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Ostern ohne Kirchgang: Christen kreativ in Zeiten von Corona

Görlitz  

Ostern ohne Kirchgang: Christen kreativ in Zeiten von Corona

08.04.2020, 11:28 Uhr | dpa

Ostern ohne Kirchgang: Christen kreativ in Zeiten von Corona. Ostereier im Forsythienstrauch

Bunte Ostereier hängen an einem Forsythienstrauch . Foto: Ulrich Perrey/dpa/Archivbild (Quelle: dpa)

Livestream-Gottesdienst, Online-Pfarrer und "Eastern Calling": Sachsens Christen feiern in diesem Jahr ihr höchstes Fest ganz anders als sonst. Öffentliche Gottesdienste sind aufgrund von Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverbot landesweit tabu. Mit Kreativität und Ideenreichtum haben evangelische und katholische Kirchgemeinden für Alternativen gesorgt. "Ostern fällt nicht aus", sagt der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt.

Ob katholisches Bistum oder evangelische Landeskirche - Kontakt per Brief, Telefon oder online oder auch Musik und Glockengeläut sollen Gemeinschaft auf Distanz schaffen. Eine Abendandacht von Landesbischof Tobias Bilz soll täglich bei YouTube und Facebook zu sehen sein, zugleich sind Gottesdienste per Livestream geplant und durch eine Übertragung im Lokal- oder Regionalfernsehen sollen auch Menschen ohne Internet erreicht werden.

"Ich kann mir auch gut vorstellen, dass es in den Städten und Dörfern kleine Aktionen gibt wie Osterfeuer, oder jemand macht mit der Trompete eine Osterfanfare oder man ruft sich den Ostergruß zu - es gibt da ganz viele Ideen", sagt Bilz. In drei Erzgebirgsgemeinden etwa ist Ostersonntag "Eastern calling": Bei dem Telefon-Flashmob rufen fünf Personen je fünf andere mit der Osterbotschaft an und bitten, sie weiterzugeben. So sollten sich in "eher trister Osterrealität" österliche Freude "und ein bisschen Geselligkeit" einstellen.

"Wir werden die Heilige Woche nicht wie sonst begehen", schildert Bischof Heinrich Timmerevers. Das Entzünden der Osterkerze in der Kirche fällt ebenso aus wie die Weihe des Taufwassers oder Taufen in der Osternacht. "Der erste Ort des gelebten und gefeierten Glaubens ist die Familie", ermutigt der Bischof, die "Hauskirche" neu zu entdecken. Dafür fänden sich Gläubige zu den üblichen Gottesdienstzeiten in den eigenen vier Wänden zu Gebet oder Andacht zusammen.

Auch im Görlitzer Bistum sollen die Katholiken ihr reiches Brauchtum ohne den Priester in den Häusern lebendig werden lassen. Das Entzünden der Osterkerze am Ostertag gehört dort als "Zeichen der Hoffnung" inmitten der Sorge und Angst vor Corona dazu, sagt Bischof Ipolt. Mit einem "Oster-Halleluja" werde dann die Hoffnung auf Rettung bekannt - auch von der Krankheit, "die die ganze Welt überfallen hat".

In der Sankt Josef Gemeinde in Niesky soll ein besonderer Kreuzweg rund um die Kirche Zuversicht geben. "Er hat 15 statt der üblichen 14 Stationen und bezieht die Auferstehung mit ein", sagt ein Bistumssprecher. Er kann beim Spaziergang unter Beachtung der geltenden Corona-Regeln erkundet werden.

Dieses Osterfest werde näher dran sein an dem, wie es gedacht sei, meint Landesbischof Bilz. "Vielleicht kann man jetzt mal sagen, die biblischen Botschaften über Ostern zeugen davon, dass es nach der Krise einen Neustart gibt."

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