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Frust und Verständnis bei Kulturmachern wegen Teil-Lockdowns

Hamburg  

Frust und Verständnis bei Kulturmachern wegen Teil-Lockdowns

29.10.2020, 11:35 Uhr | dpa

Frust und Verständnis bei Kulturmachern wegen Teil-Lockdowns. Carsten Brosda (SPD), Senator für Kultur und Medien in Hamburg

Carsten Brosda (SPD), Senator für Kultur und Medien in Hamburg. Foto: Christian Charisius/dpa/Pool/dpa/Archivbild (Quelle: dpa)

Bundesweit müssen Theater, Kinos, Opern und Konzerthäuser wegen der stetig steigenden Corona-Infektionszahlen im November wieder dicht machen. Zum zweiten Mal in diesem Jahr muss die Branche damit eine Zwangspause einlegen. Das löst bei den Kulturmachern bei allem Verständnis für die drastischen Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus Frust und Unverständnis aus.

So bezeichnete Thalia-Theater-Intendant Joachim Lux die anstehende Zwangspause als "sehr bitter". Dass bei einer unkontrollierbaren Pandemie alle betroffen sind, leuchte zwar ein. "Dennoch ist die Lage kompliziert. Denn es ist nicht einmal andeutungsweise zu erkennen, dass Kulturveranstaltungen zur Verbreitung des Virus beitragen."

Wenn zudem andere Bereiche wie der Profi-Fußball dank ihrer starken Lobbys anders behandelt werden, sei das nicht nachvollziehbar. Unmut verursache auch, dass in Bus, Bahn und im Flugzeug die Abstandsregeln mit Verweis auf die Maskenpflicht nicht immer eingehalten werden. In der Kultur sei das bislang dagegen nicht möglich gewesen. "Solche und andere Widersprüche versteht kein Mensch. Sie untergraben die gesellschaftliche Solidarität, an die gerade appelliert wird, und führen zu Verbitterung und Zorn. Das ist schade und müsste nicht sein."

Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (SPD) warb um Verständnis für die harten Einschnitte durch den Teil-Lockdown, der vor allem die Kultur- und Gastroszene trifft. "Die Infektionslage in Deutschland ist dramatisch. Deshalb müssen nun die Dinge getan werden, die notwendig sind, um das Infektionsgeschehen möglichst zu brechen", sagte Brosda am Donnerstag der dpa. "Einen solchen Schritt können wir aber gesellschaftlich und auch wirtschaftlich nicht beliebig oft wiederholen. Daher müssen wir diesen Monat jetzt dringend dazu nutzen, alles dafür zu tun, dass möglichst schnell wieder das kulturelle Leben stattfinden kann und die Stimme der Künstlerinnen und Künstler weiter gehört wird."

Der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit findet den beschlossenen Teil-Lockdown in mancher Hinsicht überzogen. "Bei bestimmten Maßnahmen stellt sich einfach die Frage der Verhältnismäßigkeit und ob sie auch zielgerichtet sind", sagte der Virologe vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. So sei beispielsweise die Schließung der Hamburger Elbphilharmonie, deren Hygienekonzept er gut kenne, nicht zielführend. "Es ist aus meiner Sicht, aus virologischer Sicht, nahezu unvorstellbar, dass dort massenhaft Infektionen aufgetreten sind."

Zuletzt konnten die Gesundheitsämter die Infektionsketten bei rund 75 Prozent der Corona-Fälle nicht mehr nachvollziehen. Dass in den übrigen Fällen vor allem private Haushalte oder Feiern als Ursprung der Ansteckungen genannt werden, liegt vor allem an der besseren Nachvollziehbarkeit.

Zeise-Kinobetreiber Matthias Elwardt ist sich trotzdem sicher, dass das "Kino durch seine Lüftungs- und Hygienekonzepte sicher" ist. Allein die Luft im Kinosaal werde fünf- bis zehnmal in der Stunde ausgetauscht. Besonders frustrierend sei der zunächst auf November befristete Teil-Lockdown, weil der November üblicherweise ein starker Kinomonat ist und auch in diesem Jahr - zumindest im Rahmen der Möglichkeiten - hätte werden können. Die Zahlung von bis zu 75 Prozent des Umsatzes von November 2019 helfe zwar für den Moment, bei den daraus resultierenden Anlaufschwierigkeiten in den Monaten danach dagegen nicht mehr.

Trotz aller Härte des Teil-Lockdowns hatten einige in der Kulturbranchen den Einschnitt erwartet. "Wir haben in den letzten zwei Wochen in einem Maße Stornierungen entgegengenommen, wie das noch nie der Fall war", sagte Corny Littmann, Chef des Schmidt-Theaters auf der Reeperbahn. Seiner Meinung nach müsse man nun lernen, mit dem Virus zu leben und langfristige Strategien dafür entwickeln. "Dann sind wir nicht so sehr Opfer dieses Virus'!"

Die Kultur gilt gemessen an den Beschäftigten als zweitgrößter Wirtschaftszweig in Deutschland. Die Zahl der in Hamburg bestätigten Corona-Infektionen hat sich nach Angaben der Gesundheitsbehörde am Donnerstag um 390 Fälle erhöht. Der Sieben-Tage-Wert kletterte auf 119,2 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner.

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