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Bauwirtschaft mahnt Einsatz von Recyclingbaustoffen an

Hamburg  

Bauwirtschaft mahnt Einsatz von Recyclingbaustoffen an

07.10.2019, 06:30 Uhr | dpa

Bauwirtschaft mahnt Einsatz von Recyclingbaustoffen an. Baustelle einer Straße

Arbeiter bauen an einer Straße. Foto: Julian Stratenschulte/dpa (Quelle: dpa)

Die Hamburger Bau- und Ausbauwirtschaft (HBAW) fordert einen stärkeren Einsatz sogenannter Recyclingbaustoffe in der Hansestadt. Während in anderen Bundesländern die beim Hochbau durch Abriss anfallenden mineralischen Abfälle recycelt und vor allem im Straßenbau wiederverwendet würden, werde in Hamburg seit knapp drei Jahren fast nur noch Schotter aus Naturstein verwendet, sagte HBAW-Sprecher Michael Seitz der Deutschen Presse-Agentur. Der Rückgang der eingesetzten Recyclingbaustoffe liege bei 50 Prozent. Dies sei nicht nur aus wirtschaftlichen, sondern auch aus Umwelt- und Klimaschutzgründen unsinnig.

Die HBAW vereint acht Branchenverbände, die zusammen circa 1500 Unternehmen mit rund 30 000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von insgesamt knapp drei Milliarden Euro repräsentieren.

In Hamburg fallen nach Angaben der Entsorgergemeinschaft Nord jedes Jahr rund vier Millionen Tonnen mineralische Abfälle an, darunter knapp eine Million Tonnen, die aufbereitet und beispielsweise als Schotter für Tragschichten im Straßenbau wiederverwendet werden könnten.

"Das passiert in der Regel aber nicht", sagte der Geschäftsführer der Entsorgergemeinschaft, Thomas Prenzer. Folge sei, dass die Abfälle auf Deponien außerhalb Hamburgs gelagert oder sogar ins Ausland - etwa in die Niederlande - gebracht würden, wo sie noch Verwendung fänden. Gleichzeitig müssten die natürlichen Baustoffe - da in Hamburg nicht vorhanden - aufwendig herangeschafft werden.

Grund sei eine Ende 2016 ausgelaufene Ausnahmeregelung der Stadt, die die Verwendung der sogenannten Ersatzbaustoffe erleichtert hatte. "Wir haben zum 1. Januar 2017 neue Anforderungen bekommen. Seither dürfen wir das Recyclingmaterial nur noch in den sogenannten Frostschutzschichten einbauen", sagte Andreas Buhk, Geschäftsführer der Hamburger RBS Kiesgewinnung. Aber selbst in diesem Bereich finde es kaum mehr Verwendung, obwohl es laut Vorgaben nach wie vor zum Einsatz kommen solle. "Es wird einfach nicht mehr ausgeschrieben."

Die Ursache dafür liege vor allem in den Behörden, die die Ausschreibungen im Straßenbau vornähmen, sagte Seitz. "Es ist in Hamburg einfach viel bequemer, Naturbaustoffe auszuschreiben, weil keine Einbauvorschriften abgeglichen werden müssen. Dann nehme ich doch gleich den Kies aus Schottland oder Norwegen, das passt immer." Und das, obwohl die Ersatzbaustoffe nur etwa halb so viel kosteten.

Buhk zufolge unterliegen sie auch ständiger Kontrolle. "Wir müssen über ein externes Untersuchungslabor Schadstoffparameter prüfen lassen und die Ergebnisse bei der Behörde einreichen. Alle 1000 Tonnen wird das Produkt neu überprüft", sagte er. Dafür gebe es ein Qualitätssiegel. "In der Vergangenheit haben wir es geschafft, diese Recyclingprodukte in den Hamburger Straßenbau zurückzubringen." Umweltschäden habe es dadurch nie gegeben.

Mittlerweile gebe es kaum noch Deponiekapazitäten für die mineralischen Abfälle, ein "Entsorgungsnotstand" sei absehbar, sagte Tilmann Quensell, Vorstand der Entsorgergemeinschaft Hamburg und Geschäftsführer bei Otto Dörner, Kies und Deponien. Er habe den Eindruck, dass das Problem von der Politik in seiner Tragweite nicht erfasst werde. "Aber ich denke, das Thema wird an Fahrt aufnehmen, wenn man sieht, wie die Baukosten in die Höhe gehen, der Bauschutt liegen bleibt und nicht mehr abgefahren wird. Man wird merken, dass der Abbruch sich enorm verteuern wird."

Dass es auch anders gehe, zeige das Beispiel Berlin, wo der Einsatz von Recyclingbaustoffen als Regel vorgeschrieben sei. "Das heißt, dort muss ich begründen, warum ich sie nicht verwende, sowohl beim behördlichen als auch beim privaten Bau. Die Beweislast ist also umgedreht", sagte Quensell. Auch in Thüringen oder Rheinland-Pfalz werde der Einsatz von Ersatzbaustoffen in öffentlichen Ausschreibungen gefordert und praktiziert.

Der HBAW-Sprecher glaubt, dass sich das Problem in Hamburg weiter verschärfen wird. "Wenn wir hier in Hamburg Gebäude abbrechen - und das tun wir in großer Zahl, weil wir neue Wohnungen bauen und nachverdichten wollen -, dann müssen wir doch auch gucken, wo wir mit dem Zeug bleiben. Es kann doch nicht sein, dass wir es aufwendig anderswo hin transportieren, obwohl es möglich wäre, es hier zu verbauen." So könnte auch der Flächenverbrauch, der mit der Gewinnung natürlicher Baustoffe einhergehe, deutlich reduziert werden. Es gehe nicht nur ums Geld, sondern auch um den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen, sagte Seitz.

Auch Prenzer verwies auf die positive Wirkung der Kreislaufwirtschaft für das Klima. "Wenn ich das Material hier vor Ort wiederverwenden kann auf kurzen Wegen, habe ich ja einen viel geringeren CO2-Ausstoß, als wenn ich es nach Holland oder Mecklenburg fahre und auf der anderen Seite auch noch Naturbaustoffe aus Schottland oder Norwegen mit dem Schiff hierher bringe."

Darüber hinaus seien die Ersatzbaustoffe aufgrund ihrer Beschaffenheit vielfach sogar besser geeignet als natürliches Gestein, sagte Tim Batzer, Vorstandsmitglied der Bauinnung und Inhaber der Hamburger Firma Werner Batzer Tief- und Straßenbau. "Ich als Straßenbauer baue lieber das Recycling-Material ein, weil ich damit eine wesentlich bessere Verdichtung erreiche als mit Naturschotter. Für mich ist es das bessere Material."

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

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