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Covid-19 erreicht Werften: Gaststätten werden geschlossen

Wismar  

Covid-19 erreicht Werften: Gaststätten werden geschlossen

20.03.2020, 16:57 Uhr | dpa

Die Corona-Krise trifft nach der Tourismusbranche nun auch das Gastgewerbe und die Industrie Mecklenburg-Vorpommerns mit voller Wucht. Die MV Werften stellen wegen der Pandemie ab Samstag für zunächst gut einen Monat ihren Betrieb ein. Die Regelung gelte für die rund 3100 Mitarbeiter an den Standorten Wismar, Rostock und Stralsund zunächst bis zum 19. April, teilten die MV Werften am Freitag mit. Die Belegschaft werde zunächst Zeitkonten abbauen beziehungsweise Urlaub nehmen und vom 1. April an in Kurzarbeit gehen. Die Entscheidung sei notwendig geworden, da es aufgrund der Pandemie massive Einschränkungen im Betriebsablauf gebe.

Im Kampf gegen die Ausbreitung der Lungenerkrankung wird das öffentliche Leben weiter eingeschränkt. Die Gastronomie im Land wird ab Samstagabend, 18.00 Uhr, komplett geschlossen. Das teilte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) am Freitagabend nach einer Beratung mit der Tourismuswirtschaft und dem Hotel- und Gaststättenverband in Schwerin mit. Den Gaststätten soll lediglich erlaubt sein, Lieferdienste anzubieten.

Unterdessen zeichnet sich im Tourismus eine Verschärfung der wirtschaftlichen Folgen ab. In einer Verbandsumfrage unter 900 Unternehmen planten 70 Prozent eine vorübergehende Schließung. Gleichzeitig rechneten 95 Prozent mit starken Umsatzeinbußen, 40 Prozent befürchteten gar einen Komplettausfall des Umsatzes, Einbrüche von mehr als 75 Prozent erwarten rund 20 Prozent. "Die Lage ist nicht anders als mit dem Wort dramatisch zu beschreiben. Nahezu alle touristischen Unternehmen im Land sind auf Unterstützung angewiesen", sagte der Geschäftsführer des Landestourismusverbands, Tobias Woitendorf. Für viele Mitarbeiter beginne eine schwere Zeit mit persönlichen Einschnitten. "Staatliche Hilfe muss nun schnell greifen."

Die Zahl der in Mecklenburg-Vorpommern gemeldeten Corona-Infektionen ist bis Freitagnachmittag auf 167 gestiegen. Die nachgewiesenen Fälle stiegen seit dem Vortag um 34, wie das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) mitteilte. Damit wurden am Freitag etwa so viele neue Fälle bestätigt wie am Vortag. Zehn Personen werden demnach aktuell im Krankenhaus behandelt.

Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) appellierte wegen der weiteren Ausbreitung des Virus und mit Blick auf das kommende Wochenende an die Vernunft der Menschen. "Das Beste ist es, zuhause zu bleiben, wenn Sie nicht unbedingt raus müssen. Falls Sie doch an die frische Luft und spazieren gehen wollen, ist es wichtig, auch dabei genügend Abstand zu anderen zu halten", sagte Glawe am Freitag. Hintergrund sei, dass die Infektionsketten unterbrochen werden müssten. "Da ist viel Selbstdisziplin von jedem Einzelnen gefragt."

Unterdessen hält Neubrandenburgs Oberbürgermeister Silvio Witt (parteilos) Ausgangssperren noch nicht für nötig. "Ich glaube, noch kriegen wir das auch so hin", sagte Witt am Freitag. Auch wenn sich einige Bewohner völlig inakzeptabel benähmen. Schwesig sagte, für sie sei die Ausgangssperre "eines der letzten Mittel", es sei aber nicht ausgeschlossen, wenn sich nicht alle an die bisher beschlossenen Maßnahmen hielten.

Rostocks Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen (parteilos) setzt derweil auf kreative Ideen. So will er Mitarbeiter in Risikobereichen prophylaktisch auf das Virus testen lassen. Er wolle nicht warten, bis Infizierte Symptome zeigen. Sie sollten in einem frühen Stadium aus dem Betrieb herausgeholt werden, bevor sie Kollegen anstecken, sagte Madsen. Die Tests soll das Biotechnologieunternehmen Centogene übernehmen und damit am Samstag bei Mitarbeitern von Feuerwehr, Rettungsdienst oder Südstadt-Krankenhaus beginnen.

Bis Donnerstag sollten alle Touristen Mecklenburg-Vorpommern verlassen haben - doch nicht alle wollen ihren Urlaub vorzeitig beenden. Es gebe einige, die noch immer nicht abgereist seien, kritisierte Schwesig. Es gebe Gäste, "die es nicht einsehen", sagte sie. Diese nähmen die Gesundheit der Bevölkerung nicht ernst, sondern erschwerten das Krisenmanagement.

Schwesig betonte, dass Innenminister Lorenz Caffier (CDU) im Zweifel hart durchgreifen werde. "Es wäre schön, wenn wir uns alle diese unschönen Szenen ersparen und alle vernünftig sind." Landesweit sind an zehn Kontrollstellen Polizisten im Einsatz, um gegen unerlaubten Reiseverkehr vorzugehen. Autos mit Kennzeichen aus Mecklenburg-Vorpommern werden durchgewunken, die anderen im Zweifel angehalten und hinterfragt, sagte Caffier. Gäste sollen in den Tourismusgegenden mit Lautsprecherdurchsagen dazu aufgefordert werden, das Bundesland zu verlassen.

Unter der Krise leidet auch eine der wichtigsten und erfolgreichsten Branchen Mecklenburg-Vorpommerns. Nach der Absage des für kommenden Dienstag geplanten Saisonauftakts der Kreuzfahrtbranche in Warnemünde steht hinter dem weiteren Verlauf der Saison ein Fragezeichen. "Aufgrund der aktuellen Situation durch die Infektionskrankheit Covid-19 ist derzeit nicht klar, wann, ob und welche Kreuzfahrtanläufe im zweiten Quartal dieses Jahres stattfinden können", teilte der Rostocker Hafen mit.

Schon seit ein paar Tagen sind die Theater in Mecklenburg-Vorpommern geschlossen, unklar ist, wann sie wieder aufmachen. Nun hat als erstes Theater Neubrandenburg/Neustrelitz schon ihre diesjährigen Sommerproduktionen abgesagt. Betroffen seien die Festspiele im Schlossgarten Neustrelitz mit der Operette "Pariser Leben" und das Sommerspektakel im Schauspielhaus Neubrandenburg mit dem Musical "Der kleine Horrorladen", teilte das Theater mit.

Auch das Mecklenburgische Staatstheater hat seine diesjährige Open-Air-Oper "Fidelio" im Sommer gestrichen. Die Maßnahmen gegen die Verbreitung des Virus schränkten die Produktion auf dem Alten Garten so sehr ein, dass Vorbereitungen und Proben nicht im erforderlichen Maß stattfinden könnten. In Rostock wird derweil noch abgewartet. "Wir kommen mit den großen Sommerproduktionen erst im August", sagte eine Sprecherin.

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