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Manufaktur-Chef will 2021 schwarze Zahlen schreiben

Meißen  

Manufaktur-Chef will 2021 schwarze Zahlen schreiben

14.11.2019, 17:09 Uhr | dpa

Manufaktur-Chef will 2021 schwarze Zahlen schreiben. Geschäftsführer der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meissen

Georg Nussdorfer und Tillmann Blaschke, Geschäftsführer der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meissen. Foto: Sebastian Kahnert/zb/dpa (Quelle: dpa)

Die Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen will ein Drittel ihrer Stellen streichen. Damit reduziere sich die Zahl der Mitarbeiter von 619 auf 418, teilte das Traditionsunternehmen am Donnerstag mit. Den Entschluss zu der drastischen Sparmaßnahme hatte der Aufsichtsrat am Mittwochabend gefasst, am Donnerstagmorgen wurde die Belegschaft informiert. "Es ist eine extrem schmerzliche und schwierige Situation für alle hier, auch für uns", sagte einer der Geschäftsführer, Georg Nussdorfer, der Deutschen Presse-Agentur.

Das Unternehmen begründete den Schritt mit dem schwierigen Marktumfeld in der Porzellanbranche sowie dem zu erwartenden wirtschaftlichen Abschwung. Die "ambitionierten Wachstumsziele" hätten nicht erreicht werden können. Es sei schwierig, in einem rückläufigen Markt für Porzellan gegen den Strom zu schwimmen und neue Geschäfte in neuen Märkten zu eröffnen, so Nussdorfer.

Kritische Stimmen kommen hingegen aus der Politik, die dem Staatsunternehmen Fehlentscheidungen und mangelnde Transparenz vorwerfen. Die Meißener CDU-Abgeordnete Daniela Kuge sprach von einem "großen Schock" für die Porzellanstadt. Die "bedauerliche Situation" sei "das Ergebnis der Arbeit eines Geschäftsführers, der weder ein Gespür für die Manufaktur, noch für die Menschen, die dort beschäftigt sind, entwickelt hat." Viele Entscheidungen hätten sich als falsch herausgestellt. "Wir sollten bei den geplanten Entlassungen an der Spitze der Manufaktur anfangen", forderte Kuge.

Im Vorjahr verbuchte die Porzellan-Manufaktur einen Umsatz von rund 38 Millionen Euro - deutlich niedriger als erwartet. In dem 2017 unter dem damaligen CDU-Finanzminister Georg Unland verabschiedeten Zukunftsplan waren Umsätze von rund 50 Millionen Euro in den kommenden Jahren angepeilt worden.

Nun gehe es darum, die Porzellan-Manufaktur als einzigartiges kulturelles Erbe nachhaltig zu sichern, sagte eine Sprecherin des Finanzministeriums. Der Freistaat ist alleiniger Gesellschafter der Manufaktur. Es gebe etwa die Überlegung, das Know-How zur Porzellanherstellung in einer Akademie zu sichern. Zudem sei man mit der Arbeitsagentur im Gespräch, um Lösungen für betroffene Mitarbeiter zu finden. Der Stellenabbau soll in Absprache mit dem Betriebsrat auch über Rentenabgänge, Altersteilzeit und nicht nachbesetzte Stellen geregelt werden. Die Ausbildung von derzeit 40 Lehrlingen ist nach Unternehmensangaben nicht betroffen.

Das Unternehmen mit dem weltbekannten Symbol der gekreuzten Schwerter will sich zudem von nicht rentablen Standorten trennen, dazu zählt etwa das Kaufhaus Harrods in London sowie Läden in Köln und Frankfurt. In Berlin werden zwei Geschäfte zu einem zusammengelegt. Von Standorten in Erfurt und Hamburg hatte sich die Manufaktur bereits verabschiedet.

Sachsens Finanzminister Matthias Haß (CDU) sieht keinen anderen Weg als den der angekündigten Stellenstreichung. "Um das Unternehmen langfristig und nachhaltig zu sichern, sind diese schmerzlichen Einschnitte jetzt unumgänglich." Personal- und Sachkosten müssten reduziert werden. "Auch um das Unternehmen perspektivisch unabhängig zu machen von Finanzhilfen des Freistaates."

Bereits seit Jahren kämpft Europas älteste Porzellan-Manufaktur (Gründung 1710) mit Verlusten, allein 2017 lag das Minus bei rund fünf Millionen Euro. Der Umbau zum Luxuskonzern unter dem ehemaligen Chef Christian Kurtzke scheiterte. Er wollte die Manufaktur zu einem Luxuskonzern umbauen und ließ auch Schmuck, Haute Couture, Möbel und Accessoires produzieren - das Konzept misslang. "Das durch die CDU-Regierung gedeckte Bestreben, aus der Porzellanmanufaktur einen Intershop für Nippes für neureiche Kleinbürger zu machen, rächt sich bis heute", kritisierte Linke-Politiker Franz Sodann.

Vor zwei Jahren kündigten die Geschäftsführer Tillmann Blaschke und Georg Nussdorfer einen Kurswechsel und die Rückbesinnung auf das Kerngeschäft - das Porzellan - an. Dafür gewährte der Freistaat der gut 300 Jahre alten Manufaktur Zuschüsse in Höhe von 28 Millionen Euro - als Investition in Produktion und Gebäude. Im Vorjahr zeigten sich die beiden Chefs noch optimistisch, ab 2021 wieder schwarze Zahlen zu schreiben. "Daran halten wir fest", erklärte Blaschke. "Ja, wir sind auch optimistisch." Es gehe nun darum, das Unternehmen fit für die Zukunft zu machen. "Wir möchten dieses Kulturgut und das Kunsthandwerk erhalten und etwas Gutes daraus machen."

Der sächsische FDP-Bundestagsabgeordnete Jürgen Martens kritisierte die Geschäftsführung: "Das Unternehmen hat es trotz Produkte von hoher Qualität nicht verstanden, sich am Markt zu etablieren und Gewinn zu erzielen. Stattdessen wurden öffentliche Gelder in dreistelliger Millionenhöhe verpulvert." Grüne-Politikerin Franziska Schubert bemängelte, dass es in den vergangenen Jahren eine "hohe Intransparenz" im Umgang mit der Porzellan-Manufaktur gab. "Die beträchtlichen Finanzhilfen haben nicht dazu geführt, dass das Unternehmen in seiner jetzigen Größe erfolgreich sein konnte. Diesen Kurs so nicht weiterzuführen, halte ich für eine richtige Entscheidung."

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

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