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Bistum Dresden-Meissen und Sorben bedauern Osterreitenabsage

Dresden  

Bistum Dresden-Meissen und Sorben bedauern Osterreitenabsage

25.03.2020, 11:59 Uhr | dpa

Bistum Dresden-Meissen und Sorben bedauern Osterreitenabsage. Dawid Statnik

Dawid Statnik, Vorsitzender der Domowina, hat sich mit dem Coronavirus infiziert. Foto: Daniel Schäfer/dpa/Archivbild (Quelle: dpa)

Das Coronavirus stoppt auch die Osterreiter in der Lausitz. Am Mittwoch bedauerte die katholische Kirche die Absage des traditionellen Brauches. Mit Ostern ohne Osterreiten werde einem sehr viel fehlen, erklärte der Generalvikar des Bistum Dresden-Meißen, Andreas Kutschke. Anordnungen der Behörden sei aber Folge zu leisten. Das vor allem auch bei Touristen beliebte Osterreiten war nach einer Allgemeinverfügung des Landes Sachsens untersagt worden.

"Das Osterreiten oder Kreuzreiten und auch das Saatreiten sind althergebrachte, wertvolle Traditionen und ein lebendiges Glaubenszeugnis, besonders in den katholischen Pfarreien des sorbischen Sprachraums und der Oberlausitz", betonte Kutschke. Er könne nur alle ermutigen, sich im derzeit möglichen Rahmen auf das Osterfest vorzubereiten - ganz nach der inneren Haltung: "Osterreiter ist man das ganze Jahr."

Auch der Bund Lausitzer Sorben (Domowina) drückte sein Bedauern aus. "Ich bin sehr traurig, wenn ich daran denke, dass uns der gewohnte Anblick der Osterreiter dieses Jahr fehlen könnte. Bisher war das für mich – wie für viele Menschen – unvorstellbar", erklärte Domowina- Chef Dawid Statnik. Weder Krieg noch Diktaturen hätten vermocht, diesen Ausdruck des Glaubensbekenntnisses zu verhindern. Es sollte dennoch gelingen, eine Botschaft des Glaubens auf welche Weise auch immer in den sorbischen Regionen zu verbreiten.

Statnik selbst hatte sich mit dem Coronavirus infiziert und befindet sich in häuslicher Isolation. Am Mittwoch machte der 36-Jährige seinen Mitmenschen aber auch Mut: "Gerade auch wir Sorben haben in den letzten Wochen gezeigt, dass wir in dieser Krise mit kreativen Ideen bestehen können, zum Beispiel mit Gottesdiensten über Livestream und Radio, mit gemeinsamem Beten auf der Basis digitaler Technik, mit Chorproben übers Internet und vielem anderen mehr."

Osterreiter tragen traditionell am Ostersonntag in Prozessionen die Botschaft von der Auferstehung Christi in die Nachbarpfarrei. Solche Prozessionen hoch zu Ross haben nach Angaben des Bistums schon Ende des 15. Jahrhunderts in der Region stattgefunden. Die Wurzeln dieses Brauches reichten wahrscheinlich bis in vorchristliche Zeiten zurück, hieß es. Durch Ritte um das Feld glaubte man, die jungen Saaten vor der Missgunst des Bösen beschützen zu können. Unter dem Einfluss des Christentums habe sich das in christliche Prozessionen verwandelt.

Eine Regel gilt noch heute: Nur Männer dürfen im Sattel sitzen. Hoch zu Ross singen sie Lieder, die von der Auferstehung künden. Unter dem Geläut der Kirchenglocken führt die Prozession in der Regel von der Heimatkirche um die Felder bis ins nächste Dorf. Alle Reiter tragen schwarze Zylinder, Gehröcke und weiße Handschuhe. Auch die Pferde werden geschmückt.

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