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Fast alle Kommunen und Landkreise in Hessen sind Hotspots

Von dpa
17.01.2022Lesedauer: 4 Min.
Frankfurt am Main
Menschen gehen ├╝ber den Markt auf der Berger Stra├če im Stadtteil Bornheim. (Quelle: Frank Rumpenhorst/dpa/Archivbild/dpa-bilder)
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Hotspot - das klingt nach einem punktuellem Corona-Ausbruch, nach einem regional begrenzten, zeitlich beschr├Ąnkten Ereignis. Bald aber d├╝rfte das in ganz Hessen der Fall sein: Am Dienstag galten laut Sozialministerium bereits 23 von 26 hessischen Gebietsk├Ârperschaften als Hotspots. Dort gelten strengere Ma├čnahmen in fast allen Bereichen. Das st├Â├čt auf Widerspruch. Die Landesregierung aber h├Ąlt an der Regelung fest.

Hotspot wird eine Kommune oder ein Landkreis, wenn an drei aufeinanderfolgenden Tagen die Inzidenz ├╝ber dem Wert 350 liegt. Zu dann geltenden Regeln geh├Âren ein Alkoholverbot an belebten Orten und Pl├Ątzen sowie eine Maskenpflicht in Fu├čg├Ąngerzonen. Bei Veranstaltungen mit mehr als zehn Personen sowie im Kultur-, Sport- und Freizeitbereich, in der Gastronomie und bei touristischen ├ťbernachtungen gilt drinnen die 2G-Plus- und drau├čen die 2G-Regel.

Am Dienstag waren nur drei Kreise in Nordhessen kein offizieller Hotspot: der Landkreis Kassel, der Schwalm-Eder-Kreis und der Werra-Mei├čner-Kreis. Wobei das nur eine Frage der Zeit sein d├╝rfte, denn allein der Werra-Mei├čner-Kreis liegt in Hessen derzeit noch unter der Grenze von 350 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen - die anderen beiden sind schon dr├╝ber. Spitzenreiter bei der Inzidenz ist die Stadt Frankfurt mit 1220 am Dienstag.

Die Regelungen in der Corona-Pandemie sind nach Auffassung des Hotel- und Gastronomieverbandes Dehoga f├╝r die hessische Hotellerie nicht praxistauglich und zu kompliziert. W├Ąhrend es in der Gastronomie eine einheitliche Linie gebe, st├╝nden Hotelmitarbeiter vor einer Vielzahl von Fragen, sagte der Dehoga-Gesch├Ąftsf├╝hrer Julius Wagner.

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Sie m├╝ssten in Nicht-Hotspot-Regionen pr├╝fen, ob die 3G-, 2G- oder 2G-plus-Regel anzuwenden ist, ob der Gast aus privaten Gr├╝nden, als Tourist oder aus beruflichen Gr├╝nden kommt. Treffe sich ein ├╝bernachtender Tourist zum Fr├╝hst├╝ck mit einem Bekannten, gelte f├╝r den einen die 2G-Regel, f├╝r den anderen wegen der Bestimmungen in der Gastronomie die 2G-plus-Regel. Theoretisch vereinfachten sich durch eine Einstufung als Hotspot die Kontrollen durch die Versch├Ąrfungen, sagte Wagner. Allerdings k├Ânnten dann auch weniger Menschen kommen.

Der Landessportbund Hessen sieht gewisse "Erm├╝dungseffekte" bei den ehrenamtlichen Vereinsf├╝hrungen. Die Kombination von Bundes-, Landes- und kommunalen Auflagen, der Wechsel zwischen hessenweiten Regeln und regionalisierten Auflagen mit Hotspots und Eskalationskonzept, die schnelle Abfolge von immer neuen Regeln "stellen eine hohe Herausforderung f├╝r ein ehrenamtliches System dar", sagte Hauptgesch├Ąftsf├╝hrer Andreas Klages. "Dies setzt das Vereinssystem unter einen hohen Stresstest." Allerdings: "Ein vollst├Ąndiger Lockdown w├Ąre "worst case" und insofern noch schlimmer."

Auch die Kultur sieht sich belastet. Der Museumsverband Hessen berichtet, der Zuspruch zu den Museen sei "├╝berwiegend sehr verhalten". Da bislang sowieso schon Kontrollen durchgef├╝hrt w├╝rden, bedeute 2G-plus keinen besonderen Mehraufwand. Kleinere H├Ąuser h├Ątten zum Teil schon vor diesen Regelungen entschieden, momentan nicht zu ├Âffnen. "Generell w├╝rden wir uns nat├╝rlich eine differenzierte Sicht auf die lokale und regionale Situation beim Infektionsgeschehen w├╝nschen. Wir begr├╝├čen aber, dass der Zugang zu Kultur weiterhin m├Âglich ist", sagte Gesch├Ąftsf├╝hrerin Christina Reinsch.

Selbst f├╝r das Autokino im Neu-Isenburger Stadtteil Gravenbruch gilt laut Landesverordnung nunmehr die 2G-Regel ab einer Zahl von zehn Besuchern. Theaterleiter Heiko Desch hat daf├╝r wenig Verst├Ąndnis - schlie├člich seien die Besucher in ihren Autos vor Ansteckungen gesch├╝tzt. Er habe versucht, die Beh├Ârden davon zu ├╝berzeugen, eine Ausnahme zu pr├╝fen, doch das sei gar nicht erst in Erw├Ągung gezogen worden, sagte Desch: "Ich find's ein Unding."

Die hessischen Amateurtheater seien generell von der Krise stark betroffen, sagte der Pr├Ąsident des Verbandes Hessischer Amateurtheater, J├Ârg Dreismann. Ob nun die Vorgaben 2G oder 2G-plus lauten - das ├Ąndere an dieser Situation ma├čgeblich nicht viel. Er setzt seine Hoffnungen darauf, dass mit dem Sommer wieder mehr m├Âglich sein wird. Einige Gruppen h├Ątten mit schwindender Motivation ihrer Mitglieder zu k├Ąmpfen und mit der Tatsache, dass nach zwei Jahren Corona-Pandemie die finanziellen R├╝cklagen aufgebraucht seien. Der Verband vertritt rund 250 Amateurtheater in Hessen.

Bei "Dona Carmen", einer Beratungsorganisation f├╝r Prostituierte, st├Â├čt die Schlie├čung der Bordelle im Zuge der Hotspot-Regelungen auf scharfe Kritik. "Die Schlie├čung von Prostitutionsst├Ątten - von der Zwei-Sexarbeiterinnen-Wohnung bis hin zum Gro├čbordell - ist ein mutwilliger Akt der Willk├╝r: Mit einem Schutz vor Corona oder mit einer angeblich bevorstehenden ├ťberlastung des Gesundheitssystems hat all dies nicht das Geringste zu tun", hei├čt es in einer Stellungnahme der Organisation.

Die Landesregierung verteidigte die Hotspot-Regelung: Man entscheide "abh├Ąngig von der Gesamtsituation" ├╝ber eine ├änderung der Ma├čnahmen. Dabei beziehe das Land "alle ma├čgeblichen Indikatoren und auch Prognosen und Empfehlungen der Wissenschaft" mit ein. Nachdem ein sprunghafter Anstieg der Fallzahlen durch die Omikron-Variante prognostiziert wurde, habe die Landesregierung zum 17. Januar entsprechend angepasste Ma├čnahmen beschlossen.

"Hessen setzt bereits seit geraumer Zeit auf ein Zusammenspiel verschiedener Kriterien zur Bestimmung der pandemischen Lage - dabei spielt die Belastung der Krankenh├Ąuser, insbesondere die Situation auf den Intensivstationen, eine gro├če Rolle", hie├č es aus Wiesbaden. "Die Inzidenz ist ein weiteres wichtiges, aber schon lange nicht mehr das einzige Kriterium. Die an Inzidenzen gekn├╝pften Hotspot-Regelungen sind zwischen den L├Ąndern und mit dem Bund so vereinbart worden. Kurzfristig sind daran keine ├änderungen geplant."

Die Regierungsfraktionen von CDU und Gr├╝nen im hessischen Landtag haben mit Blick auf die Corona-Krise eine Fortf├╝hrung der pandemischen Notlage beantragt. Damit solle der Weg frei gemacht werden, um wie geplant drei Milliarden Euro zur Bew├Ąltigung der gesundheitlichen, wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Corona-Pandemie in den Landesetat 2022 einzustellen, teilten die beiden Fraktionsvorsitzenden Ines Claus (CDU) und Mathias Wagner (Gr├╝ne), am Dienstag im Landtag mit.

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