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Rotlicht-Konzept: Sex mit strikten Hygieneregeln möglich

Hamburg  

Rotlicht-Konzept: Sex mit strikten Hygieneregeln möglich

16.07.2020, 15:32 Uhr | dpa

Rotlicht-Konzept: Sex mit strikten Hygieneregeln möglich. Prostituierte am Tag der offenen Tür in Bordellen

Ein Prostituierte verdeckt mit einer Mund-Nasen-Maske an ihrem Arbeitsplatz ihr Gesicht. Foto: Markus Scholz/dpa (Quelle: dpa)

Bei einem Tag der offenen Tür haben Hamburger Sexarbeiterinnen aus der Herbertstraße auf St. Pauli ein eigenes Konzept für die Corona-Zeit vorgelegt. Mit Masken, Kondomen, strikten Hygieneregeln und abstandswahrenden Sexstellungen könnten ihre Dienstleistungen ohne erhöhtes Infektionsrisiko angeboten werden, sagten am Donnerstag Mitglieder der Gruppe "Sexy Aufstand Reeperbahn", die eine Wiederzulassung des Bordellbetriebs fordern.

Der Leiter des Bezirksamts Mitte, Falko Droßmann (SPD), äußerte Verständnis für den Unmut im Rotlichtviertel. Das Sexgeschäft finde ja anderswo trotz Corona statt, auch in den Parks gehe es heiß her. "Die illegalen Escorts, die arbeiten ja in den Wohnungen. Aber die einzigen, die es sauber machen, die es legal machen, die sozialversichert sind und es freiwillig machen, die dürfen nicht", sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Zwar habe der Bundesverband sexuelle Dienstleistungen (BSD) bereits ein Hygienekonzept vorgelegt, sagte die 57-jährige Annemarie, die als Wirtschafterin in einem Bordell in der Herbertstraße arbeitet. Aufgrund der Besonderheiten in der Herbertstraße habe man sich aber für einen eigenes Konzept entschieden, mit dem man den Behörden klarmachen wolle, dass es keinen Grund gebe, die Prostitution weiter zu verbieten. "Wir sind keine Virenschleudern und wir wollen auch keine sein", sagte sie.

"Damit die Abstandsregelung eingehalten wird, mussten wir natürlich Plätze wegnehmen", erklärte die Wirtschafterin, die früher selbst in der Herbertstraße angeschafft hat. Zwischen den sogenannten "Schotten", in denen normalerweise die Damen leicht bekleidet und dicht an dicht hinter Fenstern ihre Dienste anbieten, hängen nun Plexiglasscheiben. Auf den nun freibleibenden Barhockern wurden Gummipuppen gesetzt, die Türklinken mit keimhemmendem Kupferband umwickelt.

"Beim Gespräch mit dem Gast am Fenster wird Mundschutz getragen und wir achten darauf, dass auch der Gast Maske trägt." Kommt er rein, wird die Maske gegen eine neue getauscht, außerdem werden die Hände desinfiziert. Auf dem Zimmer müssten die Geschlechtsteile von Prostituierter und Gast davor und danach gewaschen werden, sagte sie.

Persönliche Daten müssen wie beim Restaurantbesuch auch im Puff zur Nachverfolgung im Infektionsfall hinterlegt werden. Dies erfolge über einen Online-Dienstleister per Handy über einen QR-Code, so dass die Anonymität des Gastes im Bordell gewahrt bleibe, sagte Annemarie. "Der Kunde hat ja ansonsten viel zu viel Angst, dass er erpresst wird aus dem Milieu. Dass man zu seiner Frau geht und sagt: "Du, Dein Schatzi war bei einer Prostituierten". Das wollen wir natürlich umgehen."

Auch beim Zusammensein mit einer Prostituierten müssen sich vor allem Freier mit speziellen Wünschen einschränken. "Alles, was Austausch von Körperflüssigkeiten ist - Besamung, Körperbesamung, An-Pipi, An-Pupu, Anspucken, Küssen - geht nicht." Allzu enger Körperkontakt könne beim Sex von hinten vermieden werden, erklärte sie. "Das mögen Männer auch unheimlich gerne, das ist eigentlich auch die Number one bei den Herren, warum auch immer."

Kondompflicht herrsche ohnehin schon seit vielen Jahren. "Ungeschützten Sex gibt es auch nicht für mehr und auch nicht für viel Geld", sagte Annemarie. In den Zimmern werde nach jedem Besuch die Wäsche gewechselt und ordentlich gelüftet, glatte Oberflächen desinfiziert. Nach jedem Kunden würden sich die Damen waschen.

"Aber alles das war auch schon vorher der Fall. Wir sind ja Hygiene-Profis", sagte auch Karolin, die seit zwei Jahren in der Herbertstraße arbeitet. Neu sei eigentlich nur die Maske, die sie nur zum Oralverkehr abnehme. "Dann ist ja der Abstand gewahrt", sagte die 27-Jährige.

"Es ist wichtig, dass solche Aktionen hier stattfinden, damit auch die, bei denen es ja nicht gleich um eine Million Menschen geht, sondern vielleicht nur um eine kleine Gruppe, nicht vergessen werden", sagte Droßmann, der zum Tag der offenen Tür in die Herbertstraße gekommen war. Gerade im Sexgeschäft gehe es auch um Vertrauen. "Es ist auch wichtig, dass die Menschen wissen, wenn sie hier herkommen, dass die Betreiberinnen und Betreiber darauf achten, dass es hygienisch zugeht."

Auf weitere Lockerungen müssen Sexarbeiterinnen und Bordellbetreiber aber noch warten. Erst Ende August wird sich der Senat wieder damit befassen.

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