Sie sind hier: Home > Regional >

"Schon ein bisschen traurig" - Osterreiten auf der Kippe

Bautzen  

"Schon ein bisschen traurig" - Osterreiten auf der Kippe

18.03.2020, 06:15 Uhr | dpa

Das traditionelle Osterreiten in der sorbischen Oberlausitz ist durch die Auflagen aufgrund der Coronavirus-Ausbreitung gefährdet. "Wir werden das Thema in Kürze besprechen", sagte ein Sprecher des Bistums Dresden-Meißen der Deutschen Presse-Agentur. Man setze sich regelmäßig zusammen und bespreche die Lage, noch sei keine Entscheidung getroffen.

Seit Jahrhunderten tragen Reiter am Ostersonntag die Botschaft von der Auferstehung Christi zu Ross in die kirchlichen Nachbargemeinden. Den Überlieferungen zufolge sollen die Männer selbst in Kriegszeiten von Dorf zu Dorf geritten sein.

Bereits am vergangenen Samstag hatte Bischof Heinrich Timmerevers alle öffentlichen Gottesdienste und Veranstaltungen des Bistums Dresden-Meißen bis auf weiteres abgesagt. Das habe man aufgrund der aktuellen Entwicklungen nach sorgfältiger Beratung entschieden.

In der Pfarrgemeinde St. Mariä Himmelfahrt Wittichenau (Landkreis Bautzen) blieb zunächst offen, ob die Prozession in dreieinhalb Wochen stattfinden wird. Die Messen seien das eine, das Osterreiten etwas anderes. "Für eine solche Entscheidung werden wir die nächsten 14 Tage abwarten", hieß es.

Auch in der Stadt Bautzen (Landkreis Bautzen) steht der Umzug auf der Kippe. "Es gibt momentan zum Osterfest noch keine Festlegung", hieß es. Man werde sich grundsätzlich an die Vorgaben des Bistums, des Landes und des Landkreises halten. Sollte es von diesen Seiten keine Einschränkungen geben, werde es "ein ganz normales Osterfest wie immer".

"Das Letzte, was ich gehört habe, ist, dass das Osterreiten stattfinden soll - ohne Zuschauer", sagte eine Sprecherin der Pfarrgemeinde Nebelschütz (Landkreis Bautzen). Zum jetzigen Zeitpunkt stehe aber "noch überhaupt nichts fest".

Rund um das kirchliche Fest gibt es alljährlich neben dem Osterreiten auch Veranstaltungen wie etwa das traditionelle Osterblasen, das Osterei-Verzieren in sorbischer Technik, das Eierschieben oder den Ostermarkt. Sie locken nicht nur Bautzener, sondern auch viele Touristen an. Die Feiertage seien in der Region immer eine Besonderheit - auch für das Gastgewerbe, so Dietmar Stange vom Tourismusverein Bautzen. "Alle freuen sich auf Ostern, weil es dann nach einem mauen Winter endlich wieder los geht", sagte Stange.

Da nun "so ziemlich alles, was zu Ostern in Bautzen dazugehört", abgesagt sei, stehe in diesem Jahr besonders das Gastgewerbe vor Herausforderungen. Denn ohne die Veranstaltungen blieben auch die Besucher aus. "Die kleinen Unternehmen, für die befürchte ich, dass es ganz, ganz schwierig wird", sagte der Vereinssprecher. Und so verständlich die Maßnahmen auch seien: "Es ist schon ein bisschen traurig, wenn man das alles mit so viel Mühe vorbereitet hat."

Seit Montag rät die Bundesregierung von touristischen Übernachtungen und Urlaubsreisen innerhalb Deutschlands ab. "Aufgrund dieser Anordnung erreicht die Oberlausitz nun natürlich ebenso, wie das gesamte Land, eine wahre Stornierungswelle", sagte die Sprecherin der Marketing-Gesellschaft Oberlausitz-Niederschlesien, Christin Illner.

Die Traditionen und Bräuche, die von der sorbischen Minderheit in der Region gepflegt werden, sollen laut Illner zwar ausgelebt werden - das Osterfest werde aber höchstwahrscheinlich ohne Touristen stattfinden. "Die Lage verschärft sich von Tag zu Tag."

"Wir selbst bewerten die touristische Vermarktung in Zeiten von Corona als schwierig und bewerben das Osterfest vorerst nicht für Touristen auf unseren Kommunikationskanäle", sagte die Sprecherin der Marketing-Gesellschaft Oberlausitz-Niederschlesien, Christin Illner. "Das wäre in Zeiten, in denen man soziale Kontakte meiden soll, Museen schließen und Veranstaltungen abgesagt werden, schlichtweg eine falsche Strategie."

In der Gemeinde in Panschwitz-Kuckau hält man sich noch alles offen. "Es kann jetzt hier noch niemand absehen, wie es um Ostern steht", hieß es auf Nachfrage. Alles abzusagen sei verfrüht. Dazu sei die Situation "noch ein bisschen zu frisch."

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail


shopping-portal