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Milliarden-Grenze bei Fahrkarten in Sicht

Hofheim am Taunus  

Milliarden-Grenze bei Fahrkarten in Sicht

21.01.2020, 15:00 Uhr | dpa

Milliarden-Grenze bei Fahrkarten in Sicht. Knut Ringat neben RMV Fahrkarten Automat

Knut Ringat neben RMV Fahrkarten Automat. Foto: Arne Dedert/dpa/Archivbild (Quelle: dpa)

Mehr Buslinien, längere Züge: Um die weiter steigende Nachfrage zu bewältigen, arbeitet der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) am Ausbau seines Angebots. Zu den 19 vorhandenen Schnellbuslinien sollen bis Ende 2021 drei neue in Mittel- und Osthessen hinzukommen, sagte RMV-Geschäftsführer Knut Ringat am Dienstag in Frankfurt. 16 Strecken für X-Busse würden geprüft. Zudem sollen neue S-Bahnen angeschafft werden, damit auf mehr Verbindungen lange Züge fahren können und um einen Puffer für Reparaturen zu schaffen. In fünf Jahren könne die Grenze von einer Milliarde Fahrten pro Jahr überschritten werden, sagte Ringat. Ein Überblick über die aktuelle Entwicklung:

- ZAHLEN: Vergangenes Jahr zählte der RMV einer ersten Einschätzung zufolge 805 Millionen Fahrten - 17 Millionen mehr als im Vorjahr. Ringat sagte, es handele sich um eine Prognose, die endgültigen Werte könnten noch höher liegen. "Ein Drittel aller Menschen nutzt den ÖPNV im Rhein-Main-Gebiet", sagte Ringat. Der RMV rechnet bis zum Jahr 2030 mit einem weiteren Anstieg um mindestens 30 Prozent. Die Einnahmen aus dem Fahrkartenverkauf stiegen den Angaben zufolge um 11 auf 955 Millionen Euro. Von einem sensationellen Start sprach Ringat beim neuen Seniorenticket, das bereits mehr als 40 000 mal verkauft worden sei.

- TICKET-AUSWAHL: Viele regelmäßige Fahrgäste sind mit solchen Flatrate-Tickets unterwegs, Jobticket, Landesticket oder Schülerticket sind weitere Beispiele. Es gebe den Wunsch nach weiteren Angeboten, und der RMV arbeite daran, sagte Ringat. Zu einem 365-Euro-Ticket für das ganze Jahr äußerte er sich allerdings zurückhaltend. Dies würde mehr als 200 Millionen Euro pro Jahr kosten, und es sei niemand in Sicht, der dies langfristig bezahlen wolle. Als Modellregion habe man sich dennoch auf einen Aufruf des Bundesverkehrsministerium hin beworben. Einzelheiten dazu stünden aber noch nicht fest. Für eine einzelne Stadt mache ein 365-Euro-Ticket dies jedenfalls keinen Sinn, sagte Ringat.

- ONLINE-RABATT: Um mehr Gelegenheitskunden zu gewinnen, plant der RMV eine Art digitale Sammelkarte. Der neuen Prepaid-Rabatt soll noch in den nächsten sechs Monaten kommen, es gibt ihn dann nur per App. Einzelfahrkarten werden dabei günstiger, wenn die Kunden eine Anzahlung leisten. Generell soll der Fahrkartenkauf per App bequemer werden, die Anwendung für Smartphones wird zum Ende des Jahres in einer neuen Version abrufbar sein. Um die App zu nutzen, braucht es Mobilfunk - auch hier will der RMV am Ball bleiben. Als nächstes sollen sukzessive die X-Busse mit kostenlosem WLAN ausgestattet werden, das gilt auch für die Regionalbahnen. Um stabile Verbindungen auch im S-Bahn-Tunnel gewährleisten zu können, liefen Gespräche mit dem Mobilfunkanbieter, hieß es.

- VERSPÄTUNGEN: "Fast jeden Tag gibt es Oberleitungsstörungen", kritisierte der Landesvorsitzende des Fahrgastverbands Pro Bahn, Thomas Kraft. "Wir erhalten regelmäßig Rückmeldungen, dass Menschen von teils hohen Verspätungen auf dem Weg zur Arbeit betroffen sind." Sollten mehr Arbeitnehmer vom Umstieg auf die Bahn überzeugt werden, müsse sich dies bessern. Dazu sei mehr Geld für die Instandhaltung der Bahnanlagen nötig. Die von Bund und Bahn abgekündigten 86 Milliarden Euro für die Sanierung des Schienennetzes in den kommenden zehn Jahren reichten nicht aus. Nach RMV-Zahlen verharrte die Pünktlichkeitsquote bei den S-Bahnen im vergangenen Jahr auf dem Wert der Vorjahre, 92 Prozent. Ziel waren 96 Prozent.

- INVESTITIONEN: Auch der RMV verlangt von der Politik, weitaus mehr Geld in den öffentlichen Verkehr zu leiten. 2018 seien 77 Euro pro Bürger in die Schieneninfrastruktur geflossen. Wären es 365 Euro wie in der Schweiz, läge eine völlig andere Situation vor, sagte Ringat. Er verwies auch auf die in Hessen vorhandenen Ausbaupläne, deren Umsetzung Voraussetzung dafür sei, dass der erwartete Anstieg an Fahrgästen überhaupt bewältigt werden könne: darunter die Regionaltangente West, die nordmainische S-Bahn sowie das Vorhaben, einen Fernbahntunnel bis zum Frankfurter Hauptbahnhof zu bauen. Letzterer sei die Voraussetzung, eine Regionaltangente Süd zu bauen - und der Vision eines Schienenrings rund um Frankfurt näher zu kommen.

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