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Umstrittener Zeuge im Stutthof-Prozess zieht Konsequenzen

Hamburg  

Umstrittener Zeuge im Stutthof-Prozess zieht Konsequenzen

13.01.2020, 07:12 Uhr | dpa

Umstrittener Zeuge im Stutthof-Prozess zieht Konsequenzen. Prozess gegen ehemaligen SS-Wachmann

Der Angeklagte wird im Rollstuhl nach dem Prozess aus dem Gerichtssaal gebracht. Foto: Georg Wendt/dpa/Archivbild (Quelle: dpa)

Knapp zwei Monate nach seinem spektakulären Auftritt im Stutthof-Prozess hat ein 76 Jahre alter amerikanischer Zeuge seinen Antrag auf Nebenklage-Zulassung zurückgezogen. Das gab der beigeordnete Anwalt von Moshe Peter Loth am Montag vor dem Landgericht Hamburg bekannt. "Wir begrüßen die Entscheidung, dass Herr Loth seinen Nebenklageantrag zurückgenommen hat", sagte die Vorsitzende Richterin dazu. Der Nebenklagevertreter hatte damit einer Entscheidung des Gerichts vorgegriffen.

Die Jugendkammer hatte nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" die Glaubwürdigkeit des 76-Jährigen prüfen lassen. Aus dem Bericht ging hervor, dass die Angaben des Zeugen und Nebenklägers zu seinem Leben zumindest teilweise nicht stimmen können. So hatte Loth vor Gericht gesagt, er sei als Säugling mit seiner jüdischstämmigen Mutter in dem Konzentrationslager bei Danzig interniert gewesen.

Die Recherchen des Gerichts hätten nun ergeben, "dass der Vortrag teilweise nicht richtig sein kann", so die Richterin. So habe Loth behauptet, ihm und seiner Mutter seien Häftlingsnummern eintätowiert worden. "Unsere Nachforschungen haben ergeben, dass tatsächlich nur in Auschwitz Häftlingsnummern eintätowiert wurden." Die Kammer sehe den Vortrag des Zeugen deshalb als "nicht so besonders glaubwürdig" an.

Nach Recherchen des "Spiegel" gibt es auch keine Hinweise auf jüdische Vorfahren Loths. Dieser hatte im November zum Schluss seiner Aussage bei dem Prozess erklärt, er vergebe dem Angeklagten, und ihn unter Tränen umarmt.

Über die Anträge zur Nebenklage wird der Richterin zufolge "nur auf Papierlage" entschieden. Der Jura-Professor Cornelius Nestler, der die amerikanische Stutthof-Überlebende Judith Meisel als Nebenklägerin vertritt, sagte dazu am Montag: "Ich bin sehr froh darüber, dass dieses Kapitel jetzt geschlossen wurde."

Angeklagt ist ein ehemaliger Wachmann in dem Konzentrationslager bei Danzig. Die Staatsanwaltschaft wirft dem heute 93-Jährigen Beihilfe zum Mord in 5230 Fällen vor. Er soll im KZ Stutthof zwischen dem 9. August 1944 und dem 26. April 1945 "die heimtückische und grausame Tötung insbesondere jüdischer Häftlinge unterstützt" haben. Zu seinen Aufgaben habe es gehört, die Flucht, Revolte und Befreiung von Gefangenen zu verhindern.

Am Montag hörte das Gericht zudem abermals den Historiker Stefan Hördler zu der Frage, ob zum KZ-Wachdienst abkommandierte Wehrmachtssoldaten - wie der Angeklagte - einen Antrag auf Rückversetzung in die Truppe stellen konnten. Am Beispiel eines anderen Soldaten aus dem KZ Stutthof skizzierte Hördler, dass es durchaus Versetzungen in eine andere Truppe gegeben hatte. "Derartige Gesuche waren jederzeit möglich."

Zudem versuchte der Sachverständige zu zeigen, welcher Ton in der 1. Kompanie des KZ Stutthof geherrscht haben könnte. Dieser Kompanie war auch der Angeklagte zugeordnet. Den historischen Aufzeichnungen zufolge wurde diese von Männern geführt, die keine Skrupel hatten, Gewalttaten und Morde auszuführen und überzeugte Nationalsozialisten waren.

Der Angeklagte selbst sagte dazu: "Ich kann mich an keinen mehr so genau erinnern". Er wisse auch nicht, wer damals sein Gruppenführer war und wie dieser charakterlich einzuschätzen war. Er habe zudem in erster Linie mit gleichaltrigen Soldaten gesprochen. Die "wollten alle nur nach Hause".

Der Prozess findet vor einer Jugendkammer statt, weil der Beschuldigte zur Tatzeit erst 18 Jahre alt war. Der Prozess wird am 17. Januar fortgesetzt.

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