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Ex-SS-Wachmann: "Ich war nicht für die Meinung der SS"

Hamburg  

Ex-SS-Wachmann: "Ich war nicht für die Meinung der SS"

17.01.2020, 02:50 Uhr | dpa

Ex-SS-Wachmann: "Ich war nicht für die Meinung der SS". Angeklagter ehemaliger SS-Wachmann

Der 93-jährige Angeklagte wird in den Gerichtssaal gebracht. Foto: Georg Wendt/dpa Pool/dpa/Archivbild (Quelle: dpa)

Der ehemalige SS-Wachmann des Konzentrationslagers Stutthof hat vor Gericht ausgesagt, dass er mit den Ideologien der Nationalsozialisten nichts anfangen konnte. "Die habe ich nie geteilt. Ich war nicht für die Meinung der SS", sagte der 93-Jährige am Freitag vor dem Landgericht Hamburg. Auch die Auffassung, dass man jüdische Kinder töten muss, damit sie nicht die Rächer von morgen sind, "habe ich auf keinen Fall geteilt", sagte er weiter. Die Anwälte der Nebenkläger befragten den Angeklagten und wollten in erster Linie wissen, ob er von Gräueltaten, Ermordungen und Kindern im Lager gewusst und die Ideologie der Nazis geteilt habe.

Der Angeklagte ist davon überzeugt, dass er in dem Lager bei Danzig keine Kinder bemerkt hat. "Ich habe Kinder in Stutthof überhaupt nicht gesehen. Ich habe dort nur Erwachsene gesehen". Er wolle aber auch nicht ausschließen, dass zwischen den älteren Gesichtern auch jüngere waren. Dass in dem Lager Kinder erhängt oder erschossen wurden, habe er nicht gewusst und nicht gesehen, beteuerte der Angeklagte immer wieder.

Zudem erinnerte sich ein Kriminalbeamter, der die Durchsuchung im Haus des Angeklagten geleitet hatte, an die erste Vernehmung des Beschuldigten. "Er hat gesagt, ich habe sehr viele Leichen gesehen", erinnerte sich der Polizist. Der Angeklagte habe aber nicht gesehen, wie die Menschen getötet wurden. "Er habe aber gesehen, wie Gefangene die Leichen von Mitgefangenen auf Wagen getragen haben." Sie sollen dem Beschuldigten zufolge allesamt an Krankheiten gestorben sein. Nur einmal habe er bei einer Hinrichtung zuschauen müssen, nachdem ein Gefangener einen anderen getötet hatte und dafür gehängt worden war.

Auch dem Kriminalbeamten gegenüber habe der Angeklagte bei der Vernehmung immer wieder gesagt, "dass er nicht freiwillig da (im KZ Stutthof) war". "Er sagte auch, dass ihm die Leute leidtaten und dass er für sich keine Möglichkeit sah, sich diesem Dienst zu entziehen."

Der in Hamburg lebende Beschuldigte war nach Angaben der Staatsanwaltschaft als junger Mann von August 1944 bis April 1945 im Konzentrationslager Stutthof bei Danzig im Einsatz. Dem Angeklagten wird Beihilfe zum Mord in 5230 Fällen vorgeworfen. Er soll im KZ Stutthof "die heimtückische und grausame Tötung insbesondere jüdischer Häftlinge unterstützt" haben. Zu seinen Aufgaben habe es gehört, die Flucht, Revolte und Befreiung von Gefangenen zu verhindern. Der Fall wird vor der Jugendstrafkammer verhandelt, weil der Beschuldigte zur Tatzeit 17 und 18 Jahre alt war.

Dass er in dem Lager Dienst tun musste, habe er jahrelang versucht, aus seinen Gedanken zu verdrängen, sagte der Angeklagte am Freitag. "Ich habe versucht zu vergessen, was da geschehen ist. Ich habe es unterdrückt. (..) Ich habe über das, was passiert ist, auch in meiner Familie kein Wort gesprochen." Lediglich seiner Frau habe er sich zu Beginn der Beziehung offenbart. Mittlerweile spreche er auch mit seinen Enkeln darüber.

Am Freitag hatte die Kammer zudem einen Befangenheitsantrag der Verteidigung gegen den Historiker Stefan Hördler zurückgewiesen. Der Sachverständige hatte ein historischen Expertengutachten erarbeitet. "Es lässt sich keine systematische Fehlerhaftigkeit zu Lasten des Angeklagten herleiten", sagte die Vorsitzende Richterin dazu.

Die Verhandlung wird am 24. Januar mit dem weiteren Gutachten des Historikers Hördler fortgesetzt. Das Gericht hatte zuletzt zehn neue Termine bis Mitte Mai angesetzt.

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