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Prozess um Leonie: Retter: Bei Notruf war Kind schon tot

Torgelow  

Prozess um Leonie: Retter: Bei Notruf war Kind schon tot

25.09.2019, 14:02 Uhr | dpa

Prozess um Leonie: Retter: Bei Notruf war Kind schon tot. Prozess um gewaltsamen Tod von sechsjähriger Leonie

Vor Beginn des Prozesses. Foto: Bernd Wüstneck/Archivbild (Quelle: dpa)

Die sechsjährige Leonie aus Torgelow (Landkreis Vorpommern-Greifswald) ist nach Ansicht des Notarzts lange vor dem Notruf des angeklagten Stiefvaters gestorben. Es habe sich "eher um Stunden" gehandelt, sagte Robert Papendieck am Mittwoch als Zeuge im Mord-Prozess gegen den Stiefvater des Mädchens am Landgericht Neubrandenburg. Anzeichen dafür seien ein stark ausgekühlter Körper und leicht milchige Augen gewesen. Der Wiederbelebungsversuch habe trotzdem um 19.34 Uhr begonnen, sei nach 47 Minuten aber erfolglos abgebrochen worden, sagte der Notarzt.

Dem 28-jährige Stiefvater werden Mord durch Unterlassen und Misshandlung von Schutzbefohlenen vorgeworfen. Er soll Leonie misshandelt und bewusst nicht rechtzeitig Hilfe geholt haben, um seine Taten zu verdecken.

Der Notarzt und ein ebenfalls als Zeuge geladener Rettungssanitäter widersprachen Angaben des Angeklagten. Dieser schweigt zwar bisher vor Gericht, hatte bei Vernehmungen aber von einem Treppensturz Leonies gegen 15.00 Uhr am 12. Januar gesprochen. "Die Verletzungen des Mädchens passten aber gar nicht zu einem solchen Sturz", erklärte der Sanitäter. Er habe die Treppe mehrfach untersucht.

Zudem wurden die Notrufe vor Gericht abgespielt, die sechs und vier Minuten vor dem Eintreffen der Retter eingegangen waren. Darin sprach der Stiefvater erst von einem bewusstlosen Kind. Kurz darauf, als im Hintergrund ein weinendes Kind zu hören ist, sagte er immer wieder "Alles gut Leonie". Als der Mann in der Leitstelle feststellt, dass das Mädchen dann ja nicht bewusstlos sein könne, sagte der Stiefvater, es sei noch ansprechbar.

"Wir waren viel zu spät am Patienten dran", sagte der Notarzt. Schon zu Beginn habe er gemerkt, dass das Kind mehrere Rippenbrüche und eine Fraktur am Hinterkopf hatte. Blut sei aber nirgends zu sehen gewesen. Deshalb habe man die Polizei informiert. Er und der Sanitäter berichteten, dass beim Eintreffen der Fernseher im Kinderzimmer von Leonie lief, sie nasse Haare hatte - wie vom Baden - und es kalt war. "Der Mann - der Stiefvater - hat immer gemurmelt: "Bis eben hat sie noch geatmet"", sagte der Rettungssanitäter.

Als man nach dem Einsatz, bei dem die Retter allein im Kinderzimmer gewesen seien, die Todesnachricht überbracht habe, habe der Stiefvater "aufgesetzt reagiert". Es sei so gewesen, als wenn er schon gewusst habe, dass Leonie tot sei. Mit der weinenden Mutter habe man gar nicht reden können.

Der 28-Jährige wohnte mit Leonie, ihrem kleinen Bruder - der auch misshandelt worden sein soll -, deren Mutter und einem gemeinsamen Baby in Torgelow. Der Angeklagte hat eine Malerlehre abgebrochen, keinen Berufsabschluss und lebte von Hartz IV. Gegen die Mutter wird wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen ermittelt, da sie keine Hilfe geholt habe. Sie soll im Oktober als Zeugin im Mord-Prozess aussagen. Danach will auch der Angeklagte eine Aussage machen, wie sein Anwalt sagte. Der Prozess wird am Freitag mit weiteren Zeugenvernehmungen fortgesetzt.

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

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