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Neue Tierschutz-Verstöße im Allgäu festgestellt

Sonthofen  

Neue Tierschutz-Verstöße im Allgäu festgestellt

09.01.2020, 13:14 Uhr | dpa

Neue Tierschutz-Verstöße im Allgäu festgestellt. Milchkühe auf Weide

Kühe auf einer Weide. Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild (Quelle: dpa)

Im Allgäuer Tierschutz-Skandal haben die Behörden auf einem Rinderhof erneut schwere Mängel festgestellt. "Bei rund der Hälfte der Tiere waren erhebliche Klauenprobleme festzustellen. Andere befanden sich in einem schlechten Ernährungszustand", sagte ein Sprecher des Landratsamtes Oberallgäu in Sonthofen am Donnerstag. Das Veterinäramt und Vertreter des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) durchsuchten den Hof am Mittwoch in einer großangelegten und unangekündigten Kontrolle. Mehrere Medien berichteten zuvor.

Seit Monaten gibt es im Ober- und Unterallgäu Verstöße gegen Tierschutzvorschriften. Erst im Dezember waren auf einem anderen Hof im Oberallgäu Fälle bekannt geworden. Daraufhin mussten sechs Tiere eingeschläfert werden. Vor einem halben Jahr waren erstmals Tierschutz-Verstöße im Allgäu publik geworden, nachdem Videoaufnahmen einer Tierschutzorganisation an die Öffentlichkeit gelangt waren. Diese zeigen, wie mutmaßlich auf dem Hof eines der größten Milchviehbetriebe in Bayern Kühe misshandelt werden.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen gegen mehrere Betriebe und Einzelpersonen - darunter Betreiber, Mitarbeiter und Tierärzte. Die Betriebe sollen unabhängig voneinander arbeiten. Das LGL erstellt derzeit ein Gutachten. Einem Sprecher der Staatsanwaltschaft Memmingen zufolge könnten im März Ergebnisse bekanntgegeben werden.

Als Reaktion auf die aktuellen Vorwürfe gegen den Oberallgäuer Rinderhalter bekräftigte die Bayern-SPD ihre Forderung nach umfassenden Tierwohlreformen. "Wir brauchen endlich ein staatliches Tierwohllabel und härtere Sanktionen bei Tierwohlverstößen", sagte Umweltsprecher Florian von Brunn (SPD). "Minister (Thorsten) Glauber muss sich daran messen lassen, ob er beim Nachtragshaushalt die notwendigen Veterinärsstellen durchgesetzt hat."

Im November hatte sich Verbraucherschutzminister Glauber (Freie Wähler) mit mehreren schwäbischen Landräten getroffen, um über den Personalmangel in den Veterinärämtern zu sprechen. Schon seit Jahren forderten diese mehr Beschäftigte für intensivere Kontrollen. Glauber kündigte an, die Veterinärverwaltung an den Landratsämtern sowie die Bezirksregierungen und Lebensmittelkontrollbehörden mit Stellen zu verstärken. Die Staatsregierung hat die Stellen im Nachtragshaushalt genehmigt. Im Frühjahr soll der Landtag darüber entscheiden.

Für die Agrarsprecherin der SPD, Ruth Müller, muss auch die Förderung für landwirtschaftliche Betriebe überarbeitet werden: "Nicht "je größer und je mehr Tiere, desto mehr Förderung" darf länger die Maxime sein, sondern die Betriebe müssen gefördert werden, die das Wohl ihrer Tiere in den Blick nehmen und den Naturschutz beachten."

Die Grünen kritisieren darüber hinaus, dass die landwirtschaftliche Berufsausbildung mit den immer größeren Ställen der industriellen Fleischproduktion nicht Schritt halte. "Wir brauchen ein verbindliches Fach Tiergesundheit in der landwirtschaftlichen Ausbildung, einen Sachkundenachweis für Fremdarbeitskräfte auf den Höfen und klare Vorschriften für die Personalquote in Riesenställen", sagte die agrarpolitische Sprecherin der Grünen, Gisela Sengl. "Und natürlich sind kleinere Ställe mit mehr Freilauf für unsere Tiere der Schlüssel für eine dauerhaft bessere Tierhaltung."

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