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Wieder Unterricht für die Kleinsten: Unmut über Betreuung

Potsdam  

Wieder Unterricht für die Kleinsten: Unmut über Betreuung

25.05.2020, 12:01 Uhr | dpa

Wieder Unterricht für die Kleinsten: Unmut über Betreuung. Vorbereitung auf den Schulstart

Schulkinder der Notbetreuung werden in einem Klassenraum einer Grundschule unterrichtet. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild (Quelle: dpa)

Gut zwei Monate nach der coronabedingten Schließung der Schulen sollen in dieser Woche die Schüler aller Jahrgangsstufen in Brandenburg zumindest tageweise in die Klassenräume zurückkehren. Allerdings kämen zunächst vor allem die kleinsten Schüler der Klassen 1 bis 4 zwei Tage pro Woche wieder in den Unterricht, berichtete die Sprecherin des Bildungsministeriums, Ulrike Grönefeld, am Montag. "An den weiterführenden Schulen haben am Montag und Mittwoch die Abschlussprüfungen der zehnten Klassen sowie die Nachschreibtermine der Abiturprüfungen Vorrang", sagte sie. So könnten die Schüler der siebten und achten Klassen voraussichtlich erst von Donnerstag an in größerem Maßstab wieder zu Schule gehen.

Für die Rückkehr der Schüler in den Präsenzunterricht ist es aus Sicht des Landesvorsitzenden der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Günther Fuchs, höchste Zeit. "Es gibt Schüler, die wir über den Heimunterricht nicht erreichen können", sagte Fuchs am Montag. Daher müsse bei den Schülern nun bis zu den Sommerferien Ende Juni individuell der Lernstand ermittelt werden. "Damit wir die Schüler im neuen Schuljahr entsprechend ihrem Lernstand individuell fördern können, etwa in entsprechenden Lerngruppen", sagte Fuchs.

Dies müsse absoluten Vorrang haben vor anderen Aufgaben wie etwa zentralen Vergleichsarbeiten oder Leistungsgesprächen. "Wir müssen uns dann darauf konzentrieren, die Kernkompetenzen der Schüler zu stärken", betonte der Gewerkschafter. Dies werde auch personell eine große Herausforderung, sagte Fuchs. Denn auch im kommenden Schuljahr werde der Bedarf an Lehrern nur durch die Einstellung von 600 bis 800 Seiteneinsteigern möglich sein, die nicht über die notwendige pädagogische Qualifikation verfügten, meinte Fuchs.

Von Montag an sollen auch mehr Kinder in die Kitas zurückkehren - je nach den Möglichkeiten vor Ort. "Es fällt schwer, die aktuelle Situation zu vermitteln", sagt Brandenburgs Landeselternsprecher Danilo Fischbach. In einigen Landkreisen würden die Kinder wieder täglich betreut, während in anderen nur die Vorschulkinder für wenige Stunden in die Kita dürften. "Da fehlt vielen Eltern das Verständnis", erklärt Fischbach. "Die Vereinbarkeit von Arbeit und Betreuung wird komplett den Eltern überlassen."

"Die Infektionslage ist noch nicht gebannt", betonte dagegen der Geschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes Brandenburg, Jens Graf. Immer wieder zeigten kleine Infektionsherde, wie zuletzt in einer Kita in Kloster Lehnin (Potsdam-Mittelmark), dass die Eindämmungsmaßnahmen nach wie vor Bestand haben sollten.

Auch wenn einige Landkreise schon wieder nahezu in den Regelbetrieb übergingen, könnte das unter den gegebenen Abstands- und Hygieneregeln nicht überall geleistet werden. "Durch öffentliche Erklärungen wurden Erwartungen geweckt, die nicht erfüllbar sind", sagte Graf. "Wir müssen hier die Erwartungen etwas bremsen." Nach einer kürzlich veröffentlichten Umfrage des Verbands können 62 Prozent der Krippen und 53 Prozent der Kitas keine freien Plätze im Rahmen der Notfallbetreuung oder eines eingeschränkten Regelbetriebes mehr zur Verfügung stellen.

Zuletzt wurde eine Kita in Kloster Lehnin nach der Infektion einer Erzieherin geschlossen. Zwei Kinder und mindestens eine weitere Erwachsene waren ebenfalls positiv getestet worden, teilte die Gemeinde vergangene Woche mit. Die Kita schließt nun bis zum 29. Mai, dem Ende der Quarantäne.

Ab Ende Mai sollen alle Kita-Kinder mindestens an einem Tag pro Woche eine Einrichtung besuchen dürfen. Kitas mit mehr Kapazitäten können ihr Angebot ausweiten. Die Entscheidung dazu sollen nach Angaben des Bildungsministeriums die Landkreise und kreisfreien Städte regional treffen, weil die Situation im Land unterschiedlich sei. Bislang ist etwas mehr als ein Drittel aller Kinder in Notbetreuung - der Anteil schwankt aber in den Kreisen von 27 bis 57 Prozent.

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