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Mordprozess Leonie: Vater durfte Kinder lange nicht sehen

Torgelow  

Mordprozess Leonie: Vater durfte Kinder lange nicht sehen

29.10.2019, 01:03 Uhr | dpa

Mordprozess Leonie: Vater durfte Kinder lange nicht sehen. Das Landgericht Neubrandenburg

Das Landgericht Neubrandenburg. Foto: Stefan Sauer/zb/dpa/Archivbild (Quelle: dpa)

Der Vater der gestorbenen sechsjährigen Leonie aus Torgelow (Landkreis Vorpommern-Greifswald) hat im Mordprozess gegen den Stiefvater schwere Vorwürfe erhoben. Er habe seine beiden Kinder - Leonie und ihren jüngeren Bruder - über fast zwei Jahre nicht sehen dürfen, sagte der 28-Jährige am Dienstag am Landgericht Neubrandenburg. Das hätten ihm die Mutter und der Stiefvater trotz gerichtlicher Anordnung verwehrt. "Jetzt weiß ich auch warum, denn dann hätte ich die Verletzungen gesehen", sagte der Mann aus Wolgast, der als Nebenkläger am Prozess teilnimmt und als Zeuge gehört wurde, unter Tränen.

Andere Zeugen wie Leonies Großmutter berichteten, dass sich die Mutter des Mädchens am 8. Januar - vier Tage vor Leonies Tod - eigentlich vom Angeklagten trennen wollte. "Sie hatten sich wieder mal gestritten", sagte die 49-Jährige. Der Angeklagte sei immer aufbrausend gewesen und habe ihrer Tochter - im Gegensatz zur Beziehung zum zweifachen Kindesvater nicht gut getan. Auch Freundinnen der 25-jährigen Mutter berichteten von Streits aus unmäßiger Eifersucht und wegen eines rabiaten Umgangs mit den Stiefkindern beim Angeklagten.

Die Mutter und der leibliche Vater hatten sich Ende 2016 getrennt. Das habe ihm den Boden unter den Füßen weggezogen, sagte der Nebenkläger. "Wir hatten zwei Kinder, ich hatte Arbeit und wir hatten Führerscheine - es schien alles perfekt zu sein." Zu dieser Zeit habe der Angeklagte im gleichen Betrieb auf der Insel Usedom gearbeitet wie er. Man habe sich auch privat angefreundet.

Plötzlich habe er bei der Arbeit erfahren, dass der Angeklagte mit seiner Frau in Wolgast Hand in Hand Spazieren gehe. Daraufhin habe er seine Sachen geholt und sei ausgezogen. Er habe nicht gedacht, dass die Kinder geschlagen würden. Allerdings habe er mitbekommen, dass die Mutter unregelmäßig auch Amphetamine genommen habe. Das sei an Wochenenden und abends gewesen, wenn die Kinder im Bett waren.

Nach monatelangen vergeblichen Versuchen, wenigstens seine Kinder zu sehen, habe er Ende 2017 einen Anwalt eingeschaltet. Als im Herbst 2018 endlich ein Gerichtsurteil da war, habe er mit seiner Schwester am 2. November 2018 versucht, seine Kinder erstmals in Torgelow abzuholen. Das sei ihm und auch der Polizei verwehrt worden. Auch zu Weihnachten und Leonies Geburtstag am Silvestertag habe er keines der Kinder gesehen, obwohl das Gericht das angeordnet hatte.

Leonie war am 12. Januar tot und mit Verletzungen, die von schweren Misshandlungen herrühren sollen, in der Wohnung der Mutter und des Stiefvaters in Torgelow gefunden worden. Dem 28-Jährigen wird Mord durch Unterlassen und Misshandlung von Schutzbefohlenen vorgeworfen. Er soll das Mädchen laut Staatsanwaltschaft so misshandelt haben, dass es infolge der Verletzungen starb, und absichtlich zu spät Hilfe geholt haben, um die Misshandlungen zu verdecken.

Der Stiefvater, der auch Leonies Bruder schwer misshandelt haben soll, schweigt bisher vor Gericht. Bei der Polizei hatte er angegeben, dass Leonie eine Treppe im Hausflur hinabgestürzt sei. Rettungskräfte waren aber erst viereinhalb Stunden nach dem angeblichen Sturz alarmiert worden und bezweifelten einen Sturz. Am Dienstag wurde zudem bekannt, dass es im Februar 2018 bei der Polizei in Wolgast eine Anzeige wegen Verdachts der Kindesmisshandlung bei Leonie und ihrem Bruder sowie einen anonymen Hinweis an das Jugendamt gegeben haben soll.

Der Prozess wird sich laut Gericht mindestens in den Dezember hinein verzögern. Leonies Mutter, gegen die auch ermittelt wird, weil sie nicht eher Hilfe geholt hat, soll vom 29. November an noch mindestes einmal angehört werden. Nach ihrer jüngsten Aussage will sich auch der Angeklagte äußern, wie seine Verteidiger in Aussicht stellten.

Der Prozess wird am 1. November mit der Anhörung von Zeugen aus dem Umfeld des Angeklagten fortgesetzt.

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

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