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Urteil in Missbrauchsprozess erwartet: Zweifel an Vorwürfen

Schwerin  

Urteil in Missbrauchsprozess erwartet: Zweifel an Vorwürfen

11.03.2019, 08:09 Uhr | dpa

Urteil in Missbrauchsprozess erwartet: Zweifel an Vorwürfen. Landgericht Schwerin

Blick auf das Gebäude des Landgerichts Schwerin. Foto: Jens Büttner/Archiv (Quelle: dpa)

Neun Monate nach Beginn des Prozesses gegen einen 53 Jahre alten Mann aus Boizenburg (Landkreis Ludwigslust-Parchim) wird die Erste Große Strafkammer am Landgericht Schwerin Donnerstag ihr Urteil verkünden. Die Staatsanwaltschaft hat sechs Jahre Gefängnis gefordert, der Verteidiger einen Freispruch. Beide Seiten können sich auf jeweils ein psychologisches Gutachten stützen. Denn die Experten kommen zu gegensätzlichen Wertungen der Glaubhaftigkeit der Vorwürfe.

Zwischen 1996 und 2002 hat der Angeklagte nach Ansicht der Staatsanwaltschaft seine anfangs neun beziehungsweise acht Jahre alten Töchter immer wieder sexuell missbraucht. Er ließ die kleinen Mädchen, so die Anklageschrift, lange Zeit in dem Glauben, dass es normal sei, wenn ein Vater mit seinen Töchtern Geschlechtsverkehr hat. Die Übergriffe fanden demnach im Kinderzimmer, im Wohnzimmer, im Gartenschuppen oder auch im Wohnmobil auf einer Urlaubsreise statt. Die Töchter sagten in Vernehmungen wie auch vor Gericht aus, dass sie manchmal eifersüchtig darauf achteten, dass ihr Vater seine "Zuwendungen" gleichmäßig verteilte. Körperliche Gewalt übte er demnach nie aus. Nachdem eine der beiden Töchter einen Selbstmordversuch unternahm, zeigten die Schwestern den Vater im Frühjahr 2012 an.

Der Verteidiger beruft sich indes auf Widersprüche in den zahlreichen Aussagen, die die Schwestern bei Vernehmungen gegenüber den Ermittlungsbehörden machten. Zudem bezweifelte ein Gutachter die Glaubhaftigkeit der Angaben. Eine der Frauen zog ihre Anzeige danach zurück, um später die Vorwürfe allerdings zu erneuern. Ihre Schwester, von einer zweiten Gutachterin wenig später als glaubwürdig eingeschätzt, hielt ihre Anschuldigungen stets aufrecht. Sie suchte bei verschiedenen Heilpraktikerinnen und Selbsthilfegruppen Hilfe. Der Verteidiger will nicht ausschließen, dass ihr dabei ein Missbrauch durch den Vater, den es in Wirklichkeit aus seiner Sicht nicht gab, als Ursache für ihre psychischen Probleme nach und nach suggeriert wurde.

Die Vertreterin der einen Schwester, die als Nebenklägerin am Prozess beteiligt ist, wies jedoch darauf hin, dass eines der Mädchen bereits lange vor den Heilpraktiker-Stunden bei einer Medizinerin über den Missbrauch sprach. Das juristische Ringen wird mit einem Urteil des Schweriner Landgerichts womöglich nicht enden. Der Verteidiger hat am Rande des Prozesses angekündigt, Revision zu beantragen, falls der Angeklagte nicht freigesprochen wird.

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

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