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Projekt mit Minikraftwerken im Rhein verzögert sich

Bingen am Rhein  

Projekt mit Minikraftwerken im Rhein verzögert sich

09.06.2020, 06:51 Uhr | dpa

Projekt mit Minikraftwerken im Rhein verzögert sich. Arbeitsboot auf dem Rhein

Ein Arbeitsboot bohrt die Löcher für die Verankerungsketten von 16 Strombojen. Foto: Thomas Frey/dpa (Quelle: dpa)

Ein Energieprojekt mit schwimmenden Minikraftwerken in der starken Rheinströmung nahe dem Loreley-Felsen verzögert sich wegen Patentstreitigkeiten. "Wir haben aber schon viele positive Erfahrungen mit dem Prototyp einer Strom-Boje gemacht", sagt der Unternehmer Norbert Burkart der Deutschen Presse-Agentur. Der Prototyp sei vom Herbst 2019 bis Frühling 2020 in einem Nebenarm des Rheins ohne Berufsschifffahrt bei St. Goar in Betrieb gewesen. Ursprünglich sollten hier bereits im vergangenen Jahr die ersten von 16 Strom-Bojen eintreffen. Nun wird laut Burkart die erste in diesem Sommer erwartet, in einer weiter entwickelten Version: "Sie ist schon auf Kiel gelegt."

Die schwimmenden Kleinwasserkraftwerke der österreichischen Firma Aqua Libre Energieentwicklungs GmbH sehen wie elf Meter lange Torpedos aus, verankert am Flussgrund. Innen dreht sich jeweils ein zweiflügeliger Rotor mit zweieinhalb Metern Durchmesser. Die Rheinströmung soll ihn antreiben, ein damit verbundener Generator Strom erzeugen. In Deutschland gebe es so große Strom-Bojen noch nicht, nur kleinere Anlagen mit geringerer Leistung, sagt Burkart, einer der Geschäftsführer beim Start-up Mittelrheinstrom. "Eine Boje kostet rund 250 000 Euro", ergänzt er.

Am Rheingrund fixiert sollen Stromkabel von den Bojen ans Ufer und in die Erde eingebettet bis zu einer hochwasserfreien Trafostation führen. Ein weiteres Kabel soll diese mit dem Stromnetz des St. Goarer Stadtteils Fellen verbinden. Für die Einspeisung in Stromnetz nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) erwartet das Start-up zwölf Cent pro Kilowattstunde, wie Burkart erklärt. Eine Boje könne 100 Haushalte mit Strom beliefern. 350 000 bis 400 000 Kilowattstunden pro Jahr seien somit möglich.

Mit Hilfe eines firmeneigenen Katamarans seien im vergangenen Jahr schon 16 sechs bis zehn Meter tiefe Löcher in den Grund des Rheins für die Verankerung der Ketten gebohrt worden. "Fische werden von den Strom-Bojen nicht gehäckselt", versichert Burkart. "Die schwimmen in der Regel nicht rein. Das hat das Fischmonitoring mit dem Prototyp gezeigt."

"Für den Strom-Bojen-Park gibt es inzwischen eine dauerhafte wasserrechtliche Genehmigung", ergänzt der Geschäftsführer. Laut dem Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Bingen sind solche Projekte nicht an vielen Stellen im Rhein möglich. Einerseits müsse es genug Strömung geben, andererseits dürften die Binnenschiffe nicht behindert werden.

Am Oberrhein gibt es gewaltige Staustufen und Wasserkraftwerke - Strom-Bojen ohne Pausen wie bei stillstehenden Windrädern erscheinen da als wesentlich geringere Eingriffe in die Natur im Welterbe Oberes Mittelrheintal.

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