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Von Ausweisung bedrohte Intensivpflegerin darf doch bleiben

Hannover  

Von Ausweisung bedrohte Intensivpflegerin darf doch bleiben

21.12.2020, 14:29 Uhr | dpa

Eine von der Abschiebung bedrohte Intensivkrankenpflegerin aus Hameln, die seit 34 Jahren in Deutschland lebt, erhält nun doch eine Perspektive. Die massiven Proteste gegen die von der Hamelner Ausländerbehörde angedrohte Ausweisung seien erfolgreich gewesen, teilte der Flüchtlingsrat Niedersachsen am Montag mit. Das niedersächsische Innenministerium habe am Freitag angekündigt, der 36-Jährigen zu helfen.

Farah Demir arbeitet auf der Covid-19-Intensivstation der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Sie kam 1986 als Zweijährige mit ihren Eltern aus dem Libanon nach Deutschland. Ihre eigenen Versuche, entweder eine libanesische oder eine türkische Staatsangehörigkeit nachzuweisen, waren bisher in beiden Ländern gescheitert. Mehr als 30 000 Menschen unterschrieben eine Petition für eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung für Demir.

"Ich bin unfassbar dankbar", sagte die 36-Jährige am Sonntag bei "Hallo Niedersachsen" im NDR Fernsehen an die Adresse ihrer Unterstützer. "Mein größter Wunsch ist, endlich anzukommen. Das ist meine Heimat. Und ich möchte, dass es auch so bleibt." Nach der Arbeit habe sie wegen ihres persönlichen Dilemmas nicht entspannen können, sondern sei in einer "Dauerstressschleife" gefangen gewesen.

Die Hamelnerin hofft, dass sich nun Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und der Bundestag mit der Situation von geduldeten Menschen beschäftigen. Demirs 1990 erteiltes Bleiberecht wurde nach Angaben des Flüchtlingsrates von der Ausländerbehörde rund 15 Jahre später mit der Begründung widerrufen, es gäbe Vorfahren aus der Türkei. Seither darf sie Hameln und Hannover nicht verlassen.

Die Petition hatten Farah Demirs Kollegen von der Medizinischen Hochschule gestartet. Sie habe im Verlauf der Jahre unter anderem Härtefallkommissionen und Ministerien erfolglos um Hilfe gebeten, heißt es darin. Ihre Duldung sei stets nur für Wochen oder Monate verlängert worden. "Dies stellt eine psychische Dauerbelastung für eine Person dar, die in Deutschland aufgewachsen und in der deutschen Gesellschaft voll integriert ist."

Der Niedersächsische Flüchtlingsrat hat gemeinsam mit der Arbeiterwohlfahrt (AWO) die Landesregierung um Aufklärung über vergleichbare Fälle gebeten. Zudem forderten beide Organisationen das Land auf, allen Geflüchteten, die seit mehr als acht Jahren in Deutschland leben, ein Bleiberecht ohne Auflagen zu gewähren. Flüchtlingsrats-Geschäftsführer Kai Weber fragte: "Braucht es das Schicksal einer sich um schwerstkranke Corona-Patient_innen sorgenden Intensivkrankenschwester, damit die Politik merkt, dass hier etwas nicht stimmt, und endlich reagiert?"

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