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Corona-Infektionskurve flacht ab

Rostock  

Corona-Infektionskurve flacht ab

06.04.2020, 19:00 Uhr | dpa

Die Zahl der Neuinfektionen mit dem neuartigen Coronavirus scheint in Mecklenburg-Vorpommern abzuflachen. Wie das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) in Rostock bekanntgab, waren bis Montag (18.00 Uhr) landesweit insgesamt 531 Infektionen registriert worden. Das waren drei mehr als am Vortag und der geringste Anstieg seit dem 15. März. Der Zuwachs am Sonntag hatte bei fünf gelegen. Die höchste Zahl an Neuzugängen hatte es im Nordosten am 27. März mit 48 gegeben.

Laut Landesamt mussten bislang 74 der Infizierten im Krankenhaus behandelt werden, 13 davon auf einer Intensivstation. Die Zahl der Sterbefälle erhöhte sich um zwei auf nunmehr acht. Unter Berufung auf Datenauswertungen des Robert-Koch-Instituts schätzt das Landesamt, dass in Mecklenburg-Vorpommern inzwischen etwa 184 Menschen von einer Covid-19-Erkrankung genesen sind. Mecklenburg-Vorpommerns AfD-Landeschef Leif-Erik Holm plädierte für ein "nationales Corona-Immunitätsregister". Dort könnten sich nachweislich von einer Infektion Genesene freiwillig eintragen lassen und so von Ausgangsbeschränkungen befreit werden.

Mit 33 Infizierten pro 100 000 Einwohner weist der Nordosten bundesweit weiterhin die geringste Infektionsquote auf. In Bayern, Baden-Württemberg oder Hamburg liegt die Quote fünfmal so hoch und höher. Seit Beginn der Corona-Krise Anfang März wurden nach Angaben des Landesgesundheitsamtes in Mecklenburg-Vorpommern rund 19 800 Corona-Tests analysiert. Die Proben werden in sechs Laboren ausgewertet. Die Ergebnisse liegen laut Landesamt für Gesundheit und Soziales im Regelfall nach einem Tag vor.

Durch die Verlegung von nicht an Covid-19 erkrankten Patienten will Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) die Einnahmeausfälle nicht ausgelasteter Rehakliniken in Mecklenburg-Vorpommern kompensieren helfen und reguläre Krankenhäuser entlasten. Aufgrund ihrer krankenhausnahen Strukturen seien zunächst Kliniken in Malchow, Tessin, Bad Sülze, Greifswald und Neubrandenburg dafür vorgesehen. Das Land zahle eine Tagespauschale von 50 Euro je leerstehendem Bett, das für Patienten mit leichten Erkrankungen zur Verfügung stehe. Die Einbeziehung von Rehakliniken war vereinbart worden, um Krankenhäusern bei einer drastischen Zunahme der Lungenerkrankungen die Aufnahme von Covid-19-Patienten zu ermöglichen. Seine Pläne werde er am Dienstag im Kabinett vorstellen, sagte Glawe.

Wegen geschlossener Schulen und Kitas kommen derzeit Tausende Kinder aus armen Familien um ihr staatlich gefördertes Mittagessen. Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) appellierte deshalb in einem Brief an Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD), die Vorschriften des Bildungs- und Teilhabepaketes vorübergehend zu ändern. Denkbar seien die Ausgabe von Lebensmittelgutscheinen an die betroffenen Familien oder die Abholung beziehungsweise Lieferung von Essen eines Dienstleisters, sagte Drese der Deutschen Presse-Agentur.

In Mecklenburg-Vorpommern haben bislang fast 6000 Unternehmer und Solo-Selbstständige staatliche Soforthilfen erhalten, um trotz corona-bedingter Umsatzverluste ihre Firmen über Wasser zu halten. Wie das Wirtschaftsministerium mitteilte, gingen beim Landesförderinstitut inzwischen 33 000 Anträge auf Finanzhilfe ein. Exakt 5932 davon seien bis Sonntagabend bewilligt worden. Die Summe der bereits ausgereichten Zuschüsse belaufe sich auf mehr als 64 Millionen Euro. Diese Gelder müssen nicht zurückgezahlt werden. Etwa 90 Prozent der Soforthilfen seien an Klein- und Kleinstfirmen mit bis zu fünf Beschäftigten gegangen, die maximal 9000 Euro bekommen, hieß es.

Die wachsende Zahl von Anträgen auf Kurzarbeit droht nach Angaben der Grünen in Mecklenburg-Vorpommern auch viele Auszubildende in Bedrängnis zu bringen. Zwar hätten Lehrlinge laut Berufsbildungsgesetz für sechs Wochen Anspruch auf Fortzahlung der vollständigen Ausbildungsvergütung. Doch würden bei länger anhaltender Kurzarbeit danach auch nur noch 60, beziehungsweise 67 Prozent davon gezahlt. In einer am Montag verbreiteten Erklärung fordert die Grüne Jugend daher für alle betroffenen Auszubildenden im Land ein Kurzarbeitergeld von 100 Prozent.

Infolge der Corona-Krise war die Zahl der Kurzarbeit-Anmeldungen in Mecklenburg-Vorpommern drastisch gestiegen. Die Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit ging Ende März von rund 11 500 Unternehmen aus, die Kurzarbeit anmeldeten. Genaue Zahlen gab es zunächst noch nicht.

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