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Leere Schulhöfe und Klassenräume: Kinder in Notbetreuung

Potsdam  

Leere Schulhöfe und Klassenräume: Kinder in Notbetreuung

18.03.2020, 01:10 Uhr | dpa

Leere Schulhöfe und Klassenräume: Kinder in Notbetreuung. Leere Garderobe in einer Kita

Leere Garderobe in einer Kita. Foto: Sina Schuldt/dpa/Archivbild (Quelle: dpa)

Kein Kindergeschrei, vor und auf dem Schulgelände der Goethe-Grundschule in Potsdam-Babelsberg ist am Mittwochmorgen fast kein Mensch zu sehen. Nur der Hausmeister läuft einige Runden. Eigentlich sollte hier heute saubergemacht werden. Seit Mittwoch ist diese Schule wie auch weitere im Land zum Schutz vor der Ausbreitung des Coronavirus vorerst bis zum 19. April geschlossen. Nun aber sollen doch Kinder zur Betreuung kommen, wie die Leitung des Hortes "Goethekids" neben der Schule mitteilte. Es herrscht Verwirrung.

Gegen acht Uhr bringt eine Mutter ihre beiden Söhne vorbei. Sie hält einen Zettel in der Hand. Der ist heute wichtig: Es ist die Bestätigung der Stadt Potsdam, dass sie ihre Kinder zur Notbetreuung in den Hort geben darf. Die Mutter ist eine von über 1000 bewilligten Antragstellern, denen noch am späten Dienstagabend das Schreiben der Stadt zugegangen war.

Eine Notbetreuung bieten einige Horte und Kitas in Brandenburg für diejenigen Kinder von Eltern an, die in sogenannten systemrelevanten Berufen arbeiten. Dazu zählen nach Angaben des Bildungsministeriums Berufe im Gesundheitswesen, Polizei, Feuerwehr, Energie und Nahverkehr. Jeder Landkreis und die kreisfreien Städte könnten selbst entscheiden, welcher Beruf für die Gegend wichtig ist, sagte eine Ministeriumssprecherin. Wie viele Plätze es im Land gibt, war am Mittwoch noch unklar.

In Potsdam gibt es nach Angaben der Stadt 17 000 Plätze in Krippen, Kitas und Horten. Von den mehr als 1000 Anträgen seien nur etwas mehr als 70 abgelehnt worden, sagte eine Sprecherin. Eltern können auch weiterhin einen Antrag auf Notbetreuung stellen.

Nach Angaben der Fröbel-Gruppe, die in Brandenburg rund 45 Kitas und Horte betreibt, wurden am Mittwochmorgen erst einmal alle Einrichtungen geöffnet. Leiterin und Erzieher seien vor Ort. Noch am Mittwoch wolle man auswerten, wie viele Kinder tatsächlich in die Einrichtungen gekommen sind und wie sich die Situation entwickelt. Gegebenenfalls müssten Betreuungen zusammengelegt werden.

An der Oberschule Theodor Fontane in der Potsdamer Waldstadt ist es ähnlich leer wie in der rund vier Kilometer entfernten Goethe-Grundschule. Vor dem Schulgebäude stehen drei Frauen und unterhalten sich in der Sonne, die Fahrradständer sind weitestgehend leer.

In dem Hort neben der Schule zieht gerade ein Kind seine Schuhe aus. Es ist bislang das einzige, das an diesem Mittwoch gekommen ist, wie eine Mitarbeiterin um kurz vor neun Uhr sagte. "Wir erwarten aber noch mehr." Von den rund zwölf Erziehern, die in dem weiß-grünen Gebäude der Volkssolidarität arbeiten, seien derzeit nur wenige vor Ort. Die anderen stünden aber auf Abruf, falls mehr Kinder kommen sollten.

Eine Mutter und zwei Mädchen kommen auf Fahrrädern zum Hort gefahren. Die beiden Kinder stellen ihre Räder ab und laufen in die Einrichtung. Ihr sei die Bestätigung der Stadt gestern Abend um kurz vor zehn Uhr gemailt worden, erzählt die Mutter. Etwas hin und her ging es schon, vor allem aufgrund vieler verschiedener Informationen. "Man kann es ja nicht ändern." Sie sei froh, dass die Notbetreuung klappt.

Die Frau arbeitet in der Rechtspflege - ihr Job zählt zu den gesellschaftlich wichtigen Berufen. Es wäre gut, wenn auch andere Eltern eine Betreuung hätten, meint sie. Ihre Freundin habe es gerade schwer mit der Organisation von Kindern und Arbeit. Aber es sei ja wichtig, die Gruppen aufgrund der Ansteckungsgefahr klein zu halten.

In dem Hort "Goethekids" sind nach Angaben der Leiterin Jessica Wolff drei Kinder am Mittwoch gekommen. Neun Erzieher seien vor Ort. "Wir machen Raumgestaltung, organisieren die nächsten Tage und kümmern uns um das, was liegen geblieben ist."

Zwei Zweitklässler, die zur Notbetreuung gekommen seien, freuten sich jedenfalls, in den Container zu dürfen. Dort seien sonst nur die Dritt- und Viertklässler untergebracht. In den acht Räumen des Containers habe man mehr Platz. Der sei für den Schutz der Gesundheit wichtig. An normalen Tagen betreut der Hort rund 260 Kinder.

Im Fröbel-Hort neben der Grundschule Am Mühlenfließ im Ortsteil Booßen in Frankfurt (Oder) kamen am Mittwoch weniger als zehn Kinder, wie Schulleiterin Kerstin Lampe berichtet. Normalerweise betreue der Hort 140 Kinder. Man habe sich sachlich und mit kühlem Kopf abgesprochen, halte engen Kontakt zu den Eltern. "Wir machen unseren Dienst und kümmern uns darum, dass wir die nächsten Tage organisieren."

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