohner ist Eberhard Centner. Er lebt mit Unterbrechung seit 1997 am Frankfurter Berg. Erst in einem der Gebäude der US-Army, das er und seine Familie jedoch aufgrund von giftigem Parkettkleber verließen.

Eberhard Centner: Der Mann wohnt seit 1997 am Frankfurter Berg.
Eberhard Centner: Der Mann wohnt seit 1997 am Frankfurter Berg. (Quelle: Privat/leer)

Später zog Centner in eines der Reihenhäuser, die in Form mehrere Siedlungen nach und nach zwischen 1937 und 1957 gebaut wurden. "Wir haben zwischenzeitlich in Harheim gewohnt, das im Gegensatz zum Frankfurter Berg einen sehr dörflichen Charakter hat. Hier sind aber alle irgendwann einmal zugezogen", erläutert Centner. "Deshalb ist auch jeder direkt willkommen."

Der ehemalige IT-Spezialist, der sich mittlerweile im Ruhestand befindet, war bis vor einigen Jahren im Bürgerverein des Stadtteils und setzt sich nach wie vor für die Belange der Anwohnenden ein: ob der Ausbau der Bahnstrecke, die Probleme mit Starkregen oder ein dringend benötigter Zebrastreifen an der Homburger Landstraße.

Blick auf den Bahnhof: Die Bahnstrecke sollte ausgebaut werden.
Blick auf den Bahnhof: Die Bahnstrecke sollte ausgebaut werden. (Quelle: Johanna Wendel/T-Online-bilder)
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"Ich habe kein Problem damit, meine Anliegen bei den entsprechenden Gremien der Stadt sachlich vorzubringen und auch hartnäckig zu verfolgen", erklärt Centner. Auch er nennt das Grün und die Nähe zur Nidda als Pluspunkte des Stadtteils. Nur an Restaurants und Möglichkeiten zum Ausgehen fehle es ihm manchmal.

Ein Stadtteil im Wandel

Auffällig ist: Der Frankfurter Berg betreibt eine Vielzahl an Kitas, von denen viele erst seit Kurzem existieren. Ein Zeichen dafür, dass es immer mehr junge Familien in den Stadtteil zieht. Grund dafür sind die relativ günstigen Mieten sowie das Neubaugebiet Hilgenfeld.

Sportplatz am Frankfurter Berg: Die SGE-Mannschaft im Ultimate Frisbee trainiert hier.
Sportplatz am Frankfurter Berg: Die SGE-Mannschaft im Ultimate Frisbee trainiert hier. (Quelle: Eberhard Centner/leer)

Auch alternative Wohnprojekte gibt es im Stadtteil. So wird das Bahnhofsgebäude von mehreren Parteien bewohnt. In den ehemaligen US-Housings hat sich das gemeinschaftliche Wohnprojekt "ProWoKultA – Projekte für Wohnen, Kultur und Aktion" niedergelassen, wo sich zwischen den mit Pflanzen umrankten Häusern keine Wäschespinnen, sondern Hühnerställe und Hochbeete befinden.

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Bekannt ist der Frankfurter Berg über die Stadtgrenzen hinaus auch für das Tonstudio Performance Studios, das Platz für ganze Orchester bietet. Auch die SGE-Mannschaft im Ultimate Frisbee trainiert am Frankfurter Berg – einige der Spielerinnen haben es bis in die U17-Nationalmannschaft geschafft.

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Von Stefan Simon, Frankfurt am Main

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