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Hamburg: Was passiert mit den Kindern aus Babyklappen?

Seit 20 Jahren  

Wie Babyklappen verzweifelten Frauen helfen können

02.04.2020, 15:21 Uhr | dpa, t-online.de

Hamburg: Was passiert mit den Kindern aus Babyklappen?. Blick auf die Babyklappe Karlsruhe: Sie befindet sich in einer unscheinbaren Hauswand. (Quelle: dpa/Uli Deck)

Blick auf die Babyklappe Karlsruhe: Sie befindet sich in einer unscheinbaren Hauswand. (Quelle: Uli Deck/dpa)

Vor 20 Jahren ging in Hamburg die erste Babyklappe an den Start. Mittlerweile gibt es über 100 solcher Stationen für Mütter in Not – so auch in Karlsruhe und Stuttgart. 

Seit der Eröffnung der ersten Babyklappe in Hamburg vor 20 Jahren wurden 56 Babys in den drei Einrichtungen des Vereins Sternipark abgegeben. "Es geht darum, Leben zu retten. Wenn nur eine Frau den Weg zu uns findet, statt ihr Kind auszusetzen, dann hat sich unsere Arbeit schon gelohnt", sagte Leila Moysich, Geschäftsführerin von Sternipark Hamburg, der Deutschen Presse-Agentur.

Der Verein hatte am 8. April 2000 die erste Einrichtung in Deutschland eröffnet, in der Mütter oder Väter ihr Kind unerkannt abgeben können. Mittlerweile gibt es rund 100 solcher Babyklappen in Deutschland.

"Im ersten Jahr wurden sieben Babys bei uns abgegeben, mittlerweile sind die Zahlen deutlich zurückgegangen", sagte Moysich. Im Moment werde pro Jahr nur noch ein Baby in den Babyklappen des Vereins abgegeben. Das liege zum einen an der gestiegenen Zahl von Babyklappen, zum anderen hätten sich durch Elternzeit und mehr Kitaplätzen auch die Lebensumstände für Mütter verbessert.

Wenn ein Baby abgelegt wird, wird der Alarm ausgelöst

Die erste Babyklappe im Südwesten liegt im Karlsruher Stadtteil Neureut. Sie befindet sich in einer Nische in einer unscheinbaren Hauswand und ging gut ein Jahr nach der bundesweit ersten Einrichtung in Hamburg an den Start. In den acht Einrichtungen dieser Art, die es im Südwesten inzwischen gibt, wurden über 90 Babys abgegeben.

Ob sich darunter auch tote Babys befunden haben, darüber ist laut Sozialministerium nichts bekannt. In Karlsruhe allerdings gab es 2008 einen solchen Fall, berichtet Sozialpädagogin Ursula Kunz vom Diakonischen Werk Karlsruhe – ihres Wissens nach war es der einzige im Südwesten. Die Mutter des toten Kindes hatte sich nie gemeldet. Auch die Todesursache des Babys konnte nicht geklärt werden.

Am Karlsruher Standort wurden bisher 25 Babys abgelegt. Wenn der Alarm ausgelöst wird, kümmern sich eine Handvoll Ehrenamtliche darum, dass das Baby umgehend aus dem gewärmten Bettchen geholt und in die Kinderklinik gebracht wird. Bei vier der Babys meldeten sich die Eltern oder Großeltern. Die anderen wurden adoptiert oder kamen in Pflegefamilien.

Generell sei es so, dass sich bei höchstens einem Drittel der Babys die Mutter meldet und das Kind zurückhaben möchte beziehungsweise zurückbekommt. Meist sind es tatsächlich Neugeborene, die abgelegt werden. Absolute Ausnahme: Einmal wurde ein neun Monate altes Kleinkind in die Babyklappe in Karlsruhe gelegt, erzählt Kunz.

Zuschüsse vom Land gibt es für Babyklappen nach Auskunft des Sozialministeriums nicht. Sie finanzieren sich über Spenden, private Gönner, kirchliche Stiftungen oder andere Träger.

Vertrauliche Geburt in Klinik als Alternative?

Die Kosten seien nicht hoch, sagt Carola Strauß, Leiterin des Weraheims in Stuttgart, das ebenfalls eine Babyklappe betreibt. 40 Neugeborene wurden dort seit 2002 abgelegt. Aus Sicht von Strauß gibt es im bevölkerungsreichen Bundesland viel zu wenig Babyklappen. "Die Entfernung zwischen den Standorten ist groß; die Gefahr entdeckt zu werden, für Mütter auf dem Weg dahin hoch", sagt sie.

Neben den Babyklappen haben Mütter auch die Möglichkeit, in einem Krankenhaus anonym zu gebären, also ohne zu einer Beratung verpflichtet zu sei und vor allem auch ohne dass sie ihre Personalien preisgeben müssen. Vorteil: Sie und das Kind werden medizinisch betreut. Nachteil für das Kind: Es wird später keine Informationen über seine Mutter bekommen können. Zahlen dazu gibt es laut Sozialministerium nicht.

Immer mehr Beachtung findet laut Kunz die vertrauliche Geburt. Vorteil: Mutter und Kind werden medizinisch betreut. Die Mutter hinterlegt zudem ihre Personalien. Ausschließlich das Kind hat das Recht, diese Informationen über die Mutter später zu bekommen. Im Jahr 2018 machten zehn Mütter von der Möglichkeit der vertraulichen Geburt Gebrauch.

Ein kompletter Ersatz für die Babyklappe sind vertrauliche Geburten aber nicht, meint Strauß. Denn manche Frauen schrecke es, dass das Kind später Kontakt aufnehmen könnte und sie wollen unbedingt anonym bleiben. Die Dunkelziffer für getötete Neugeborene schätzt Strauß als hoch ein. "Und sie könnte ohne die Möglichkeiten der Babyklappen noch höher liegen."

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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