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Explosionen und Evakuierung: Waldbrand auf Ex-Militärgelände

Lübtheen  

Explosionen und Evakuierung: Waldbrand auf Ex-Militärgelände

01.07.2019, 18:39 Uhr | dpa

Explosionen und Evakuierung: Waldbrand auf Ex-Militärgelände. Waldbrand bei Lübtheen

Ein Mann blickt über die Elbe auf den Waldbrand bei Lübtheen in Mecklenburg-Vorpommern. Foto: Philipp Schulze (Quelle: dpa)

Ein großflächiger Waldbrand auf dem Gelände des ehemaligen Truppenübungsplatzes bei Lübtheen (Landkreis Ludwigslust-Parchim) stellt die Einsatzkräfte seit Sonntag vor größte Herausforderungen. Nach Angaben von Umweltminister Till Backhaus (SPD) ist es der größte Waldbrand in der Geschichte des Landes. Bis zu Abend dehnte sich das Feuer laut Einsatzstab bis auf eine Fläche von 470 Hektar (4,7 Quadratkilometer) auf dem etwa 6000 Hektar großen früheren Militärgelände aus. Das Gebiet ist hochgradig mit Munition belastet, was die Löscharbeiten erheblich erschwert.

"Die Sicherheit von Leib und Leben hat jetzt oberste Priorität", sagte Backhaus am Montag bei einem Besuch in Lübtheen. Die Feuerwehrleute dürfen sich aus Sicherheitsgründen dem Brandgebiet nur bis auf 1000 Meter nähern. Mit Hilfe von Löschpanzern und Löschhubschraubern werde versucht, das vom Wind immer wieder angefachte Feuer einzudämmen.

Die Flammen hätten sich vor allem am Boden ausgebreitet, aber nur vereinzelt auch Baumkronen erreicht. An einzelnen Orten sei das Feuer erloschen, an anderen Stellen neu entflammt. "Es gibt noch keine Entspannung, aber erste Lichtblicke", sagte Landrat Stefan Sternberg (SPD) am Abend. Er kündigte an, dass von Dienstag an acht statt der bisher vier Löschhubschrauber eingesetzt werden sollten.

Backhaus und auch Innenminister Lorenz Caffier (CDU) warnten Schaulustige dringend davor, sich dem Brandgebiet zu näher. Es komme immer wieder zu Explosionen. "In diesem Gebiet hat niemand etwas zu suchen. Dort besteht höchste Lebensgefahr", sagte Backhaus.

Nach Angaben von Landrat Sternberg wurden in der Nacht und am Morgen drei Ortschaften, die unmittelbar an den Brandherd grenzen, vorsorglich evakuiert. Dabei handele es sich um Alt Jabel, Jessenitz-Werk und Trebs. Betroffen seien insgesamt 650 Menschen, die zumeist bei Verwandten und Bekannten untergekommen seien oder in der Turnhalle von Lübtheen. Zudem sei ein Ferienlager mit 100 Kindern geräumt worden. Die Kinder seien bei ihren Familien in Sicherheit. Wegen drehender Winde wurde am Montagabend auch noch der mit mehr als 100 Einwohnern kleine Ort Volzrade geräumt.

"Die Lage ist weiterhin angespannt. Es geht im Moment nicht um das Löschen des Brandes. Es geht um die Sicherung der Ortschaften, um Leib und Leben", sagte Sternberg, der schon am Sonntagabend Katastrophenalarm ausgelöst hatte. "Das hier lässt sich nicht in 24 Stunden beenden", machte der Kommunalpolitiker den Umfang der Aufgabe deutlich. Weitere Evakuierungen seien nicht ausgeschlossen. Ein in der Nähe des Brandes befindliches Werk für Deodorants habe aus Sicherheitsgründen die Produktion eingestellt, die Gasleitungen dorthin seien abgeriegelt worden.

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) sprach den Einsatzkräften ihren Dank aus und sicherte alle Hilfe des Landes zu. Tag und Nacht würden die Feuerwehrleute und ihre Helfer mit aller Kraft daran arbeiten, den Brand einzudämmen. "Als Landesregierung unterstützen wir die Einsatzkräfte vor Ort, wo immer das möglich ist", meldete sich Schwesig aus ihrem Urlaub zu Wort. Sie werde diesen am Dienstag unterbrechen, um sich ein Bild von der Lage vor Ort zu machen.

Im Laufe des Tages wurden laut Caffier auch Bergepanzer der Bundeswehr eingesetzt, die gegen die Ausbreitung des Feuers Schneisen in den Wald gezogen hätten. Auch der Löschpanzer einer privaten Firma war weiterhin vor Ort. Nach Angaben Sternbergs sind mittlerweile etwa 2000 Kräfte von Feuerwehren, Polizei, Katastrophenschutz, Bundeswehr und Rettungsdiensten in der Region Lübtheen im Einsatz, um im Schichtbetrieb den Brand zu bekämpfen. Hilfe kam am Montag auch aus Niedersachsen.

Schon in der vorigen Woche war in dem Waldgebiet östlich Lübtheens auf etwa 6 Hektar ein Feuer ausgebrochen, das nach Behördenangaben aber am Freitag gelöscht war. Am Sonntag brach das Feuer erneut aus und dehnte sich bei teilweise starken und drehenden Winden rasch aus.

Als Ursache vermuten die Behörden Brandstiftung. Caffier wollte sich wegen der laufenden Ermittlungen nicht näher zu dem Verdacht äußern. Doch suchte die Polizei am Abend mit einem Aufruf nach Zeugen. "Da Kräfte der Feuerwehr gleich mehrere Brandherde meldeten, besteht der Verdacht der vorsätzlichen Brandstiftung", hieß es in der Mitteilung der Polizei.

Nach Angaben Caffiers befindet sich direkt am Brandherd ein Zerlegungsbetrieb des Munitionsbergungsdienstes, der besonders vor dem Feuer geschützt werde. "Wir haben alle Maßnahmen getroffen, um das zu sichern. Aber das ist natürlich eine zusätzliche, erhebliche Belastung", erklärte Caffier.

Laut Backhaus liegen auf dem Gelände nicht nur Munition und Granaten von Manövern, sondern auch große Mengen an Sprengmitteln aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Bei Lübtheen habe die Marine ihr Munitions-Hauptlager unterhalten, das 1945 gesprengt worden sei. Dabei sei die Munition aber nicht vollständig explodiert.

Nach Tests auf dem Gelände gehe man davon aus, dass das betroffene Gebiet hochgerechnet noch mit bis zu 45,5 Tonnen Munition je Hektar verseucht sei. Das sei auch der Grund, warum die Einsatzkräfte einen Abstand von 1000 Metern einhalten müssten, was die Löscharbeiten erschwere. "Wir brauchen jetzt eine Technologie hierher, die in der Lage ist, dieses Thema zu beherrschen. Wir im Lande haben sie nicht", richtete der Minister eine Aufforderung an den Bund.

Laut Backhaus werden die alten Kiefernbestände seit Jahrzehnten nicht mehr forstlich bewirtschaftet. Somit liege auch extrem trockenes Altholz am Boden. "Das brennt wie Zunder. Und dann bei dieser Witterung. Das ist wirklich eine riesen Gefahr", machte der Minister deutlich.

Rauchschwaden zogen am Montag bis nach Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Dort waren Menschen aufgerufen, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Der Brandgeruch war auch im rund 200 Kilometer entfernten Berlin wahrnehmbar. Die Hauptstadt-Feuerwehr twitterte: "Der Geruch ist lästig, aber nicht gefährlich."

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

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