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Achtung Autofahrer: Kohlgänger kreuzen

Nordenham  

Achtung Autofahrer: Kohlgänger kreuzen

17.01.2020, 06:45 Uhr | dpa

Grünkohlzeit ist Kohlfahrtzeit - das weiß im Nordwesten Deutschlands fast jeder. Mehr als 100 Jahre ist der Brauch schon alt. Im Kern geht's darum, mit Freunden, Bekannten, Kollegen durch Stadt oder Botanik zu ziehen und sich vom mitgeführten Bollerwagen mit meist alkoholischen Getränken verschiedenster Art zu bedienen und zum Abschluss Grünkohl zu essen. 2019 registrierte die Polizei allerdings mehrere Unfälle. Sie rät deshalb auch dieses Jahr zu erhöhter Wachsamkeit, denn im Dunkeln sind Kohlgänger meist schwer zu erkennen.

Teil der Touren sind oft Spiele wie Teebeutelweitwurf, Luftballontreten oder ernsthafter und am besten ohne Alkohol: das Boßeln. Letzteres ist eine friesische Sportart und steht alljährlich bei einem Wettbewerb in Nordenham-Blexen (Kreis Wesermarsch) im Mittelpunkt. Am Samstag werden dort auf Initiative der Verkehrswacht Nordenham und der Polizei Nordenham Warnwesten an die Teilnehmer verteilt, damit sie besser zu sehen sind. 80 bis 100 Westen liegen zum Einsatz bereit.

Beim Boßeln muss eine Kugel aus Holz oder Gummi mit möglichst wenigen Würfen auf einer Straße über eine zuvor festgelegte Strecke befördert werden. Gute Boßler schaffen Distanzen von einigen 100 Metern. Die Wettkampfstrecke ist mehrere Kilometer lang. Hochburgen dieses Sports in Niedersachsen sind Ostfriesland und das Oldenburger Land.

Nach den Kohltouren steht das Kohlessen und meist auch die Wahl eines Kohlkönigspaars an, dem dann unter anderem die Organisation der nächsten Kohlfahrt obliegt. Damit die Touren sicher ablaufen, riet die Polizeiinspektion Delmenhorst/Oldenburg-Land/Wesermarsch den Kohlgängern, gut erkennbare Kleidung zu tragen und wenn möglich die Tour bei einsetzender Dunkelheit zu beenden. Im Internet werden Extra-Kohlfahrt-Warnwesten in Gelb angeboten.

Die Warnungen sind begründet. Im Emsland hatte ein Autofahrer im vergangenen Jahr mehrere Boßelspieler bei einer Kohltour mit seinem Wagen erfasst. Acht Teilnehmer erlitten dabei zum Teil lebensgefährliche Verletzungen. Auch in der Wesermarsch hatte 2019 ein Autofahrer eine achtköpfige Gruppe übersehen, die bei Dunkelheit mit einem Bollerwagen in Stadland auf einer Nebenstraße unterwegs war. Ein 47-jähriger Mann wurde damals schwer verletzt.

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