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Tod von sechsjähriger Leonie: Angeklagter schweigt zu Beginn

Torgelow  

Tod von sechsjähriger Leonie: Angeklagter schweigt zu Beginn

24.09.2019, 05:45 Uhr | dpa

Tod von sechsjähriger Leonie: Angeklagter schweigt zu Beginn. Prozess um gewaltsamen Tod von sechsjähriger Leonie

Der angeklagte Stiefvater hält sich einen Aktendeckel vor das Gesicht und zeigt in Richtung Anklage einen "Stinkefinger". Foto: Bernd Wüstneck (Quelle: dpa)

Im Mord-Prozess um den gewaltsamen Tod der sechsjährigen Leonie aus Torgelow in Vorpommern hat der angeklagte Stiefvater zum Prozessauftakt keine Angaben gemacht. "Mein Mandant soll sich erst an die Verhandlungssituation gewöhnen", begründete Verteidiger Bernd Raitor vor dem Landgericht Neubrandenburg am Dienstag die Entscheidung. Er kündigte an, dass der Angeklagte die Aussagen anderer Zeugen und der Mutter von Leonie abwarten und am 25. Oktober, dem siebten Verhandlungstag, aussagen wolle. Der Prozess wird von strengen Sicherheitsauflagen begleitet.

Dem 28-jährigen Stiefvater werden Mord durch Unterlassen und Misshandlung Schutzbefohlener in sieben Fällen vorgeworfen. Der Angeklagte hat das bisher bestritten. Er lebte mit Leonie, ihrem kleineren Bruder, deren Mutter und einem gemeinsamen Baby in der Wohnung in Torgelow. Laut Anklage soll er Leonie seit November 2018 fünfmal schwer misshandelt und nicht rechtzeitig medizinische Hilfe geholt haben. "Damit wollte er die Straftaten verdecken", erklärte Oberstaatsanwalt Bernd Bethge. Leonie starb am 12. Januar unter anderem an schweren Kopfverletzungen. Der zwei Jahre alte Bruder soll zweimal vom Stiefvater misshandelt worden sein.

Der Angeklagte hatte bei einer Haftprüfung erklärt, dass das Mädchen mit einem Puppenwagen am 12. Januar eine Treppe mit 15 Stufen hinuntergefallen war, erläuterte die damalige Haftrichterin Daniela Lieschke als Zeugin vor dem Landgericht. Danach soll der Angeklagte das Kind hochgetragen und die Mutter, gegen die ebenfalls ermittelt wird, Leonie ins Bett gelegt und ihr wegen Kopfschmerzen und Nasenbluten einen Kühlakku gegeben haben. Danach sei die Frau einkaufen gegangen. Später sei Leonie wieder in der Wohnung "herumgesprungen."

Auf die Frage, warum man sich den Kopf des Kindes nicht genauer auf ernste Verletzungen hin angeschaut und ärztliche Hilfe geholt habe, sei vom Angeklagten der Satz gefallen: "Das sind nicht meine Kinder." "Das hat er öfter gesagt", betonte Lieschke. Gegenüber Mitarbeitern des Jugendamtes habe er aber erklärt, seine Kinder nehme ihm niemand weg. Ihr Eindruck als Haftrichterin war, dass der Mann sich immer wieder in Widersprüche verstrickt habe.

Laut Anklage soll der Stiefvater Leonie schon am 8. Januar geschüttelt, getreten und anderweitig misshandelt haben. Am 12. Januar habe er erst abends die Rettungskräfte angerufen, nachdem das Mädchen auch noch erbrochen hatte. Als die Mediziner kamen, soll das Mädchen bereits tot gewesen sein. Später wurde festgestellt, dass Leonie schwere Kopfverletzungen, mehrere Rippenbrüche sowie Frakturen an Schlüsselbein und Daumen hatte.

Der Angeklagte hatte in den bisherigen Vernehmungen bestritten, das Kind am 8. Januar misshandelt zu haben. Laut Verteidigung hatte er einen Streit mit der Lebensgefährtin wegen einer Affäre mit einem Freund und war gegangen. Nach Angaben der Verteidigung soll auch die Mutter das Mädchen geschlagen haben.

Der Prozessauftakt sorgte für großes Medieninteresse. Als der Angeklagte mit Kapuze auf dem Kopf und Aktenhefter vor dem Gesicht den Saal mit etlichen Kameras betrat, wurde er vom Nebenkläger - dem leiblichen Vater des Opfers - mit Sätzen wie "Abartig bist du" beschimpft, bis Raitor protestierte. Richter Joachim Unterlöhner rief alle Seiten zur Zurückhaltung auf. Vor dem Saal werden alle Besucher intensiv auf gefährliche Gegenstände untersucht.

Der Fall sorgte auch deshalb für viel Aufsehen, weil der Stiefvater mehrere Tage nach dem Todesfall bei einer Vernehmung aus einem Polizeigebäude in Pasewalk fliehen konnte. Eine Woche später war er aber wieder gefasst worden. Der Prozess wird an diesem Mittwoch fortgesetzt. Die Mutter der Getöteten soll ab 21. Oktober als Zeugin gehört werden.

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

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