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Debatte um Präventionsprogramm gegen Alkoholmissbrauch

Schwerin  

Debatte um Präventionsprogramm gegen Alkoholmissbrauch

20.03.2019, 13:57 Uhr | dpa

Debatte um Präventionsprogramm gegen Alkoholmissbrauch. Mann schläft neben einem Bierglas

Ein Mann schläft in einer Gastwirtschaft vor einem fast leeren Maßkrug. Foto: Lino Mirgeler/Archiv (Quelle: dpa)

Die Teilnahme von Schulklassen in Mecklenburg-Vorpommern am Präventionsprogramm "Klar bleiben" gegen Alkoholmissbrauch durch Jugendliche hat im Nordosten eine kontroverse Debatte ausgelöst. So äußerte sich Heike Walter von der Schulleitungsvereinigung MV skeptisch über das Programm, bei dem sich Schüler ab Klasse zehn verpflichten konnten, einen Monat lang auf "riskanten Alkoholkonsum" zu verzichten. Wenn sich wenigstens 90 Prozent der Jugendlichen daran hielten, nahm die Klasse an einer Verlosung mit einem Hauptpreis von 1000 Euro teil. "Was ist das für ein Signal, wenn sich 10 Prozent der Schüler betrinken dürfen und es trotzdem eine Prämie gibt", sagte Walter am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur in Schwerin.

Es sei sinnvoll, in diesem Alter mit der Alkoholprävention anzufangen. "Man darf die Latte nicht zu hoch legen. Nur mit Verboten und Abschreckung kommt man nicht weiter", betonte hingegen Birgit Grämke von der Landeskoordinierungsstelle für Suchtthemen (Lakost) MV in der "Ostsee-Zeitung". Das Blatt hatte in seiner Mittwochausgabe über das Programm berichtet. "Eigentlich ist mir ja jedes Mittel recht, das Jugendliche davon abhält, Dummes zu tun. Aber warum muss man sie mit Geld dazu motivieren, wenig zu trinken?", zitierte die Zeitung den Vorsitzenden des Landeselternrats, Kay Czerwinski. "Selbst das Zulassen von wenig Alkohol in diesem Alter geht gar nicht", sagte Jörg Seifert vom Gymnasiallehrerverband dem Blatt.

Initiator der Aktion ist das ift-Nord Institut für Therapie und Gesundheitsforschung gGmbH in Kiel. Nach dessen Angaben haben im Schuljahr 2018/2019 bundesweit 541 Schulklassen am Präventionsprogramm "Klar bleiben - Feiern ohne Alkoholrausch" teilgenommen. Darunter seien erstmals auch 21 Schulklassen aus Mecklenburg-Vorpommern gewesen. 20 davon hätten die Vorgaben eingehalten, sagte eine Sprecherin. Das aktuelle Projekt war im Januar gestartet und in den letzten Bundesländern Anfang März beendet worden. Als Preisträger wurden auch neun Schulklassen aus Mecklenburg-Vorpommern ermittelt, allerdings nicht für den Hauptpreis von 1000 Euro.

Mit dem Präventionsprogramm würden gezielt Jugendliche in einem Alter angesprochen, in dem sie erstmals legal Alkohol kaufen dürften und Erfahrungen damit machten, sagte Institutsleiter Professor Reiner Hanewinkel. In der vier- bis sechswöchigen Projektzeit, zu der auch spezielle Unterrichtseinheiten gehörten, kämen von den Klasse wöchentlich Rückmeldungen, wie viel Alkohol konsumiert wurde. "Die Erfahrung zeigt, dass Verbote das Trinkverhalten junger Leute in ihrer Freizeit kaum beeinflussen", konstatierte Hanewinkel. Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Verhalten könne aber zu einem bewussteren Umgang mit Alkohol führen.

So habe eine Befragung unter 4000 Schülern ergeben, dass 49,4 Prozent der Jugendlichen, die vorher schon Alkohol getrunken hatten und nicht am Präventionsprogramm "Klar bleiben" teilnahmen, im Projektzeitraum mindestens einmal an Rauschtrinken beteiligt waren. Bei Schülern aus den beteiligten Klassen habe der Anteil bei 44,2 Prozent gelegen. "Das ist doch ein Beleg dafür, dass man mit gezielten Maßnahmen das Verhalten positiv beeinflussen kann und auf Partys oder beim sogenannten Vorglühen weniger getrunken wird", sagte Hanewinkel.

Den Präventionsaspekt hob auch Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) hervor. "Aufklärung zum Umgang mit Alkohol ist ohne Frage in jeder Altersgruppe der richtige Weg. Jede Aktion ist hier hilfreich", sagte er. So sei auch "Klar bleiben - Feiern ohne Alkoholrausch" ein wichtiger Beitrag zur Gesundheitserziehung und für den kontrollierten Umgang mit Alkohol. "Ob die finanzielle Belohnung für die Abstinenz ein geeignetes Mittel ist, das ist diskussionswürdig", räumte Glawe ein. Vom Bildungsministerium in Schwerin war am Mittwoch keine Reaktion zu erhalten.

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

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