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Woidke ruft in Corona-Krise zu Besonnenheit auf

Potsdam  

Woidke ruft in Corona-Krise zu Besonnenheit auf

23.03.2020, 14:53 Uhr | dpa

Woidke ruft in Corona-Krise zu Besonnenheit auf. Dietmar Woidke (SPD)

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) spricht bei einer Pressekonferenz. Foto: Paul Zinken/dpa (Quelle: dpa)

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hat angesichts der neuen drastischen Einschränkungen wegen des Coronavirus zu Besonnenheit und Zusammenhalt aufgerufen. "Unser Leben hat sich plötzlich rasant geändert", erklärte Woidke am Montag laut Mitteilung in Potsdam. "Gemeinsam werden wir diese Krise bewältigen." Es sei gut, dass die allergrößte Mehrheit Verständnis für die getroffenen Maßnahmen habe, um die rasante Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen. Er appellierte aber an alle Bürger: "Es ist notwendig, dass sich alle daran halten!". Die Landesregierung nehme Sorgen der Bürger sehr ernst. Sie bietet im Internet und per Hotline Informationen an.

INFIZIERTE: Die Zahl der mit dem neuartigen Coronavirus infizierten Brandenburger wächst weiter - aber nicht mehr so schnell. Derzeit seien offiziell 385 Infizierte gemeldet, teilte das Gesundheitsministerium mit. Das sei ein Zuwachs von 32 Fällen innerhalb der vergangenen 24 Stunden. 29 Menschen sind demnach in Behandlung in Krankenhäusern, acht davon werden intensiv medizinisch beatmet. Weiterhin ist ein Todesfall im Zusammenhang mit der Viruserkrankung gemeldet. Die meisten Infizierten gibt es im Kreis Märkisch-Oderland mit 49 Fällen.

EINSCHRÄNKUNGEN: Seit Montag dürfen Brandenburger vorerst bis 5. April draußen nur noch allein oder höchstens mit Angehörigen aus dem eigenen Haushalt oder mit einer Person außerhalb des Haushalts bei 1,5 Meter Abstand unterwegs sein. Das Betreten öffentlicher Orte ist verboten - es gelten aber Ausnahmen für die Arbeit, Arztbesuche, zum Einkaufen, zum Besuch Kranker, für Sport und dringende Termine bei Behörden. Viele Läden sind geschlossen, aber Supermärkte, Drogerien, Banken, Sparkassen, Poststellen, Tankstellen haben offen. Gaststätten, die Waren zum Liefern oder Abholen verkaufen, dürfen ebenfalls geöffnet sein. Diese Regeln gelten vorerst bis 19. April.

KONTROLLEN: Die Polizei zog eine weitgehend positive Bilanz der Kontrollen. "Bis jetzt haben wir sehr gute Rückmeldungen von unseren Polizeidirektionen bekommen", sagte der Sprecher des Brandenburger Polizeipräsidiums, Torsten Herbst. Die Kontrollen am Montag verliefen "unaufgeregt". Schon am Wochenende sei registriert worden, dass die Menschen sich immer mehr an die bereits geltenden Maßnahmen hielten. "Auch Kneipen mussten in viel geringerem Umfang geschlossen werden." Zudem hätten die Beamten "verdammt viel Zuspruch" erhalten. Die Polizei bat, die Menschen sollten unbedingt Personalausweis oder Reisepass bei sich tragen.

ÜBERTRETUNG: Nicht alle halten sich an die Regeln. In Brandenburg/Havel spielte eine Gruppe junger Männer am Sonntag American Football, obwohl die Sportstätte gesperrt ist. Die Männer kletterten laut Polizei über das verschlossene Tor und spielten, bis Polizisten ihnen einen Platzverweis erteilten - außerdem gab es Strafanzeigen wegen Hausfriedensbruchs. In Perleberg hatte eine Gaststätte am Wochenende noch offen - sechs Gäste mussten gehen, das Lokal musste schließen.

POLIZEI: Bei der Brandenburger Polizei sind unterdessen die ersten beiden bestätigten Fälle von Coronavirus-Infektionen aufgetreten. Die zwei Beamten seien nach ihrer Rückkehr aus dem Urlaub in Risikogebieten positiv auf den neuen Erreger Sars-CoV-2 getestet worden, hieß es aus dem Polizeipräsidiums. Die in den Landkreisen Oberhavel und Dahme-Spreewald lebenden Polizisten hätten sich bereits unmittelbar nach ihrer Rückkehr in häusliche Quarantäne begeben und ihren Dienst nicht angetreten. Von den insgesamt mehr als 7000 Polizisten im Land seien derzeit etwa 60 wegen möglicher Verdachtsfälle nicht im Einsatz, sagte der Sprecher.

ÄGYPTEN-RÜCKKEHRER: Nach der Landung einer Linienmaschine auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld aus dem Corona-Risikogebiet Ägypten wurde bei rund 200 Urlaubern keine Auffälligkeit festgestellt. Das habe eine Amtsärztin erklärt, nachdem sie die Passagiere am Sonntag am Flughafen angeschaut und befragt hatte, berichteten das Brandenburger Gesundheitsministerium und der Landkreis Dahme-Spreewald, auf dessen Gebiet der Airport liegt. Auf das neuartige Virus wurden die Passagiere allerdings nicht getestet. Zudem mussten sie sich vor Ort auch nicht in Quarantäne begeben, da es sich nicht um ein Flugzeug im Rahmen der Rückholaktion für deutsche Touristen der Bundesregierung handelte, wie zunächst gedacht.

UNTERNEHMEN: Bisher haben sich 5400 Unternehmen wegen Hilfen bei der Wirtschaftsförderung Brandenburg (WFBB) gemeldet. Mehr als 90 Prozent der Anfragenden hätten weniger als 10 Beschäftigte. Das Land hilft mit einem Sofortprogramm, ab Mittwoch gibt es Anträge. Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) rief alle Unternehmer dazu auf, von Kündigungen abzusehen und die ausgeweitete Kurzarbeiterregelung zu nutzen. Er appellierte an Arbeitgeber, die Löhne weiter zu zahlen, auch wenn Eltern wegen geschlossener Kitas oder Schulen nicht zur Arbeit kommen könnten.

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