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Falsche Polizisten betrügen Senioren um Geld: Bewährung

Norderstedt  

Falsche Polizisten betrügen Senioren um Geld: Bewährung

18.04.2019, 18:14 Uhr | dpa

Falsche Polizisten betrügen Senioren um Geld: Bewährung. Goldbarren

Goldbarren (100 Gramm) liegen auf einem Tisch. Foto: Armin Weigel/Archivbild (Quelle: dpa)

Im Prozess um einen Rentner, der Goldbarren im Wert mehrerer hunderttausend Euro an falsche Polizisten übergab, hat das Amtsgericht Norderstedt die Angeklagten zu Bewährungsstrafen verurteilt. Ein 38-Jähriger erhielt am Donnerstag ein Jahr und vier Monate Haft, sein 24 Jahre alter Mitangeklagter bekam ein Jahr und zehn Monate. Die beiden Männer aus Berlin hätten sich des versuchten Betrugs schuldig gemacht, erklärte Richter Matthias Lohmann.

Die Höchststrafe dafür hätte nach Angaben des Staatsanwalts bei siebeneinhalb Jahren gelegen. Allerdings hatten sich alle Prozessbeteiligten in einem Rechtsgespräch auf einen milden Strafrahmen geeinigt. Im Gegenzug gestand der 38-Jährige, am 4. Oktober 2017 nach Norderstedt (Kreis Segeberg) gefahren zu sein, um bei einem 88-Jährigen ein Paket abzuholen. Er habe sich an der Tür des demenzkranken Senioren als "Herr Müller von der Kriminalpolizei" ausgegeben.

In dem Moment war er von echten Polizisten festgenommen worden. Zuvor hatten Anrufer aus einem Call-Center in der Türkei dem alten Mann weisgemacht, sie seien Kriminalbeamte und wollten sein gefährdetes Vermögen in Form von Goldbarren in Sicherheit bringen. Der 24 Jahre alte Angeklagte gab zu, seinen Komplizen bei der Fahrt nach Norderstedt per Handy dirigiert zu haben.

Ein Bankmitarbeiter war misstrauisch geworden, als der Senior kurz nach dem Kauf von zwölf Kilo Gold für 433 000 Euro erneut sechs Kilo für knapp 213 000 Euro kaufen wollte. Er schaltete die Polizei ein, die ein Scheingeschäft in die Wege leitete, um die Betrüger zu fassen. Die größere Goldmenge war im September bei dem 88-Jährigen abgeholt worden, von wem, konnte nicht aufgeklärt werden.

Richter Lohmann betonte, dass zwischen der Tat und dem Tatbeitrag der Angeklagten unterschieden werden müsse. "Die Tat kann man nicht anders als absolut niederträchtig und schamlos bezeichnen." Die Betrugsmasche mit den falschen Polizisten funktioniere jedoch nur als System. Die beiden Angeklagten hätten auf der untersten Ebene mit hohem Risiko agiert. Bei ihren Taten sei kein Schaden entstanden. Für den vollendeten Betrug mit den zwölf Kilo Goldbarren könnten sie nicht verantwortlich gemacht werden.

Außerdem habe das Verfahren dem 38-Jährigen schon schwere Nachteile eingebracht: Er habe anderthalb Monate in U-Haft gesessen, seine Shisha-Bar sei in der Zeit geschlossen, sein Geländewagen von Amts wegen notverkauft worden. Trotz zweier Vorstrafen, eine davon wegen Steuerhinterziehung, habe er als verheirateter Vater von vier Kindern eine gute Sozialperspektive.

Auch nach dem Eingreifen der Polizei und dem Scheitern des zweiten Betrugsversuchs hätten die Hintermänner nicht aufgeben, erklärte der Richter. Während die echte Polizei versuchte, bei dem geschädigten Rentner wieder Vertrauen zu gewinnen, versuchten es die Anrufer aus der Türkei ebenfalls. Der alte Mann sei völlig verwirrt worden. Wie sein Sohn als Zeuge aussagte, durchschaute er bis zu seinem Tod im vergangenen Jahr nicht, dass er betrogen worden war. "Das macht eigentlich sprachlos", sagte Lohmann.

Sein Vermögen hatte sich der 88-Jährige als selbstständiger Augenoptiker erarbeitet. Der Reichtum war ihm nicht geschenkt worden: Nach Angaben seines Sohnes war er als Jugendlicher bei Kriegsende von russischen Soldaten gefangen genommen und für sechs Jahre in das Lager Buchenwald gesteckt worden. Danach hatte er seine Ausbildung in der DDR begonnen, war aber vor dem Mauerbau nach Hamburg geflüchtet. Sein Leben lang habe er sehr sparsam gelebt.

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

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