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Kultureller Teil-Lockdown: "Wir finden das sehr schade"

Hannover  

Kultureller Teil-Lockdown: "Wir finden das sehr schade"

29.10.2020, 14:45 Uhr | dpa

Bitter, verstörend, hart - mit deutlichen Worten hat der Kultursektor auf die neuerlichen Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie reagiert. Theater, Opern- und Konzerthäuser sowie Kinos in Niedersachsen und Bremen müssen im November für einen Monat schließen. Darauf hatten sich Bund und Länder angesichts steigender Corona-Fallzahlen geeinigt.

MUSEEN

Für das Wissenschaftsmuseum Phaeno in Wolfsburg bedeutet der Teil-Lockdown wirtschaftlich einen extremen Rückschlag. Stellen seien nicht bedroht, aber es müsse stärker als geplant in die Rücklagen gegriffen werden, sagte eine Sprecherin. Es sei "hart" und etwas traurig, denn eine neue Sonderausstellung zur Umwelt, die am Samstag hätte eröffnen sollen, finde nun nicht statt. Allerdings sei das Museum kreativ: "Uns fällt immer wieder etwas ein." So sollten Infos und Anleitungen zu "Experimenten am Küchentisch" gepostet werden.

Für die Kunsthalle Emden sind die geplanten Beschränkungen keine große Überraschung. Man warte aber noch auf eine entsprechende Verordnung des Landes Niedersachsen, sagte eine Sprecherin der Kunsthalle. Das gilt auch für das Sprengel-Museum in Hannover. Nach Angaben einer Sprecherin des niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur gibt es noch keine solche Verordnung.

Auch das Horst-Janssen-Museum in Oldenburg wartet auf eine Verordnung, sieht sich vorbereitet - so gut es eben geht. "Wir finden das sehr schade, verstehen es aber auch", sagte eine Sprecherin der Stadt. Die Kunsthalle Bremen bedauert die Schließung. Man habe das Publikum nach dem ersten Lockdown "als sehr hungrig nach Kultur und Inspiration erlebt", sagte eine Sprecherin.

Das Kunstmuseum Wolfsburg will an der Eröffnung der Ausstellung "In aller Munde. Von Pieter Bruegel bis Cindy Sherman" am Wochenende festhalten. Inwieweit die neuen Einschränkungen Einfluss auf das geplante Programm haben, blieb zunächst unklar.

OPERNHÄUSER UND SCHAUSPIEL

"Bitter" findet Hannovers Schauspiel-Intendantin Sonja Anders die Schließung der Theater und Konzerthäuser. Dennoch sei die Entscheidung zu erwarten gewesen, sagte sie. "Mit der Schließung kommen wir einer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung nach, auch wenn wir nicht oft genug betonen können, dass unsere Hygiene-Konzepte im Theater sehr gut funktionieren." Im November sei wieder verstärkt Kurzarbeit nötig. Zudem würden rund 300 freie Mitarbeiter beschäftigt. Diese müssten unbürokratisch und schnell auf Fördertöpfe zugreifen können.

Die Kulturbranche wird nach Einschätzung der Intendantin der Staatsoper Hannover, Laura Berman, hart getroffen. "Ich hoffe, dass damit die weitere Ausbreitung des Coronavirus wirksam durchbrochen werden kann und wir so schnell wie möglich wieder zu einem aktiven Kultur- und Gesellschaftsleben zurückkehren können", sagte sie. Die Vorstellungen im November seien zu fast 90 Prozent ausverkauft, die Schließung führe zu "nicht unerheblichen Mindereinnahmen". Vor allem für freie Künstlerinnen und Künstler gehe es um die Existenz. In der Oper betreffe dies Sänger, Dirigenten und auch Instrumentalsolisten.

Der Intendant des Theaters Bremen, Michael Börgerding, findet das Aus für den Spielbetrieb im November hart - ursprünglich waren in dem Monat sechs Premieren geplant. Dennoch habe er Verständnis für die Maßnahmen. Überlegt werde, drei der geplanten Premieren zu Ende zu proben, "damit wir sie dann sofort spielen können, wenn wir wieder das Haus öffnen dürfen". Er sagte: "Ich glaube, es geht nicht darum, ob es bei uns im Theater sicher ist, denn das ist es, wir halten Abstand, wir haben sehr gute Lüftungen." Es gehe um ein Zeichen.

FREIE THEATER

Für die freien Theater in Niedersachsen ist der neue Teil-Lockdown "verstörend". "Alle sind in den Startlöchern und wollen Theater spielen", sagte Martina von Bargen, Geschäftsführerin des Landesverbands freier Theater Niedersachsen. Dennoch gebe es niemanden, der nicht Verständnis habe. Es sei ein "echter Fortschritt", dass die Umsatzausfälle der freien Theaterkünstler zu 75 Prozent - gemessen am Umsatz im November 2019 - aus staatlichen Geldern ersetzt werden sollten. Allerdings gebe es in freien Theatern deutliche Schwankungen im Laufe des Jahres. Daher solle ein Zwölftel des Jahresumsatzes eines Künstlers statt der Umsätze des Monats November 2019 angesetzt werden, forderte sie.

KINO

Für den Filmtheater-Unternehmer Hans-Joachim Flebbe ist der Teil-Lockdown der nächste Tiefschlag. Der Branche gehe der Atem aus - kurzfristige Hilfen und schnelle Entscheidungen seien gefragt, mahnte der Chef der Astor-Kinogruppe. "Was jetzt nur helfen kann, sind schnelle und vor allem unbürokratische Hilfspakete, um den vollständigen kulturellen Kollaps doch noch zu verhindern." Die erneute Schließung treffe die Betreiber hart, gerade erst hätten Filmverleiher wieder attraktive Filme angekündigt. Diese Perspektive habe sich zerschlagen.

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