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Digitaler Lehrbetrieb an Unis startet

Wismar  

Digitaler Lehrbetrieb an Unis startet

18.04.2020, 09:34 Uhr | dpa

Digitaler Lehrbetrieb an Unis startet. Digitaler Lehrbetrieb

Jakob Diel steuert die Aufnahme einer digitalen Vorlesungen von Michael Schleicher (Hochschule Wismar). Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa (Quelle: dpa)

An den Universitäten Mecklenburg-Vorpommerns beginnt am Montag (20. April) drei Wochen nach dem offiziellen Start des Sommersemesters der Lehrbetrieb. Wegen der Corona-Krise waren die Lehrveranstaltungen noch nicht begonnen worden. Das Sommersemester erlaubt jedoch vorerst nur den digitalen Unterricht. Der Rektor der Universität Rostock, Prof. Wolfgang Schareck, sagte, es seien viele Vorbereitungen nötig gewesen. Die Lehrenden hätten sich erst mit den Medien und der Technik vertraut machen müssen.

"Wir sind zu einer sehr guten Lösung gekommen, ohne bestehende Studien- und Prüfungsordnungen umändern zu müssen. Das wäre sehr aufwendig gewesen", sagte Schareck der Deutschen Presse-Agentur. Auf den Webseiten der Universitäten Rostock und Greifswald finden sich zahlreiche Hinweise zum digitalen Semester.

Wesentlich schneller ging es an der Hochschule Wismar. Deren stellvertretender Rektor Prof. Michael Schleicher sagte, der Lehrbetrieb sei nach dem Semesterstart Anfang März gar nicht unterbrochen worden. Die Wismarer Hochschule ist eine Vorreiterin bei digitalen Lehrformaten: Von den 8200 Studierenden sind 5000 Fern- und Online-Studenten und nur 3200 klassische Präsenzstudenten.

80 Prozent der Lehrenden haben Schleicher zufolge erklärt, dass sie die Lehrziele des Sommersemesters digital erreichen könnten. 20 Prozent sahen das nicht so, etwa bei Modulen wie Fotografie oder handwerklichen Arbeiten künftiger Schmuckdesigner. Vom 27. April an dürfen die Studierenden aber unter Auflagen wieder in Laboren und Werkstätten tätig sein. "Wir erarbeiten noch Konzepte, welche Räume von wie vielen Personen genutzt werden dürfen", sagte der Professor für Volkswirtschaftslehre.

Auch die Hochschule Neubrandenburg bietet seit Mitte März digitalen Unterricht an, nachdem die Studierenden kurz nach Semesterbeginn nach Hause geschickt werden mussten. "Wir haben 90 Prozent der Lehrveranstaltungen auf digitale Formate umgestellt", sagte Hochschulsprecherin Christine Manthe.

Für den Online-Lehrbetrieb gibt es nach den Worten Schleichers drei Wege: Es würden in einem Studio der Hochschule professionell Lehrvideos erstellt, die sich Studierende jederzeit ansehen könnten. Zudem gebe es Live-Übertragungen von Vorlesungen vor Studenten und zum dritten Kurzvideos, die Dozenten am eigenen Schreibtisch drehen und ins Netz stellen. Statt Seminaren würden Videokonferenzen abgehalten. "Damit haben wir sehr gute Erfahrungen. Die Studenten sind oft konzentrierter als in Seminaren", sagte Schleicher.

Schlechte Internetverbindungen spielen kaum eine Rolle. In Neubrandenburg sind etliche Studenten in den Wohnheimen mit Wlan-Angebot geblieben. Von der Universität Greifswald hieß es: "Da viele Lehrinhalte aufgezeichnet werden, können wir davon ausgehen, dass Studierende sich die Inhalte bei besserem Internetzugang abrufen können. Das Rechenzentrum hat dafür ein neues Portal eingerichtet, in dem die Lehrinhalte gespeichert werden können", sagte ein Sprecher.

Für die Hochschule für Musik und Theater (HMT) Rostock jedoch sind digitale Lehrformen kaum geeignet. Nur bei pädagogischen sowie musik- und theaterwissenschaftlichen Inhalten würden sie angewendet. "Wir zerbrechen uns den Kopf, was wir online anbieten können", sagte der amtierende Rektor Prof. Oliver Krämer. Künstlerischer Einzelunterricht oder Ensembleunterricht für Chöre und Orchester sei digital nicht oder nur sehr begrenzt möglich. Selbst wenn Abstand gehalten werde - Bläser-, Gesangs- oder Sprechunterricht mit Maske, das gehe nicht. Krämer hofft, dass der Präsenzunterricht auf September, vor den Beginn des Wintersemesters, verlegt werden könne.

Das Wintersemester soll diesmal erst am 1. November beginnen. Im Interesse der Wismarer Hochschule sei das nicht, machte Schleicher deutlich. Die Hochschule wolle im September starten, sonst fehlten ihr sieben Wochen Lehrbetrieb. Allenfalls für die Erstsemester wäre ein so später Beginn bei verschobenen Abiturprüfungen sinnvoll.

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