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Wenige Minuten Unwetter hinterlassen Schneise der Zerstörung

Offenbach am Main  

Wenige Minuten Unwetter hinterlassen Schneise der Zerstörung

19.08.2019, 10:54 Uhr | dpa

Wenige Minuten Unwetter hinterlassen Schneise der Zerstörung. Unwetter in Langen

Ein starkes Gewitter mit Sturmböen zieht durch die Straßen der Stadt. Foto: Frank Rumpenhorst (Quelle: dpa)

Tag eins nach dem schweren Unwetter in Südhessen am Sonntagabend: Noch immer sind Ampelanlagen außer Betrieb, Straßen mit Laub oder dicken Ästen bedeckt. Vielerorts ist die Feuerwehr unterwegs, räumt Straßen frei. Techniker reparieren Straßenlaternen. Das große Aufräumen hat begonnen, nachdem mancherorts ganze Baumstämme von der Wucht des Sturms umgeknickt worden waren.

Die bisherige Bilanz von Polizei und Feuerwehr gibt am Montag einen Eindruck vom Ausmaß der Naturgewalten: Mindestens 21 Verletzte gab es im Kreis Offenbach, darunter auch ein Kind. Vier Menschen wurden schwer verletzt, als sie von umstürzenden Bäumen oder umherfliegenden Gegenständen getroffen wurden. Das Unwetter habe eine "Schneise der Zerstörung" geschlagen, hieß es am Montag. Die Höhe der entstandenen Schäden lasse sich wohl erst in einigen Tagen beziffern.

Dabei war am Sonntagabend alles sehr schnell gegangen: "In vier Minuten war alles vorbei", sagt Albert Meister aus Dietzenbach. In seinem Garten liegt ein halber Baum, den der Sturm einfach in der Mitte hat bersten lassen. "Das haben wir hier noch nie erlebt." Kurz nach 18.00 Uhr sei es finster geworden, dann seien Sturm, Regen und dicker Hagel gekommen. Das Wasser habe auf dem Hof gestanden und in die Garage gedrückt. "Glücklicherweise hat es uns nicht das Haus abgedeckt. Das hat richtig gefeuert", erklärt er.

"Das ist gekommen wie eine Wand", sagt Janosz Tyminiski aus Langen. "Das Wasser kam durch die geschlossenen Fenster." Nach zehn bis 15 Minuten sei alles vorbei gewesen. Altkleidercontainer seien "wie Pappschachteln umhergeflogen", berichtet eine Frau aus Langen.

Für die Betroffenen steht nach dem Aufräumen auch die Frage im Vordergrund: Was kommt da noch an Kosten? Sturmschäden am Haus sind in der Regel von der Hausrat- oder Wohngebäudeversicherung abgedeckt. Der Versicherte muss aber belegen können, dass der Sturm für den Schaden verantwortlich ist und mindestens Windstärke acht hatte. Das sind Winde mit rund 63 Stundenkilometern. Als Beleg können nach Angaben des Bundes der Versicherten (BdV) zum Beispiel Medienberichte dienen.

Sämtliche 29 Feuerwehren im Kreis Offenbach waren am Sonntagabend im Dauereinsatz: Mehr als tausend Einsätze wegen überfluteter Keller, abgedeckter Dächer und umgestürzter Bäume waren darunter. In Rodgau wurde ein schwer verletzter Fahrradfahrer unter einem Baum geborgen. In Langen, einer der besonders schwer vom Unwetter betroffenen Ortschaften, musste die Feuerwehr zwischen 60 und 70 Menschen aus ihren Fahrzeugen befreien. Allein dort gab es nach Feuerwehrangaben zwölf Verletzte.

Auch in Dreieich musste zahlreichen Autofahrern der durch umgestürzte Bäume versperrte Weg freigeschnitten werden. Auf der Straße von Offenthal nach Langen war ein Stromkabel auf ein Auto gefallen, Feuerwehrleute befreiten die Menschen in dem Wagen. Trotz einiger Blessuren hatten insgesamt 20 Stand-up-Paddler bei Seligenstadt Glück: Sie schafften es in Klein-Welzheim gerade noch ans Mainufer, bevor das Unwetter sie erfasste. Das Stellwerk in Walldorf, das ein Stadtteil von Mörfelden-Walldorf ist, wurde vom Blitz getroffen und beschädigt. Auf der Strecke zwischen Mannheim und Frankfurt wurde der Zugverkehr eingestellt.

Während einige blockierte Straßen am Sonntagabend oder Montagvormittag wieder freigegeben wurden, blieb nach Polizeiangaben die Bundesstraße 468 zwischen Dreieich-Offenthal und Langen zunächst gesperrt, ebenso die Bundesstraße zwischen Langen und Mörfelden. Die Autobahn 5 könne nicht über Langen erreicht werden, berichtete die Polizei. Diese Sperrungen seien voraussichtlich bis Dienstag erforderlich. Noch mindestens zwei bis drei Tage bleibe die Landesstraße 3416 zwischen Tannmühlkreisel und Hainburg gesperrt. Voraussichtlich bis Montagabend sei in Rödermark die Ortsdurchfahrt in Waldacker gesperrt.

Auch am Frankfurter Flughafen wirbelte das Unwetter den Flugplan durcheinander: Zweimal musste die Abfertigung auf dem Vorfeld eingestellt werden. Verspätungen und Flugausfälle waren die Folge. Die Hessische Luftaufsicht genehmigte für Sonntag insgesamt 32 Starts nach 23 Uhr, so ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums am Montag. Um 23.35 Uhr startete die letzte Maschine nach Kopenhagen. Außerdem gab es 17 verspätete Landungen. Die letzte Maschine traf um 23.55 Uhr aus Bergamo (Italien) ein. Zwei Flugzeuge, die laut Flugplan in Frankfurt hätten landen sollen, wurden nach München beziehungsweise Köln umgeleitet.

Auch wenn es direkt nach dem Unwetter erste Vermutungen über einen Tornado gab, ließ sich dies nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) nicht bestätigen. "Wir werden die Bilder prüfen, aber momentan spricht nichts dafür", sagt der DWD-Tornadoexperte Andreas Friedrich. Sehr viel wahrscheinlicher handele es sich um eine sogenannte Fallbö aus einer Gewitter-Superzelle.

Bei diesen auch als "Downburst" beschriebenen Ereignissen treffen Luftströme mit hoher Geschwindigkeit am Boden auf und bewegen sich dann horizontal vorwärts. Regen oder Hagel werden dann waagerecht mitgewirbelt. Durch Täler und Hausschluchten können Düseneffekte entstehen, die Schneisen der Zerstörung schlagen - ähnlich wie ein Tornado, aber ohne dessen rotierende Luftwirbel. "Da gibt es dann Garagentore, die aussehen, als seien sie von Maschinengewehren getroffen", sagt Friedrich über dabei entstehende Hagelschäden.

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

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