Sie sind hier: Home > Regional >

Polnische Berufspendler können auf finanzielle Hilfe hoffen

Polnische Berufspendler können auf finanzielle Hilfe hoffen

26.03.2020, 15:04 Uhr | dpa

Polnische Berufspendler können auf finanzielle Hilfe hoffen. Die Brandenburger Finanzministerin Katrin Lange (SPD)

Die Brandenburger Finanzministerin Katrin Lange (SPD). Foto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild (Quelle: dpa)

In Brandenburg sollen polnische Berufspendler, die von den neuen Corona-Regelungen in Polen betroffen sind, finanzielle Hilfe erhalten. Wenn sie bleiben und weiter arbeiten, sollen sie pro Tag eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 65 Euro erhalten. Das vereinbarten am Donnerstag das Finanz- und das Wirtschaftsministerium. Hinzu kommen 20 Euro täglich für jedes Familienmitglied, wenn es sich in Brandenburg aufhält. "Wir werden Sie unterstützen", sagte Finanzministerin Katrin Lange (SPD). Berufspendler werden gebeten, ihre Arbeit fortzusetzen. Es gehe darum, einen wirksamen Beitrag zur Aufrechterhaltung des Wirtschaftslebens in Brandenburg zu leisten, betonte Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD).

Am Freitag tritt die neue Regelung in Polen in Kraft, wonach polnische Berufspendler nach der Rückkehr in die Heimat 14 Tage in Quarantäne bleiben müssen.

Bei den Brandenburger Landwirten liegen die Nerven blank. "Es fällt schwer, Ruhe zu bewahren." Besonders seien die Bauern mit Tieren betroffen, die täglich gefüttert und gepflegt sowie gemolken werden müssten. Von den etwa 40 000 Beschäftigten in der Landwirtschaft in Brandenburg, seien fast 1000 Berufspendler aus Polen vor allem in der Milchviehhaltung und im Gartenbau tätig. "Teilweise gibt es Arbeitsschichten oder Kolonnen, die zu 100 Prozent aus polnischen Berufspendlern bestehen", sagte Wendorff. Es sei nicht auszudenken, wenn diese 14 Tage wegen Quarantäne ausfallen würden.

Die Landesärztekammer hat unterdessen vor einem Aderlass im Gesundheitswesen durch die Corona-Quarantäne-Verordnung für polnische Berufspendler gewarnt. In manchen Kliniken vor allem in Grenznähe kämen mehr als 30 Prozent der Beschäftigten aus Polen zur Arbeit, sagte Frank Ullrich Schulz, Präsident der Landesärztekammer, am Donnerstag. Dabei handele es sich um rund 280 Mediziner. Dazu kämen noch Krankenschwestern und Hebammen.

Die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen für Berufspendler trifft die Kommunen an der Grenze im Süden und Osten hart. Die Industrie- und Handelskammern in Süd-und Ostbrandenburg sehen dramatische Auswirkungen auf die regionale Wirtschaft, wie sie mitteilten. Demnach sind mehr als 25 000 Pendler in Brandenburg und Berlin von der neuen Verordnung Polens betroffen.

Im Landkreis Spree Neiße etwa sind zahlreiche Pendler in medizinischen Einrichtungen, in der Landwirtschaft sowie bei Dienstleistern und Handwerksbetrieben angestellt. Man sei wegen der Unterstützung für Berufspendler täglich mit dem Land im Gespräch, sagte ein Sprecher. Unter anderem sollen über regionale Anbieter Unterkünfte bereitgestellt werden. Dazu sei der Landkreis auch in Kontakt mit dem Hotel und Gaststättenverband des Landes (Dehoga).

Auch im Landkreis Märkisch-Oderland gibt es engen Austausch mit den Krankenhäusern. Ermittelt werde der Bedarf an Übernachtungsmöglichkeiten, sagte ein Sprecher sagte. Viele Beschäftigte würden aber eher zur Familie in Polen zurückkehren.

In Frankfurt (Oder) arbeiten nach Angaben der Stadt etwa 1250 Pendler. Deren Fernbleiben würde die wirtschaftlichen und infrastrukturellen Abläufe schwächen, sagte Stadtsprecher Uwe Meier. Hotels, Pensionen, soziale Träger und andere Institutionen, die Übernachtungsmöglichkeiten bieten können, prüften derzeit Angebote. Polnische Mitarbeiter könnten dann über einen längeren Zeitraum auf deutscher Seite arbeiten, ohne täglich heimkehren zu müssen. Nach ersten Rückmeldungen werden diese Angebote recht gut angenommen, sagte Meier.

In der Stadt Guben (Spree-Neiße) wechseln täglich etwa 1000 Berufspendler die Grenze. Sie arbeiten unter im örtlichen Krankenhaus, in Bäckereien und im Industriegebiet, sagte Florian Müller von der Wirtschaftsförderung. Die Stadt stehe mit Wohnungsvermietern in Kontakt wegen Gästewohnungen. In Forst pendeln etwa 200 Polen zur Arbeit über die Grenze. Die Unternehmen selbst, aber auch die Stadtverwaltung seien bemüht, Lösungen zu finden, erklärte Bürgermeisterin Simone Taubenek. Der Landkreis habe den Kommunen Unterstützung zugesagt. So sollen Unterkünfte im örtlichen Wohnheim zur Verfügung gestellt werden.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail


shopping-portal