Sie sind hier: Home > Regional >

Streit über Personalnot in Thüringer Gefängnissen

Erfurt  

Streit über Personalnot in Thüringer Gefängnissen

19.03.2019, 11:52 Uhr | dpa

Streit über Personalnot in Thüringer Gefängnissen. Jugendstrafanstalt Arnstadt

Hell beleuchtet ist die Jugendstrafanstalt Arnstadt. Foto: arifoto UG/Archiv (Quelle: dpa)

Die Thüringer Landesregierung reagiert nach Ansicht des Landesverbands der Strafvollzugsbediensteten nicht angemessen auf die Personalnot in den Gefängnissen. "Man braucht fast vier Jahre, um sich überhaupt erstmal dem Ist-Zustand zu widmen, das kann nicht befriedigend sein", sagte der Vorsitzende Jörg Bursian am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Schon im Koalitionsvertrag sei der Personalmangel Thema gewesen. Seitdem sei aber nichts passiert.

Einem Bericht der "Thüringer Allgemeinen" zufolge arbeitet das Justizministerium gerade an einem Personalentwicklungskonzept. Demnach fehlen im mittleren Vollzug etwa hundert Stellen. Ein Sprecher wollte die Zahl am Dienstag nicht kommentieren.

Der SPD-Justizexperte Oskar Helmerich forderte in der "Thüringer Allgemeinen" vom Landtag, Justizminister Dieter Lauinger (Grüne) zum Handeln zu drängen. Der Justizvollzug sei ein "permanentes Sicherheitsrisiko". Auch Bursian sprach von einem "Riesenmanko".

Aus dem Justizministerium kam am Dienstag Gegenwind. "Da geht es um eine langfristig tragfähige Personalplanung, die lässt sich nicht kurzfristig erstellen", sagte der Sprecher. Er verwies darauf, dass man bereits die Zahl der Ausbildungsplätze im Justizvollzug erhöht habe. 2018 gab es 25 neue Auszubildende, diese Zahl wolle man jährlich halten und "wenn es geht, sogar ausbauen". Von 2010 bis 2012 wurden demnach gar keine neuen Azubis eingestellt, 2013 seien es nur sechs gewesen, 2014 zehn.

Selbst 25 Azubis pro Jahr reichen nach Ansicht von Bursian aber nicht aus, um der Personalnot in den Haftanstalten Herr zu werden. "Das deckt allenfalls die Abgänge der Menschen, die in Pension gehen, bringt aber keine Verbesserung", sagte er. "Das müsste man mindestens verdoppeln."

Auch die Besoldung müsse erhöht werden, forderte er. Denn im Vergleich zu anderen Bereichen der öffentlichen Verwaltung seien die Haftanstalten ein unattraktiver Arbeitgeber. Schichtdienste und ein spannungsgeladenes Arbeitsumfeld seien Mankos, die man finanziell ausgleichen müsse.

"Wir haben nicht die Zeit, nochmal drei bis vier Jahre zu warten, dass sich irgendetwas tut", sagte Bursian. In manchen Gefängnissen im Freistaat sei ein Angestellter manchmal acht Stunden lang alleine für 30 Gefangene zuständig. "Das ist eine Gemengelage, die die Persönlichkeit sehr beansprucht."

2017 und 2018 gelang es insgesamt vier Gefangenen in Suhl und Arnstadt sogar, aus Gefängnissen auszubrechen. Eine latente Personalknappheit begünstige solche Umstände, sagte Bursian.

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail


shopping-portal