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Polizei erwartet Anstieg von Betrugsfällen in Corona-Krise

Wiesbaden  

Polizei erwartet Anstieg von Betrugsfällen in Corona-Krise

31.03.2020, 06:24 Uhr | dpa

Polizei erwartet Anstieg von Betrugsfällen in Corona-Krise. Blaulicht

Ein Blaulicht leuchtet auf dem Dach eines Polizeiwagens. Foto: Friso Gentsch/dpa/Symbolbild (Quelle: dpa)

Vor allem ältere Menschen sehen Kriminalitätsforscher wegen der Corona-Pandemie in noch größerer Gefahr als sonst, Opfer von Betrügern zu werden. Derzeit herrsche in der Bevölkerung angesichts der Ausbreitung des Virus ohnehin Angst und Verunsicherung, sagte der Kriminologe Martin Rettenberger der Deutschen Presse-Agentur. Senioren seien derzeit noch isolierter als ohnehin, deshalb sei Aufklärung besonders wichtig. Wegen der Bewegungseinschränkungen rechnet der Direktor der Kriminologischen Zentralstelle in Wiesbaden auch mit einer Zunahme von häuslicher Gewalt.

Dies sieht auch die Polizei so: "Wir haben das Thema häusliche Gewalt im Blick, weil es häufiger werden könnte", sagte der Sprecher des Polizeipräsidiums Südosthessen, Rudi Neu. Zugleich sei mit weniger Wohnungseinbrüchen zu rechnen, da die Bewohner wegen der Ausgangsbeschränkungen mehr zuhause seien. Im Gegenzug seien aber vermehrte Einbrüche in gewerbliche Immobilien zu erwarten. Zahlen dazu gebe es noch nicht. Weniger Einbrüche vermeldet auch das Polizeipräsidium in Nordhessen; in Süd- und Osthessen zeichnet sich nach Auskunft der Polizeisprecher noch kein Trend ab.

Insbesondere der Betrug mit dem sogenannten Enkel-Trick sei schnell an die Corona-Lage angepasst worden, sagte eine Sprecherin des Hessischen Landeskriminalamts (LKA). Seit Bekanntwerden des Corona-Virus erhielten Senioren etwa Anrufe mit der Nachricht, dass ein angeblich naher Verwandter im Krankenhaus liege und dringend Geld für die medizinische Behandlung benötige. In einer anderen Betrugsvariante heißt es, Verwandte säßen im Ausland fest, könnten nicht mehr zurückfliegen und benötigten deshalb dringen Geld. "Mit weiteren Abwandlungen des Enkeltricks ist zu rechnen - der Fantasie sind leider keine Grenzen gesetzt", hieß es.

Vorsicht sei auch geboten, wenn angebliche Mitarbeiter des Gesundheitsamtes Corona-Tests an der Haustür anbieten oder den Bestand an Desinfektionsmitteln im Haus kontrollieren wollen.

Auch beim Diebstahl zeichnen sich nach Angaben des LKA neue kriminelle Begehrlichkeiten ab: So wurde im Vergleich zu vorangegangenen Monaten eine Zunahme von Diebstählen etwa von Atemschutzmasken und Desinfektionsmitteln bei Herstellern, Krankenhäusern, Arztpraxen und ähnlichen Einrichtungen festgestellt.

"Häusliche Gewalt wird zunehmen, weil viel mehr Menschen gerade auf engem oder begrenztem Raum leben müssen. Dadurch entstehen Konflikte und manche tun sich schwererer, mit diesen Konflikten umzugehen, als andere", sagte Rettenberger. Für Kinder sei die Schule immer auch die Möglichkeit, aus schwierigen häuslichen Verhältnissen zumindest für eine beschränkte Zeit herauszukommen. Hilfemöglichkeiten wie Notfalltelefone sollten deshalb weiter erreichbar sein und eventuell sogar ausgebaut werden. Auch Angebote für hilfesuchende Frauen müssten weiter erreichbar sein.

In Sachen Betrug seien bereits mehrere neue Maschen bekannt geworden: "Am Telefon wird jemand ins Gespräch verwickelt, dass ein naher Angehöriger infiziert sei und jetzt ganz dringend Geld braucht, und das muss man dann an einem bestimmten Ort übergeben." Oder es gebe Versuche, sich Zugang zur Wohnung zu verschaffen, indem gesagt wird, dass desinfiziert werden müsse. Dabei werde die Verunsicherung wegen der Ausbreitung des Erregers ausgenutzt. "Wenn jetzt Jemand anruft und sagt, hier ist das Gesundheitsamt und wir haben eine ganz wichtige Mitteilung, da würde jeder erst einmal zuhören", sagte Rettenberger.

Doch niemals sollte man Entscheidungen spontan fällen, man solle keine persönliche Daten am Telefon preisgeben und sich immer Ausweise zeigen lassen. Polizei und Gesundheitsamt gingen nicht von Haus zu Haus. Und wenn dies in einer Ausnahmesituation vielleicht einmal der Fall sei, würden solche Maßnahmen zuvor über die Medien angekündigt.

Eine Zunahme erwartet Rettenberger auch beim illegalen Handel mit angeblichen Medikamenten im Internet und fingierten Angeboten von Hygieneartikeln zu völlig überteuertem Preis. Gleiches gelte für den Versuch, Menschen mit Mails zu Klicks zu verleiten, mit denen sie sich Schadsoftware auf ihren Computer holen.

Neben weniger Einbrüchen erwartet der Experte zugleich einen generellen Rückgang von Gewalt in der Statistik. Denn die meisten derartigen Taten begingen junge Menschen im öffentlichen Raum, auch am Rande von Fußballspielen. Doch diese finden derzeit nicht statt.

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