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Ex-Schulleiter wegen Misshandlungsvorwürfen vor Gericht

Cottbus  

Ex-Schulleiter wegen Misshandlungsvorwürfen vor Gericht

03.02.2020, 12:24 Uhr | dpa

Ex-Schulleiter wegen Misshandlungsvorwürfen vor Gericht. Amtsgericht Cottbus

Ein Schild mit der Aufschrift in deutscher und sorbischer Sprache "Amtsgericht Cottbus Außenstelle". Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa/Archiv (Quelle: dpa)

Er soll Schüler geschlagen, getreten und an den Ohren gezogen haben: Vor dem Amtsgericht Cottbus hat am Montag der Prozess gegen einen ehemaligen Schulleiter aus Forst (Spree-Neiße) begonnen. Die Staatsanwaltschaft Cottbus wirft dem 45-Jährigen Körperverletzung in 20 Fällen vor. Sieben Kinder der Grundschule in der Kleinstadt Forst seien von September 2015 bis März 2017 betroffen gewesen.

Der Angeklagte soll in der überwiegenden Zahl der Fälle den Schülern auf den Hinterkopf geschlagen haben. Vereinzelt soll es auch zu Schlägen ins Gesicht und zu Tritten gekommen sein, wie das Amtsgericht mitteilte. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe wurde dem Schulleiter vom Bildungsministerium der Kontakt zu Schülern untersagt. Er durfte die Schule nicht mehr betreten. Die Leitung der privaten Schule übernahm die Ehefrau des Mannes.

Zu Prozessbeginn schilderte der ehemalige Schulleiter ausführlich seine Sicht der Dinge und wies dabei die Misshandlungsvorwürfe entschieden zurück. "Es gab keinen Tritt, es gab keinen Schlag auf den Hinterkopf", sagte er vor Gericht. Zudem habe niemand von den Eltern ein Gespräch mit der Schule gesucht, als die Vorwürfe bekannt wurden. Der 45-Jährige wirkte bei seinen Ausführungen zu den Anklagepunkten ruhig.

Gleichzeitig räumte er einen Vorfall ein, bei dem er einen Schüler habe zurückholen wollen, der unerlaubt den Unterricht verlassen hatte. Er sei dem Jungen nachgegangen und habe ihn an der Schulter angefasst. In diesem Augenblick habe sich der Schüler umgedreht und sei "mit seiner Hand kollidiert", wie der Angeklagte es beschrieb.

Der Lehrer für Sport und Naturwissenschaften beschrieb fast alle Schüler, die Vorwürfe gegen ihn erhoben haben, als "verhaltensauffällig". Einige von ihnen seien sozialpsychologisch betreut worden, unter anderem in einem Sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ) zur Früherkennung und Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit drohenden oder manifesten Entwicklungsstörungen.

Einer der Schüler sei von einem Einzelfallhelfer betreut worden, auch während des Unterrichts. Auf die Frage, ob die Einrichtung mit den Schülern überfordert gewesen sei, sagte der ehemalige Schulleiter: "Manchmal schaukeln sich Sachen einfach hoch." Der Prozess könnte länger dauern: Die Verteidigung des angeklagten Schulleiters hat das Hinzuziehen externer Sachverständiger beantragt, die die protokollierten Aussagen der Kinder zu den Vorwürfen auswerten sollen. Das könnte Monate dauern.

"Es geht nicht darum, zu sagen, dass die Schüler unglaubwürdig sind", sagte Anwältin Ria Halbritter. Es gebe aber auf Forschungen basierende Standards für die Vernehmung von Kindern und diese seien nicht eingehalten worden. "Wir haben ein Gewusel von Aussagen und damit lässt sich nicht arbeiten." Die Kinder hätten in den Vernehmungen widersprüchliche Aussagen gemacht.

Gleich zu Beginn des Prozesses hatte die Verteidigung die Einstellung des Verfahrens beantragt. Die Vorwürfe zu Tatort und Tatzeit seien unkonkret und unpräzise, argumentierte sie. Bei der Einrichtung in Forst handelt es sich um eine Grundschule in freier Trägerschaft. Etwa 65 Schüler lernen dort gegenwärtig. Für den Prozess wurden zunächst vier Verhandlungstermine angesetzt.

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