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Forum Tideelbe will der Elbe wieder mehr Raum geben

Hamburg  

Forum Tideelbe will der Elbe wieder mehr Raum geben

30.09.2020, 14:42 Uhr | dpa

Forum Tideelbe will der Elbe wieder mehr Raum geben. Elbe

Blick auf das Deichvorland und die Elbe. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa/Archivbild (Quelle: dpa)

Überschattet von Plänen der Hamburger Wirtschaftsbehörde zur Verklappung von Hafenschlick beim Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer hat das Forum Tideelbe nach vierjähriger Arbeit seine Ideen zur Verringerung der Tidendynamik vorgelegt. Danach empfiehlt das Gremium - ein Zusammenschluss von Vertretern Hamburgs, Niedersachsens, Schleswig-Holsteins, des Bundes, der Kreise und Kommunen sowie von Verbänden und Organisationen - der Unterelbe wieder mehr Raum zu geben, wie das Forum am Mittwoch mitteilte. Dabei soll der Wiederanschluss der Alten Süderelbe und der Haseldorfer Marsch an das Tidegeschehen in einer nächsten Arbeitsphase vertiefend betrachtet werden.

Die Dynamik der Tide müsse wieder einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Ebbe und Flut angenähert werden, heißt es in der länderübergreifenden Empfehlung des Gremiums. Menschliche Eingriffe wie die Elbvertiefung, der Ausbau von Häfen und Eindeichungen hätten maßgeblich dazu beigetragen, dass der Flutstrom im Verhältnis zum Ebbstrom stärker geworden sei. Dieses Missverhältnis der Tide führe zu einem Überschuss an Sedimenten, "der die Zugänglichkeit zu den Häfen an der Unterelbe genauso gefährdet wie die ökologisch wertvollen Lebensräume der Tideelbe".

Wegen der hohen Schlickbelastung im Hamburger Hafen hatte die Wirtschaftsbehörde zuletzt eine neue Abladestelle bei der Insel Scharhörn an der Elbmündung ins Spiel gebracht, das Forum Tideelbe dabei aber nicht eingebunden. Es sei nicht zuständig, hatte Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos) erklärt - was Umweltverbände jedoch ganz anders sehen. "Damit haben die Hamburger Verantwortlichen für die Elbvertiefung und das Sedimentmanagement dem Forum Tideelbe schweren Schaden zugefügt", erklärten BUND, Nabu und WWF. Das Forum sei mit dem klaren Ziel angetreten, durch den Dialog "erworbenes Vertrauen nach Möglichkeit zu festigen und auszubauen".

Gleichzeitig forderten die Umweltverbände die Hafenverwaltung HPA auf, für die Eingriffe in das Ökosystem der Tideelbe Verantwortung zu übernehmen. Dazu gehöre auch, mit allen Beteiligten zu sprechen, bevor man Hafenschlick am Rande des Nationalparks verklappen wolle. "Bei solchem Verhalten muss sich die HPA nicht wundern, wenn sie wieder in langwierigen gerichtlichen Auseinandersetzungen landet."

Hamburg gibt jährlich zwischen 90 und 100 Millionen Euro aus, um rund drei Millionen Tonnen Schlick aus dem Hafen zu baggern und entweder südlich von Helgoland an der Tonne E3 oder bei Neßsand vor den Toren der Stadt in der Elbe zu verklappen. Das Problem: Die mit Schleswig-Holstein getroffene Vereinbarung zum Schlickabladen in der Nordsee endet Ende 2022, das Verklappen bei Neßsand führt dazu, dass der Schlick vier bis sechs Wochen später wieder im Hafen ist - und erneut weggeschafft werden muss.

Deshalb habe Wirtschaftssenator Westhagemann Scharhörn als Alternative und mögliche Zwischenlösung ins Spiel gebracht. Hamburg sei auch mit dem Bund im Gespräch, "die sogenannte Sonderwirtschaftszone zu nutzen". Dieser Plan, Schlick in der Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) weit vor der Norddeutschen Küste zu verklappen, ist nach HPA-Angaben jedoch europaweit bislang einmalig, langwierig und sehr kompliziert umzusetzen.

Die für die fachliche und wasserrechtliche Genehmigung zuständige Umweltbehörde zeigte sich irritiert, dass die Wirtschaftsbehörde von "abgestimmten Überlegungen" gesprochen habe. Sie sei über die Pläne informiert und diese seien auf Arbeitsebene auch diskutiert, aber noch nicht abgestimmt worden, hieß es. Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) sagte: "Um die auch für den Fluss schädliche Kreislaufbaggerei dauerhaft zu beenden, sind mehrere Optionen im Gespräch, Scharhörn ist nur eine davon. Es gibt im Senat noch keine favorisierte Variante." Ihm sei wichtig, dass Hamburg darüber nicht einseitig und allein entscheide, sondern dass dieses mit den norddeutschen Partnern gemeinsam besprochen und entschieden werde.

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