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80-Jähriger Bauer fährt vorsätzlich langjährigen Feind um

Vechta  

80-Jähriger Bauer fährt vorsätzlich langjährigen Feind um

07.01.2020, 14:53 Uhr | dpa

80-Jähriger Bauer fährt vorsätzlich langjährigen Feind um. Polizei mit Blaulicht

Die Blaulichter sind auf den Dächern von Polizeifahrzeugen zu sehen. Foto: Carsten Rehder/dpa/Symbolbild (Quelle: dpa)

Die Bauern N. und G. aus Damme im Oldenburgischen sind seit Jahrzehnten keine Freunde. Doch woher die Feindschaft rührt, das bleibt am Dienstag im Amtsgericht Vechta vage. Fest steht am Ende, dass der 80-jährige N. zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt wird. Das Gericht sieht gefährliche Körperverletzung in zwei Fällen. Mit seinem Geländewagen habe der Angeklagte den 69-jährigen G. vom Fahrrad gestoßen. Das Opfer fiel in einen Graben. Doch N. habe noch einen hölzernen Axtstiel aus dem Wagen genommen, sei ebenfalls in den Graben gestiegen und habe auf den Verletzten eingeschlagen.

"Wir sind der Überzeugung, dass das ein vorsätzlich herbeigeführter Unfall war", sagt der Richter. Und auch an den Schlägen gebe es keine Zweifel. Dass der Angeklagte nicht in Haft müsse, habe er seinem hohen Alter zu verdanken. "Es kann sein, dass man das schlichtweg nicht überlebt", sagt der Richter. Für drei Jahre wird die Strafe zur Bewährung ausgesetzt.

Als eine Bewährungsauflage muss N. 3000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Weitere böse Folge für den Bauern, der allein auf einem abgelegenen Hof lebt: Der Führerschein ist weg. (Az.: 13 Ls 24/19)

Vor Gericht sind die Kontrahenten einander nicht unähnlich, kräftige, wettergegerbte Gestalten. Im Zuschauerraum des Amtsgerichts scheint der halbe Dammer Ortsteil Langenteilen versammelt: die Familie des Opfers, Freunde und Nachbarn beider Seiten. Er habe mit dem einen schon gefeiert und mit dem anderen auch, sagt ein Mann. Alle drei sind Mitglied im selben Schützenverein.

An jenem Tag im Juli 2019 war das Opfer G. mit dem Elektrofahrrad unterwegs, N. mit seinem Auto. Langenteilen ist eine Streusiedlung, schmale Straßen zwischen einzelnen Bauernhöfen. G. sei in Schlangenlinien vor ihm her gefahren, sagt der Angeklagte. Beim Überholen sei der Unfall passiert. Erst im Schlusswort dämmert es ihm: "Ich hätte doch dahinter bleiben müssen. Aber er ist mir einfach vors Auto."

Der Rammstoß mit dem schweren Wagen kam, als G. in seinen Hof abbiegen wollte. Der Gestürzte rief seine Söhne, die zu Hilfe eilten. Und nur aus Angst vor denen will der Angeklagte den neuen Axtstiel, Esche, 70 Zentimeter, in die Hand genommen haben. Zugeschlagen habe er aber nicht.

Doch das haben die Zeugen anders gesehen. Ihr Vater erlitt schwere Verletzungen an Armen und Beinen, ein Daumen war gebrochen, zweimal musste er im Krankenhaus behandelt werden. Und das Opfer sagt aus, dass N. an dem Tag sein Fahrrad schon vorher zweimal angefahren habe.

Und die alte Feindschaft? "Mit dem hatte fast jeder Streit", beschuldigt der Angeklagte sein Opfer. Meist sei man sich aus dem Weg gegangen. Der Richter rät dem Angeklagten dringend, seinen "alten Groll" künftig im Zaum zu halten und G. fernzubleiben.

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