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Schleswig-Holstein verschärft Vorgehen gegen Coronavirus

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Schleswig-Holstein verschärft Vorgehen gegen Coronavirus

09.03.2020, 17:36 Uhr | dpa

Schleswig-Holstein verschärft Vorgehen gegen Coronavirus. Eine Mitarbeiterin hält eine Atemschutzmaske in der Hand

Eine Mitarbeiterin hält eine Atemschutzmaske in der Hand. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Archivbild (Quelle: dpa)

Schleswig-Holstein hat seine Vorkehrungen gegen das neue Coronavirus mit Sanktionen verschärft. Wer derzeit aus Ländern mit erhöhtem Risiko zurückkehrt, darf vorerst keine Kitas, Schulen, Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und Hochschulen betreten. Das verfügte das Gesundheitsministerium am Montag. Dies gelte für Menschen, die innerhalb der letzten 14 Tage in einem Risikogebiet waren, für einen Zeitraum von zwei Wochen. Die Verfügung gilt auch für Berufsschulen, Kinder- und Pflegeheime sowie Rehakliniken.

Auch eine als positiv gemeldete Person in Schleswig-Holstein sei mittlerweile in klinischer Behandlung, gab das Ministerium an. Der erste deutsche Covid-19-Tote kommt aus dem nördlichsten Bundesland. Wie am Montag bekannt wurde, lebte der im Ägyptenurlaub an einer Infektion mit dem Virus gestorbene Hamburger Feuerwehrmann im Kreis Herzogtum Lauenburg. Am Morgen informierten laut Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU) zwei Beamte der Polizeistation Lauenburg die vorzeitig zurückgekehrte Frau über den Tod ihres Mannes. Die Zahl der mit dem neuen Virus angesteckten Schleswig-Holsteiner stieg laut Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) auf 11. In Hamburg wurden es am Montag 22.

Die Witwe und die beiden Lauenburger Polizisten wurden Grote zufolge vorsorglich zu Hause isoliert. Die Polizeistation blieb vorläufig geschlossen und soll nach einer Desinfektion am Dienstag wieder öffnen. Nach Informationen des "Hamburger Abendblatts" hatten der Feuerwehrmann und seine Frau eine Nilkreuzfahrt gemacht. Er sei im Ferienort Hurghada gestorben. Ägyptens Gesundheitsministerium hatte das Alter des Mannes am Sonntag mit 60 angeben, der NDR bezifferte es am Montag unter Berufung auf eigene Recherchen mit 59.

"In Teilen von Deutschland haben wir inzwischen ein sehr dynamisches Geschehen", sagte Minister Garg zu den neuen Maßnahmen. "Nach Abwägung zwischen der Wirksamkeit von Maßnahmen und der Verhältnismäßigkeit haben wir weitergehende Entscheidungen getroffen, um eine Ausbreitung der Erkrankung im Norden zu verlangsamen." Jeder sollte dazu beitragen, eine Ausbreitung zu bremsen.

"Es müssen weiterhin kontaktreduzierende Maßnahmen zur Beeinflussung der Ausbreitungsdynamik ergriffen werden, um Infektionsketten zu unterbrechen", sagte die Infektionsschutzreferentin Anne Marcic aus dem Gesundheitsministerium. Aufgrund des vorherrschenden Übertragungswegs per Tröpfcheninfektion könnten auch mild erkrankte Menschen das Virus leicht durch Husten oder Niesen übertragen. Zunehmend gingen bestätigte Fälle von Covid-19-Erkrankungen derzeit auf Kontakte von Rückkehrern aus Risikogebieten zurück, sagte Marcic.

Die Industrie- und Handelskammer berichtete über Belastungen für die Wirtschaft. In einer Blitzumfrage gaben vier von zehn Unternehmen an, sie spürten schon Auswirkungen auf ihre Geschäfte, in der Reisebranche vier von fünf. Unsicherheiten über künftige Geschäfte und Investitionen sowie geringere Nachfrage an Produkten und Dienstleistungen belasteten die unternehmerischen Tätigkeiten, hieß es. Zunächst seien wegen der Ansteckungswelle in China vor allem die exportorientierten Unternehmen betroffen gewesen, jetzt treffe es auch Messebetriebe, die Reisewirtschaft und das Gastgewerbe, sagte IHK-Präsidentin Friederike C. Kühn.

Die massenweise Stornierung von Veranstaltungen und Messen setze diese Bereiche erheblich unter Druck. "Den Unternehmen brechen derzeit Aufträge in einem nicht bekannten Ausmaße weg – ohne eine Kompensation ihrer laufenden Kosten", sagte Kühn. "Hier sind schnelle Hilfemaßnahmen notwendig, um die Wirtschaft in einem ohnehin angespannten Umfeld zu entlasten." 32 Prozent der befragten Unternehmen wünschten sich finanzielle Überbrückungshilfen, in Reisebranche sogar 61 Prozent. "Die Unternehmen brauchen jetzt unbürokratische Liquiditätshilfen, damit sie durch das Virus nicht unverschuldet in finanzielle Schieflage geraten", sagte Kühn. Laut IHK-Umfrage erwarten 37 Prozent der befragten Unternehmen einen Umsatzrückgang infolge des Coronavirus. Die SPD verlangte vom Land ein Maßnahmenpaket gegen die wirtschaftlichen Folgen.

Der Kreis Rendsburg-Eckernförde untersagte am Montag als erster Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Menschen in geschlossenen Räumen. Dies folgt einer Empfehlung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

Wegen der Ausbreitung des Coronavirus erwägt die Nord-SPD eine mögliche Absage ihres Landesparteitags am 21. März in Lübeck. "Wir prüfen das intensiv und beobachten die Entwicklung", sagte Pressesprecher Frederik Digulla der dpa. Endgültig müsse der Landesvorstand am Montag nächster Woche entscheiden.

Die FDP prüft ebenfalls eine eventuelle Absage ihres Parteitags, der für den 28. März in Büdelsdorf angesetzt ist. Am Montag teilte die FDP auch mit, als präventive Maßnahme werde der Frühlingsempfang von Fraktion und Landesverband am Montag nächster Woche ausfallen. Die AfD hatte bereits in der vorigen Woche ihren für den 29. März geplanten Landesparteitag abgesagt. Die Landtagssitzung in der nächsten Woche soll indes nach bisherigem Stand wie geplant stattfinden. Öffentliche Veranstaltungen über den Parlamentsbetrieb hinaus hatte der Landtag gestrichen, ebenso wie Gruppenbesuche.

Die Corona-Krise beeinträchtigt auch die Zusammenarbeit mit der chinesischen Partnerprovinz Zhejiang. Eine für den 13. bis 18. April geplante Reise von Mitgliedern der gemeinsamen Förderkommission findet laut Staatskanzlei nicht statt, weil die Lufthansa bis 24. April alle Flüge zum chinesischen Festland gestrichen habe.

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