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Städtebahn Sachsen stellt Betrieb auf all ihren Strecken ein

Dresden  

Städtebahn Sachsen stellt Betrieb auf all ihren Strecken ein

25.07.2019, 09:51 Uhr | dpa

Städtebahn Sachsen stellt Betrieb auf all ihren Strecken ein. Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB)

Reifen stehen neben einem Bus der Dresdner Verkehrsbetriebe im Busbahnhof Graupa. Foto: Arno Burgi/Archiv (Quelle: dpa)

Die Städtebahn Sachsen hat ohne Ankündigung über Nacht ihren Betrieb auf allen Strecken eingestellt und damit am Donnerstag zahlreiche Fahrgäste überrascht. Sie betreibt mehrere Linien im Raum Dresden. In einer Pressemitteilung nannte das Unternehmen als Grund dafür den Zustand der Trassen, die ihr von der DB Netz AG zur Verfügung gestellt worden sind. Die Bahn zeigte sich verständnislos gegenüber der Maßnahme und wies die Vorwürfe zurück. Auch aus der Politik kamen Kritik sowie Forderungen nach umgehender Wiederaufnahme des Fahrbetriebs.

Das Wirtschaftsministerium forderte den Betreiber der Städtebahn auf, "unverzüglich" seinen vertraglichen Verpflichtungen mit dem Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) nachzukommen. Die angeführten Gründe befreiten das Bahnunternehmen nicht von der Beförderung von Fahrgästen, sagte Verkehrsstaatssekretär Hartmut Mangold (SPD). Das Ministerium, das "den Unmut und das Unverständnis der betroffenen Kunden" teilt, habe keine rechtliche Handhabe und will nun eine Stellungsnahme der DB Netz AG zu den Vorwürfen einfordern.

Der VVO hat alle verkehrvertraglichen Verpflichtungen gegenüber der Städtebahn "erfüllt oder sogar übererfüllt", sagte Mangold. Er verwies auf die Modernisierung der Fahrzeuge und die zusätzliche Bestellung von rund 100 000 Zugkilometern pro Jahr.

"Die DB-Verantwortlichen waren in den letzten Jahren wiederholt gesprächsbereit und willens für die Probleme der Städtebahn Sachsen, die mitnichten nur infrastruktureller Art sind, gemeinsam Lösungen zu finden", sagte ein Bahnsprecher. Die Städtebahn-Verantwortlichen hätten daran zu Lasten der Fahrgäste leider wenig Interesse gehabt. Die Bahn hatte zunächst vergeblich versucht, das Unternehmen zur Klärung zu erreichen. Auch Pressenachfragen liefen ins Leere.

Wie der Internetseite der Städtebahn Sachsen zu entnehmen war, waren die Strecken Dresden-Königsbrück (RB 33), Dresden-Kamenz (RB 34), Pirna-Neustadt-Sebnitz (RB 71) und Dresden-Heidenau-Kurort Altenberg (RB 72 und RE 19). Auftraggeber VVO wurde kalt erwischt: "Wir sind genauso überrascht wie die Kunden", sagte Sprecher Christian Schlemper. Der Verbund richtete umgehend Ersatzverkehr mit Bussen ein. Die Städtebahn ist laut Schlemper seit 2014 bis 2024 für den Betrieb unter Vertrag, das Angebot wird täglich von rund 10 000 Fahrgästen genutzt.

In einer der SPD-Landtagsfraktion vorliegenden Mitteilung führte die Städtebahn den "schlechten Pflegezustand" der Trassen an. "Es kam hier sehr häufig und wiederkehrend zu massiven Vegetationsschäden und damit zu Zugkollisionen, die sowohl für die Anlagevermögen, als auch für die Fahrgäste eine nicht unerhebliche Gefährdung darstellen." Trotz jahrelanger Bemühungen seitens der DB Netz AG sei keine nachhaltige Abhilfe geschaffen worden. Dadurch seien der Städtebahn seit 2014 Schäden in einem siebenstelligen Euro-Bereich entstanden, die in langwierigen und teuren Gerichtsprozessen verfolgt werden müssten und insoweit die Liquidität des Unternehmens massiv belastet hätten.

Die CDU-Landtagsfraktion hat kein Verständnis für "die drastische Entscheidung" der Sächsischen Städtebahn GmbH. Die Geschäftsführung sei mit den von ihr beschriebenen Problemen bisher auch nicht auf die Fraktion zugekommen, sagte Vorsitzender Christian Hartmann. Die SPD-Fraktion vermutet, dass von innerbetrieblichen Problemen abgelenkt werden soll. Die Linke forderte einen landesweiten Verkehrsverbund und verbindliche Qualitätsstandards für den öffentlichen Nahverkehr. "Das derzeitige System ist am Ende", sagte deren Abgeordneter Marco Böhme.

"Die Probleme dürfen nicht auf die Fahrgäste abgewälzt werden", sagte Katja Meier von der Grünen-Landtagsfraktion und sprach von einer inakzeptablen und "bodenlosen Frechheit". Auch sie verlangte die sofortige Wiederaufnahme des Fahrbetriebs. "Die Städtebahn hat ihren Vertrag zu erfüllen." Der VVO müsse "die Daumenschrauben" anziehen und ihr notfalls die Konzession entziehen.

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

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