Sie sind hier: Home > Regional >

Halle steht Hanau bei: Bus fährt zum Anschlagsort

Halle (Saale)  

Halle steht Hanau bei: Bus fährt zum Anschlagsort

21.02.2020, 16:42 Uhr | dpa

Halle steht Hanau bei: Bus fährt zum Anschlagsort. Eine Frau steht vor niedergelegten Blumen und Kerzen

Eine Frau steht vor niedergelegten Blumen und Kerzen. Foto: Nicolas Armer/dpa (Quelle: dpa)

Als Zeichen der Anteilnahme für die Angehörigen der Opfer des Anschlags von Hanau sind am Freitag in Halle rund 30 Menschen nach Hessen gefahren. "Wir wollen den Menschen vor Ort nah sein. Das ist wichtig, dass wir ihnen zuhören, miteinander reden, und ihnen unsere Hilfe anbieten", sagte Mamad Mohamad, Geschäftsführer des Landesnetzwerkes Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt (Lamsa), bei der Abfahrt des Reisebusses.

Nach eigenen Angaben kam die Gruppe am frühen Nachmittag in Hanau an. Dort legten die Teilnehmer Blumen und Kerzen nieder und kamen mit Trauernden ins Gespräch, wie eine Mitgereiste berichtete. Man habe an einem Tatort, einem Kiosk, Menschen getroffen, die dort täglich ein- und ausgegangen seien, die Opfer gut gekannt hätten und völlig entsetzt seien über die Tat. "In solch einer schrecklichen Situation bedarf es keiner Rationalität, sondern man folgt dem Gefühl, zeigt Betroffenheit", erklärte die Lamsa-Geschäftsführerin Mika Kaiyama. Man habe signalisieren wollen, wie wichtig es sei, zusammenzustehen.

In der Nacht zum Donnerstag hatte im hessischen Hanau ein 43 Jahre alter Deutsche neun Menschen mit ausländischen Wurzeln erschossen. Anschließend soll der Sportschütze seine 72 Jahre alte Mutter und sich selbst getötet haben. Tobias R. hatte im Internet wirre Gedanken und abstruse Verschwörungstheorien sowie rassistische Ansichten geäußert. In Halle hatte am 9. Oktober 2019 ein schwer bewaffneter Rechtsextremist einen Anschlag auf die jüdische Synagoge versucht, scheiterte aber an einer Tür. Er erschoss schließlich auf der Straße eine 40 Jahre alte Frau und einen 20 Jahre alten Gast in einem nahen Dönerladen. Der Mann sitzt in U-Haft.

Lamsa-Geschäftsführer Mohamad sagte, da der Anschlag von Halle erst vier Monate her sei, wisse man sehr genau, welche Ohnmacht Menschen ergreifen könne, die mit so einer Situation umgehen müssten. Die traumatischen Erlebnisse seien von den Menschen noch lange nicht verarbeitet worden. Davon berichten Betroffene immer wieder dem Netzwerk, dem seinen Angaben nach in Sachsen-Anhalt rund 100 Organisationen und Initiativen angehören. Mohamad forderte alle Menschen auf, noch mehr gegen Rassismus im Alltag zu tun. "Denn es kann nicht sein, dass Familien Angst haben, mit ihren Kindern in ein Geschäft oder einen Döner essen zu gehen", sagte er.

Halle setzt auch weiter Zeichen gegen Gewalt, Extremismus und Fremdenhass: Das Hallesche Friedensgebet am kommenden Montag wird im Zeichen des Anschlags von Hanau stehen. "Kaum sind die Kerzen der Trauer um die beiden Opfer des Anschlages von Halle am 9. Oktober 2019 erloschen, löst eine erneute Gewalttat im ganzen Land Entsetzen und Trauer aus", teilte der Evangelische Kirchenkreis Halle-Saalkreis mit.

Die hallesche Marktgemeinde lade daher die Menschen aus der Region zum Friedensgebet ein. Ab 17.00 Uhr könnten sie ihre Betroffenheit und Anteilnahme in Stille oder offener Fürbitte zum Ausdruck bringen. Seit mehr als 30 Jahren gibt es in der halleschen Marktkirche "Unser lieben Frauen" jeden Montag das städtische Friedensgebet.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail


shopping-portal