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Nabu fordert Durchgreifen gegen Haushunde beim Wolfsrevier

Ohrdruf  

Nabu fordert Durchgreifen gegen Haushunde beim Wolfsrevier

24.07.2019, 14:34 Uhr | dpa

Nabu fordert Durchgreifen gegen Haushunde beim Wolfsrevier. Wolf-Experte Silvester Tamás

Wolf-Experte Silvester Tamás. Foto: Martin Schutt/Archivbild (Quelle: dpa)

Die Nachricht vom neuen Mischlingsnachwuchs von Thüringens bisher einziger nachweislich standorttreuen Wölfin hat kritische Reaktionen hervorgerufen. Silvester Tamás, Wolf-Experte beim Naturschutzbund (Nabu) Thüringen, forderte etwa, dass deutlich energischer gegen Hunde vorgegangen werden müsse, die auf und um das bekannte Wolfrevier auf dem Bundeswehrübungsplatz bei Ohrdruf umherstreunten.

Diese Hunde müssten gezielt gefangen werden, um eine Paarung mit der Wölfin zu verhindern. "Wäre das schon frühzeitig beachtet worden, wäre es nicht zum ersten Hybrid-Wurf gekommen und man hätte Kosten sparen können", sagte Tamás am Mittwoch.

Die Wölfin bei Ohrdruf hatte sich 2017 mit einem Haushund gepaart und sechs Wolf-Hund-Mischlinge, sogenannte Hybriden, zur Welt gebracht. Vier von ihnen wurden inzwischen mit Genehmigung der zuständigen Naturschutzbehörde aus Artenschutzgründen erschossen. Es sollte vermieden werden, dass die Tiere abwanderten, sich weiter fortpflanzten und so den Genpool der streng geschützten Art Wolf verwässerten. Was aus den anderen Mischlingen wurde, ist bisher nicht bekannt.

Inzwischen hat die Wölfin wieder Nachwuchs, wie das grüne Umweltministerium mitteilte. Eine Aufnahme aus einer Fotofalle auf ihrem Revier zeigt mindestens drei Jungtiere, die ihrer Optik nach laut Experten vermutlich wieder Mischlinge sind. Ihr Alter wird aktuell auf zwei bis drei Monate geschätzt.

Im Falle der neuen Mischlinge liege ein möglicher Abschuss noch fern, hieß es beim Ministerium. Frühestens im Herbst könne er ein Thema werden - vorausgesetzt, dieser werde überhaupt notwendig. Der Plan sei es zunächst, die Tiere mit Hilfe spezieller Fallen lebend zu fangen und sie dann in den Bärenpark nach Worbis zu bringen. Dieses Vorhaben scheiterte aber bereits beim ersten Wurf.

Ein genetischer Beleg dafür, dass es sich beim aktuellen Nachwuchs auch um Hybride handelt, liegt derweil noch nicht vor. Unwahrscheinlich, aber nicht auszuschließen, ist Tamás zufolge, dass sich die Wölfin mit einem ihrer Söhne aus dem ersten Mischlingswurf paarte. Das wäre aber eine Ausnahme, wie Tamás betonte. Belege für solche Inzest-Verpartnerungen unter Wölfen gebe es in der Regel nur für Fälle, in denen sich ein Rüde mit einem Tochtertier paarte. Wolfsrüden fehlten der Wölfin aber in ihrem abgeschnittenen Revier.

Der Landesverband der Thüringer Schafzüchter argumentiert, dass die Wölfin verschwinden müsse. Für den Verbandsvorsitzenden Jens-Uwe Otto ist sie aufgrund vieler Angriffe auf Schafe und andere Nutztieren schon längst ein "Problemwolf" und sollte daher auch mit Ausnahmegenehmigung geschossen werden können. Wölfe gelten als streng geschützt. Sie dürfen in Deutschland eigentlich nicht gejagt werden.

"Zuletzt gingen innerhalb weniger Tage fünf Übergriffe auf die Kappe der Wölfin - darunter sogar ein großes Pferd", sagte Otto mit Verweis auf die Tabelle der Nutztierrisse in Thüringen. Dort sind für Juli tatsächlich fast 20 Schafe und andere Nutztiere gelistet, die vermutlich aufgrund von Wolfattacken starben. Allerdings beruht die Zahl auf ersten Einschätzungen von Gutachtern. Ergebnisse genetischer Untersuchungen liegen noch nicht vor.

Zwar erhielten Schäfer vom Land Entschädigung für vom Wolf gerissene Tiere, räumte Otto. "Aber irgendwann muss doch Schluss sein." Die Vorfälle erschwerten die ohnehin finanziell schwierige Weidewirtschaft. "Und dann ist da auch der emotionale Effekt der ständigen Übergriffe", sagte Otto.

Auch der Landesjagdverband würde es begrüßen, den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen. Bis es soweit ist, werde sich aber kein Jäger, dem sein Jagdschein lieb ist, an den Wolf herantrauen, sagte der Geschäftsführer Frank Herrmann.

Den Ruf nach Abschuss der Wölfin unterstützen auch CDU, AfD und FDP. Der landwirtschaftspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Marcus Malsch, verwies sowohl auf die Risse der Wölfin, als auch auf die Kosten für die bisherigen Fangversuche der Hybride. All das rechtfertige inzwischen eine Abschussgenehmigung für die Wölfin und ihren Nachwuchs. Der jagdpolitische Sprecher der AfD-Fraktion, Stefan Möller, forderte insgesamt den internationalen Schutzstatus des Wolfes herabzusetzen.

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

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