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Landeserntedank auf Hiddensee: Feiern und Protestieren

Insel Hiddensee  

Landeserntedank auf Hiddensee: Feiern und Protestieren

06.10.2019, 10:59 Uhr | dpa

Landeserntedank auf Hiddensee: Feiern und Protestieren. Inselkirche Hiddensee

Besucher gehen in die Inselkirche auf Hiddensee. . Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/ZB (Quelle: dpa)

Sonne und Regen beim Erntedankfest des Landes am Sonntag auf Hiddensee: Etlichen Besuchern von der Insel war nicht zum Feiern zumute, sondern zum Protestieren. Dagegen zeigte sich fast die komplette SPD-Ministerriege Mecklenburg-Vorpommerns gut gelaunt. Nach dem Gottesdienst in der Inselkirche in Kloster traf man sich mit Landfrauen und Besuchern aus dem Volk zu Kaffee, Brot und Weintrauben im sonnigen Pfarrgarten. Neben Ministerpräsidentin Manuela Schwesig waren Agrarminister Till Backhaus, Energieminister Christian Pegel, Sozialministerin Stefanie Drese und Vorpommerns Staatssekretär Patrick Dahlemann mit Kind und Kegel angereist.

Die Landesbischöfin der evangelischen Nordkirche, Kristina Kühnbaum-Schmidt, sagte in ihrer Predigt, Erntedank sei ein Fest nur zum Dankesagen, für eine gute Ernte, die herangereift ist, und im 30. Jahr der friedlichen Revolution auch für die Überwindung der Trennung, eines Unrechtsstaates und für das Erreichen der Einheit. Nebenan feierten Kinder einen Gottesdienst in einem kleinen Zirkuszelt.

Vor der Kirche warteten erboste Einwohner aus Neuendorf im Süden der Insel auf die Regierungsmitglieder. Sie protestierten gegen die Erhöhung der Pachtpreise um 1230 Prozent für das Land um ihre Häuser durch die Stadt Stralsund. Betroffen seien etwa 80 Familien, die dort teilweise in der 5. oder 6. Generation wohnen, die aber von Alters her die umgebenden Wiesen nur pachten konnten, wie Karin Schlott vom Vorstand der Interessengemeinschaft Neuendorf sagte. Statt 26 Cent pro Quadratmeter sollen sie jetzt 3,20 Euro zahlen. Das Land werde mit einem Wert von 300 Euro je Quadratmeter wie Bauland behandelt, obwohl auf der geschützten Insel und im Flächendenkmal Neuendorf kein Bauen möglich sei. Die Einwohner befürchten, sie sollen von Hiddensee vertrieben werden.

Agrarminister Backhaus versprach bei einem Besuch in Neuendorf, sich für einen Kompromiss mit Stralsund einzusetzen. "Mein Ziel ist es, bis Weihnachten das Problem zu lösen". Die Reaktionen der in neongrünen Westen demonstrierenden Neuendorfer bewegten sich zwischen "ein bisschen Hoffnung" und dem Urteil "alles nur Imagepflege".

Am Nachmittag kam erstmals im Land eine Erntekrone per Fischkutter zum Erntedankfest. Die Krone von einem Meter Durchmesser ist von Frauen des Landfrauenverbandes aus fünf Getreidesorten gebunden worden. Die Ministerpräsidentin will ihr einen Platz in der Staatskanzlei geben. In den vergangenen Jahren hätten die Landwirte gespürt, wie sehr die Ernte vom Wetter abhänge, sagte Schwesig. "Dass wir alle genug Essen auf dem Tisch haben, dahinter steht viel harte Arbeit." Landwirte würden zudem als Arbeitgeber und Ausbilder dafür sorgen, dass junge Leute in der Region bleiben.

Die Erntekrone führte den Festumzug auf der Insel an. Vereine, Trachtengruppen, Fischer, Bauern, Feuerwehrleute und eine Rettungsstaffel der Johanniter zogen mit geschmückten Wagen, Traktoren und traditionellen Nutzfahrzeugen durch den Ort. Die Fahrzeuge durften sich auf der autofreien Insel mit einer Sondergenehmigung zwischen Kutschen und Pferdewagen einreihen.

Minister Backhaus sagte, die Ernte sei besser als erwartet. Das bringe etwas Entspannung nach dem Katastrophenjahr 2018. Doch blieben die Erträge unter dem langjährigen Durchschnitt. Bei Winterweizen und -gerste fuhren die Bauern rund 76 Dezitonnen je Hektar ein, im Vergleich zu 60 dt/ha im Vorjahr. Der Mittelwert liege allerdings bei 80 Dezitonnen. Beim Winterraps wurden fast 36 Dezitonnen je Hektar geerntet, was nahezu dem langjährigen Mittel entspricht.

Vor dem Erntedankfest hatte die Entscheidung für Hiddensee für Unmut gesorgt. Auf der Insel gibt es bis auf Schaf- und Pferdehaltung keine Landwirtschaft. Die Kirche fühlte sich nicht in die Vorbereitung einbezogen. Zudem ist die Insel nur per Schiff zu erreichen.

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

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