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Nachbarn mit Auto angefahren: Gut drei Jahre Haft

Hamburg  

Nachbarn mit Auto angefahren: Gut drei Jahre Haft

14.04.2021, 16:18 Uhr | dpa

Nachbarn mit Auto angefahren: Gut drei Jahre Haft. Eine Statue der Justitia

Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand. Foto: David-Wolfgang Ebener/dpa/Symbolbild (Quelle: dpa)

Im Prozess um einen dramatisch geendeten Nachbarschaftsstreit in Hamburg-Blankenese hat das Landgericht am Mittwoch den Angeklagten zu drei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt. Der 55-Jährige habe am 18. August vergangenen Jahres einen Anwohner vorsätzlich mit seinem Auto angefahren und schwer verletzt, erklärte der Vorsitzende Richter Joachim Bülter. Zuvor hatte der Diplomphysiker dem Nachbarn zwei Faustschläge versetzt. Das Gericht sprach den Angeklagten wegen vorsätzlicher und gefährlicher Körperverletzung sowie wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr schuldig (Az.: 601 Ks 11/20).

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Verurteilung wegen versuchten Totschlags beantragt. Diesen Vorwurf sah die Strafkammer nicht erfüllt, weil der Angeklagte nach dem Anfahren des Nachbarn wieder zurückgesetzt und sein Auto geparkt hatte.

Der Konflikt mit dem Nachbarn hatte sich über Jahre zugespitzt. Der Angeklagte habe den Verwalter der Wohneigentümergemeinschaft dafür verantwortlich gemacht, dass sich die Genehmigung für einen Anbau an seinem Reihenhaus verzögerte. Dieser habe dem 55-Jährigen dagegen vorgeworfen, sein Auto beschädigt und Müll auf das Gemeinschaftsgrundstück geworfen zu haben.

Der ledige Angeklagte lebte in der Nachbarschaft als eine Art Sonderling. Als Diplomphysiker mit sehr guter Note hatte er eine Doktorarbeit begonnen, aber nie abgeschlossen, wie Bülter berichtete. Nach seiner Exmatrikulation war er als Gasthörer beinahe täglich in die Bibliothek des Deutschen Elektronen-Synchrotrons (Desy) gegangen und hatte sich wissenschaftliche Werke ausgedruckt. Die Drucke füllten den Keller und die Räume seines Hauses sowie sein Auto. Seinen Lebensunterhalt finanzierten die Eltern. Er habe kaum soziale Kontakte gehabt, sein Leben dennoch als zufriedenstellend empfunden, sagte der Richter.

Im Konflikt mit dem Nachbarn habe sich eine paranoid-schizoide Persönlichkeitsstörung bemerkbar gemacht. Diese habe die Steuerungsfähigkeit des 55-Jährigen beeinträchtigt. Er habe sich von dem Verwalter verfolgt gefühlt. Als dieser ihn am Tattag nach den Faustschlägen mit dem Handy filmte, sei er mit 12 bis 14 km/h auf den Mann zugefahren. Das Auto habe den Verwalter so stark gegen einen Metallzaun gedrückt, dass dieser aus der Verankerung gerissen wurde. Der Angeklagte sei danach aus seinem Auto ausgestiegen und habe den Verletzten am Boden liegen gesehen. Dann habe er sein Auto abgestellt - und äußerlich ruhig Kaffee aus einer Thermosflasche getrunken. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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