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Der Ruf nach dem Rufbus: Ludwigslust-Parchim fährt gut damit

Schwerin  

Der Ruf nach dem Rufbus: Ludwigslust-Parchim fährt gut damit

24.03.2019, 08:52 Uhr | dpa

Der Ruf nach dem Rufbus: Ludwigslust-Parchim fährt gut damit. Rufbus der VLP

Der Rufbus der Verkehrsgesellschaft Ludwigslust-Parchim (VLP). Foto: Jens Büttner/Archiv (Quelle: dpa)

Kurz vor der regulären Bushaltestelle am Parchimer Bahnhof stoppt der Fahrer seinen fahlgelben Wagen. Eine Frau steigt aus und strebt flotten Schrittes dem Stadtzentrum zu. Auf die Frage nach dem woher und wohin hat sie nur eine kurze Antwort parat: "Termine!" Nicht jeder seiner Fahrgäste habe es so eilig, berichtet Dominic Benthin. Der 29-Jährige fährt eines jener Autos, die im Kreis Ludwigslust-Parchim als sogenannte Rufbusse eingesetzt werden und mit dafür sorgen, dass trotz ausgedünntem Linienverkehr der Nahverkehr an Zuspruch und Kunden an Zufriedenheit gewinnen.

Seit gut zwei Jahren gibt es das Rufbus-System in dem weitläufigen Kreis, der von der Seenplatte bis zur holsteinischen Grenze reicht. Anfangs als Test zwischen Parchim und Plau am See, heute im ganzen Kreisgebiet. "Rein rechnerisch haben wir damit unser Streckenangebot von 8 auf 28 Millionen Kilometer pro Jahr verdreifacht. Und das, ohne dass auch nur ein Linienbus mehr fährt", sagt Stefan Lösel, Chef der Verkehrsgesellschaft Ludwigslust-Parchim (VLP) und vehementer Verfechter des Rufbus-Systems, das zunehmend auch von Berufsschülern genutzt werde, um Anschlusszüge in Parchim oder Hagenow zu erreichen.

Die Rechnung gehe auf, weil wenig genutzte Strecken nicht nach einem festen Plan abgefahren werden müssten, sondern nur nach Bedarf. "Im regulären Schülerverkehr, der unerlässlich ist und natürlich jedem offen steht, fahren wir mit unseren Großbussen 8 Millionen Kilometer im Jahr. Da die restlichen Strecken nach unseren Erfahrungen nur zu zwei Prozent auch nachgefragt sind, kommen wir mit Pkw und Kleintransportern auf Bestellung dort bestens hin", berichtet Lösel. Die Koordinierung der sehr individuellen Beförderungswünschen sei auch kein Hexenwerk: "90 Prozent der Kunden planen ihre Fahrten ohnehin langfristig. Und für den etwas komplizierteren Rest haben wir heute die richtigen Computerprogramme", sagt der Nahverkehrschef. Beschwerden erreichten ihn nur sehr selten.

Wichtigster Kooperationspartner sei das Taxiunternehmen Mario Voß in Hagenow. Dessen Mitarbeiter würden den Fahrgästen, die bis spätestens zwei Stunden vor Fahrtantritt ihren Wunsch bei der Rufbus-Zentrale per Telefon oder Mail angemeldet haben müssen, Fahrscheine nach Nahverkehrstarif zuzüglich einer Gebühr von einem Euro ausgeben. Die Differenz zu den Aufwendungen des Kooperationspartners, der auch Krankentransporte und reguläre Taxifahrten übernimmt, trage das kommunale Unternehmen. "Die zusätzlichen Kosten für uns belaufen sich unter dem Strich auf etwa 200 000 Euro im Jahr. Eine überschaubare Summe, wenn man dafür zufriedene Menschen bekommt", ist Lösel überzeugt. Andere Landkreise hätten sich schon erkundigt und wollten das System übernehmen.

Dass dies nicht schon längst passiert ist, liegt nach Meinung der Landtagsabgeordneten Mignon Schwenke (Linke) maßgeblich an mangelndem Engagement der Landesregierung. "Die Kompetenzen enden an den Kreisgrenzen. Jeder wurstelt vor sich hin. Es gibt keine Moderation von Landesseite", moniert die Oppositionspolitikerin. Schwenke macht sich seit vielen Jahren zur Fürsprecherin all jener Menschen, die außerhalb gut versorgter Städte leben, kein eigenes Auto haben und ob des vielerorts lückenhaften Nahverkehrs nur sehr eingeschränkt mobil sind. "Der Besuch eines Facharztes wird da schon zur logistischen Herausforderung", beschreibt Schwenke die Problemlage. Sie fordert die Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken, Taktfahrpläne, Zusatzangebote wie Rufbusse und Tickets, die landesweit gelten.

Die aktuelle Situation im Nordosten befriedigt offenbar auch die Schweriner Koalitionsparteien SPD und CDU nicht. In einem Landtagsantrag forderten sie im Oktober vorigen Jahres die von ihnen gestellte Regierung auf, die Übertragbarkeit bewährter Mobilitätsprojekte wie Ruf- und Bürgerbusse oder Sammeltaxis zu prüfen. Außerdem soll geklärt werden, was es kosten würde, solche Angebote auf ländliche Regionen im gesamte Bundesland auszuweiten. Die Ergebnisse sollen dem Parlament bis Ende Juni vorgelegt werden.

Schon Ende März läuft ein anderer Prüfauftrag aus, den die Regierung ebenfalls von den sie tragenden Fraktionen erhielt: Die Abgeordneten wollen wissen, ob und wie mit nachbarschaftlicher Hilfe die Angebote des öffentlichen Nahverkehrs ergänzt werden und dafür möglicherweise auch digitale Plattformen genutzt werden könnten. Neben privaten Kraftfahrern sollen möglicherweise auch Dienstfahrten etwa von Pflegedienstmitarbeitern einbezogen werden.

Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) erwartet nach eigenen Worten zwar eine deutliche Ausdehnung des Rufbus-Systems, will aber nicht dirigistisch eingreifen. "Wir brauchen Ideen, die die Bedingungen vor Ort aufnehmen. Schema F wird nicht überall funktionieren", erklärte er im Landtag. Bislang gewährt sein Ministerium Kreisen und Kommunen jährlich 90 Millionen Euro als Zuschuss zum öffentlichen Nahverkehr. In einem dünn besiedelten Flächenland wie Mecklenburg-Vorpommern könne damit aber kein flächendeckendes Liniennetz sichergestellt werden, musste aber auch Pegel zugeben. Der Ruf nach dem Rufbus wird lauter.

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

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