Sie sind hier: Home > Regional >

Ohne Führerschein im Auto: Erneute Bewährungsstrafe für Mann

Speyer  

Ohne Führerschein im Auto: Erneute Bewährungsstrafe für Mann

17.12.2019, 01:09 Uhr | dpa

Ohne Führerschein im Auto: Erneute Bewährungsstrafe für Mann. Verkehrssünderdatei

Regale mit Akten von Verkehrssündern stehen im Kraftfahrt-Bundesamt (KBA). Foto: Carsten Rehder/Archiv (Quelle: dpa)

"Mit sämtlichen zugedrückten Augen" hat das Amtsgericht Speyer einen Angeklagten wegen vorsätzlichen Fahrens ohne gültigen Führerschein erneut zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Der 37-jährige Mann hatte sich trotz einer Bewährungsstrafe aus dem Februar erneut hinter das Steuer gesetzt und war gleich zwei Mal erwischt worden. Eine Gefängnisstrafe sei zwar durchaus denkbar, sagte Richter Nikolas Häusler am Dienstag. Der Beschuldigte habe aber die beiden Fahrten gestanden und verzichte zudem auf die Rückgabe seines beschlagnahmten Fahrzeugs. Deshalb halte er eine Strafe von neun Monaten Haft auf Bewährung für angemessen, sagte Häusler.

Der Fall hatte auch deswegen für Aufsehen gesorgt, weil der Mann der Polizei zufolge 373 Punkte in der Flensburger Verkehrssünderdatei angesammelt hat. Die Zahl setzt sich zusammen aus mehr als 150 Fahrten ohne gültigen Führerschein, die der Mann als Berufsfahrer absolviert hatte. Die Behörden kontrollierten im Nachhinein die Tachoscheiben des Fahrzeugs und verhängten pro Fahrt zwei Punkte. Vor Gericht spielt der Punktestand am Dienstag aber keinerlei Rolle.

Zum Prozessauftakt hatte der Anwalt des Angeklagten mitgeteilt, dass der Mann die Vorwürfe in vollem Umfang einräume. Der 37-Jährige sei als Lagerist tätig. Der Beschuldigte sagte, er habe schnell zur Arbeit fahren wollen - sein Arbeitgeber sei streng, und mit einem Taxi wäre er möglicherweise zu spät gekommen. "Da habe ich eine große Dummheit gemacht." Im Schlusswort versprach der Mann Besserung. Er habe sich zur Medizinisch-Psychologischen Untersuchung angemeldet.

Die Staatsanwältin betonte hingegen, der Angeklagte sei unbelehrbar und habe sich ohne Not über alle Verbote hinweggesetzt. Sie forderte zehn Monate Haft ohne Bewährung. Der Verteidiger hingegen plädierte auf sechs Monate Haft mit Bewährung.

Richter Häusler räumte ein, dass dies ein Fall sei, "an dem sich die Geister scheiden". Er verhänge "mit sämtlichen zugedrückten Augen" eine Bewährungsstrafe, warnte aber: Beim nächsten Mal "ist der Ofen aus", und der Angeklagte müsse dann vermutlich ins Gefängnis.

Die Polizei in Neustadt an der Weinstraße hatte den Mann im September mit einem italienischen Führerschein erwischt. Wie am Rande der Verhandlung verlautete, ist dieser in Deutschland ungültig, weil er auf einer in dem Nicht-EU-Land Moldau ausgestellten Fahrerlaubnis basiere. Der 37-Jährige habe gewusst, dass er damit nicht in Deutschland fahren dürfe, hieß es.

Die Polizei hatte im September auch den etwa 35 000 Euro teuren Wagen des Mannes beschlagnahmt. Der Angeklagte verzichtete am Dienstag auf die Rückgabe - was ihm strafmildernd angerechnet wurde. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der ADAC-Rechtsexperte Markus Schäpe sieht den Fall als absolute Ausnahme. "Hohe Punktestände sind in Deutschland zum Glück ein Nischenthema. Wir haben im Jahr etwa 4000 Menschen, die es auf die Maximalzahl von 8 Punkten schaffen. Das ist eine kleine Gruppe im Vergleich zur Zahl der Menschen, die einen Führerschein besitzen", sagte der Jurist der Deutschen Presse-Agentur.

Nach Einschätzung des Verkehrspsychologen Peter Fiesel haben notorische Regelverstöße im Straßenverkehr ihre Wurzel häufig in der Kindheit der Betroffenen. "Das Unrechtsbewusstsein und die Art wie Menschen mit Regeln umgehen ist etwas, das der Mensch in der Kindheit gelernt hat", sagte Fiesel der dpa. In Therapien werde daher an der Lebensgeschichte angesetzt und geschaut, ob es bestimmte Besonderheiten oder Auslöser gebe.

Eine sogenannte Medizinisch-Psychologische Untersuchung hält Fiesel derweil für eine "sinnvolle Einrichtung", um Verkehrssünder von weiteren Verstößen abzuhalten, weil die Untersuchung zur Auseinandersetzung mit dem eigenen Handeln zwinge.

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail


shopping-portal