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Forstarbeiter entfernen Hunderttausende Fichten aus Wäldern

Hummelshain  

Forstarbeiter entfernen Hunderttausende Fichten aus Wäldern

07.09.2019, 01:41 Uhr | dpa

Forstarbeiter entfernen Hunderttausende Fichten aus Wäldern. Birgit Keller bei Landtagssitzung

Birgit Keller (Die Linke), Landwirtschaftsministerin von Thüringen, aufgenommen bei einer Landtagssitzung. Foto: Martin Schutt/Archivbild (Quelle: dpa)

Wegen Borkenkäferbefalls werden nach Informationen der Thüringer Landesforstanstalt noch dieses Jahr Hunderttausende Fichten aus den Wäldern im Freistaat entfernt. Diese Zahl nannte der Sprecher von Thüringenforst, Horst Sproßmann, auf Anfrage. In den betroffenen Forstämtern seien momentan Unternehmen unterwegs, die mit Erntemaschinen im Regelfall im Zweischichtdienst die befallenen Fichten entfernen, sagte Sproßmann.

Im Fall der von Trockenheit betroffenen Buchen sollen Sproßmann zufolge noch dieses Jahr Tausende aus den Waldgebieten vor allem in Nordthüringen entfernt werden. Allerdings nur jene, die etwa entlang von Waldwegen eine Gefährdung für den Menschen sind, weil Teile herunterbrechen könnten.

Am Sonntag sprengten Experten der Bundeswehr aus diesem Grund rund 30 Buchen und drei Fichten an einem Steilhang bei Schönbrunn (Landkreis Hildburghausen) im Thüringer Wald. Die Bäume mussten demnach gesprengt werden, weil die üblichen Gerätschaften der Forstarbeiter mit ihren Greifarmen nicht weit genug in den Hang reichten.

Schätzungen zufolge werden in Thüringen allein bis Jahresende etwa 600 000 Buchen wegen Trockenheit absterben und fünf bis sechs Millionen Fichten Opfer des Borkenkäfers. Im August hatte die Landesregierung ein Nothilfeprogramm beschlossen, das für die Bergung kranker und abgestorbener Bäume sowie für die Pflanzung von 200 Millionen Bäumen in den kommenden zehn Jahren rund 500 Millionen vorsieht.

Nach Ansicht des Botanikers Christian Wirth ist es aber wichtig, nicht das gesamte Totholz aus den Wäldern zu schaffen. "Für die Biodiversität ist Totholz ungemein wichtig", sagte er. 40 Prozent der Organismen im Wald leben demnach davon.

"Außerdem ist Totholz ein wichtiger Kohlenstoffspeicher", sagte Wirth, der Direktor des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung Halle-Jena-Leipzig ist. "Typischerweise ist es so, dass das Holz, wenn es im Wald liegt, länger das CO2 speichert, als wenn es in die Verwendung kommt."

Gleichzeitig beschrieb er es als nachvollziehbar, "dass man jetzt bei diesen großen Schadbildern nicht die ganze Fichte dort einfach liegen lässt."

Teilweise habe man in Thüringen schon mit der Aufforstung kahler Waldflächen begonnen, sagte Sproßmann. Vor allem im kommenden Frühjahr soll intensiv gepflanzt werden - hauptsächlich klimarobuste Eichen. "Zweieinhalb Millionen Eichenpflanzen sind schon in unserer Forstbaumschule bevorratet", so Sproßmann.

Doch um die Wälder für den Klimawandel zu wappnen, müssen sich Wirth zufolge mindestens drei unterschiedliche Baumarten in den Waldgebieten mischen. "Ein System mit mehr Arten ist stabiler angesichts von Trockenheit als eine Monokultur", sagte er. Es gebe einige trockenheitsresistente Arten, die dafür in Betracht kommen, neben der Eiche etwa die Linde. Außerdem sollte seiner Ansicht nach die Forschung zu ökologisch verwandten Baumarten aus wärmeren Nachbarregionen intensiviert werden, um zu überprüfen, ob sie für die Wälder in Deutschland in Betracht kommen könnten.

Nicht nur in Thüringen gibt es wegen der Trockenheit schwere Waldschäden. Am 25. September wollen Bund und Länder zu einem "Waldgipfel" zusammenkommen. Wirth kritisierte das Krisenmanagement allgemein als zu langsam. "Mir kommt es schon ein bisschen so vor, als ob wir das in Deutschland ziemlich lange verdrängt haben", sagte er. "Dass wir großflächige, trockenheitsbedingte Waldsterbensphänomene haben, ist ein weltweites Phänomen, das wir schon über zehn Jahre beobachten."

Die Waldschäden waren am Wochenende auch Thema beim Thüringer Waldgipfel. Rund 5000 Besucher informierten sich am Samstag und Sonntag in Hummelshain (Saale-Holzland-Kreis) zu Themen rund um den Wald. Am Sonntag dankte Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) sechs leitenden Forstmitarbeitern für ihre Verdienste. Die stellvertretende Ehrung soll nach Informationen der Staatskanzlei allen Mitarbeitern in Thüringens Wäldern gelten, die gerade wegen der Menge an abgestorbenen Bäumen unter einer deutlichen Mehrbelastung leiden.

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

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