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"Sehr diszipliniert": Sylt gut vorbereitet für Saison

Sylt  

"Sehr diszipliniert": Sylt gut vorbereitet für Saison

11.06.2020, 16:03 Uhr | dpa

"Sehr diszipliniert": Sylt gut vorbereitet für Saison. Daniel Günther (CDU) trägt einen medizinischen Mundschutz

Daniel Günther (CDU) trägt einen medizinischen Mundschutz. Foto: Christian Charisius/dpa/Archivbild (Quelle: dpa)

Vor dem Café Wien in der Westerländer Fußgängerzone bildet sich eine kleine Menschentraube - allerdings bemühen sich die meisten, die Abstände einzuhalten. Sie warten auf Ministerpräsident Daniel Günther, der sich ein Bild von der Lage auf Sylt machen will und am Donnerstag im Café mit Kommunalpolitikern, Wirtschaftsvertretern und Touristikern zusammensitzt. Sie tauschen sich über kommunale Belange und natürlich die Touristenströme aus.

Bilder von zu großen Menschengruppen am Strand hatten am Pfingstwochenende vor allem außerhalb der Insel für Aufregung gesorgt. Nun ist es in der Fußgängerzone von Westerland zwar auch voll, aber die Menschen versuchen, Abstand zu halten. In den Geschäften gelten Höchstgrenzen für Kunden, Einbahnstraßenregelungen in den Restaurants sollen die Gäste mit Abstand aneinander vorbeilenken. Der Strand vor Westerland ist bei bedecktem Himmel und Temperaturen um die 19 Grad nicht sehr stark frequentiert.

Der Bürgermeister der Gemeinde Sylt, Nikolas Häckel, freut sich über den ersten offiziellen Besuch des Ministerpräsidenten auf der Insel. "Man muss im Gespräch sein, und so eine Krise verbindet." Es sei auch darum gegangen, sich auszutauschen über die bisherige Krise und über die aktuellen Probleme finanzieller und organisatorischer Art zu sprechen - etwa um Gewerbesteuer und die Frage wie es beispielsweise in Tourismus und Gastronomie in den kommenden Wochen und Monaten weitergeht. Da zu wissen, wie das Schrittmaß sei, wie das Denken und die Rahmendaten seien, sei wichtig, sagt Häckel. "Das ist wichtig für uns zu wissen, weil wir, wenn eine Entscheidung kommt, relativ schnell vor Ort kommunizieren müssen und auch erklären müssen." Daher seien diese Abstimmungen sehr, sehr wichtig.

Was der Ministerpräsident sieht und hört, stellt ihn zufrieden. Der CDU-Politiker findet Sylt gut vorbereitet auf die Saison. Die Menschen verhielten sich zum großen Teil sehr, sehr diszipliniert, sagt er. Dennoch: Öffnungsschritte sollen weiterhin mit Augenmaß vorgenommen werden. Er sei aber guter Hoffnung, dass Ende des Monats weitere Lockerungen kommen könnten. Es gebe einiges, was dafür spreche, dass diese auch die Außengastronomie beträfen. Unter anderem Sylter Unternehmen, aber auch die IHK Schleswig-Holstein, hatten verlangt, die Außenflächen in der Gastronomie zu vergrößern.

Am späten Mittag besucht Günther den Strandabschnitts "Buhne 16" in Kampen und das dortige Bistro. An diesem Strand hatten sich am Pfingstsamstag nach Polizeiangaben Menschen im dreistelligen Bereich vor der Toilette gedrängt. Es seien viele Gruppen, die teilweise zu groß gewesen seien, am Strand gewesen, sagt Sven Behrens, der mit seinem Cousin Tim Behrens das bekannte Strandbistro betreibt.

Am Eingang zum Bistrogelände stehen Mitarbeiter, die auf die Corona-Regeln hinweisen, kontrollieren, dass Namen und Adresse aufgeschrieben werden und einen Platz zuweisen. Dass es an der "Buhne 16" Pfingsten sehr voll sei, sei normal, sagt Behrens. "Es gibt zwei Tage im Jahr, wo es zu voll ist." Das seien Pfingstsamstag und -sonntag. Normalerweise stellten sie dann auch immer noch mobile Toiletten auf, sagt Behrens. Das finde er in Corona-Zeiten allerdings schwierig. Und jetzt würden sie nicht mehr gebraucht.

Es sei viel gesagt worden über die Zustände hier an Pfingsten, sagt der Leiter der Polizeidienststelle Sylt, Dieter Johannsen. Als chaotisch könne er sie aber nicht bezeichnen. Es handele sich zudem um einen riesigen Strandbereich. Es sei in Zusammenarbeit mit der Kommune alles schnell geregelt und für den kommenden Tag eine tragbare Lösung gefunden worden.

Generell sieht Johannsen die Polizei auf der Insel gut für die Saison aufgestellt. Es gebe einen guten Dialog mit allen Beteiligten und es würden in alle Bereichen intelligente Lösungen entwickelt. Und mit Blick auf die Verhaltensregeln sagt Johannsen: "Wir haben das Gefühl, 95 bis 98 Prozent der Bevölkerung und der Gäste halten sich daran." Und mit denen, die sich nicht dran halten, werde geredet und wenn sich jemand nicht überzeugen lasse, werde auch mal eine Anzeige geschrieben. "Ganz klar."

An diesem Tag verirren sich nur einige Familien und Strandspaziergänger an den weitläufigen Kampener Strandabschnitt. Antje und Philipp Schmitz aus Bielefeld etwa sind mit ihren drei Kindern ein verlängertes Wochenende auf der Insel und beziehen gerade ihren Strandkorb. Sie finden es sehr entspannt und genießen die Auszeit von Homeschooling und Arbeit, wie sie sagen. Ihrer Meinung nach sind Urlauber und Insulaner "sehr diszipliniert". Und vor allem auf den Abstand werde Wert gelegt und man werde beim Nichteinhalten auch drauf angesprochen. Ähnlich sieht es Familie Stein, die aus der Nähe von Stuttgart kommt und die Pfingstferien auf Sylt verbringt: Die Sache mit dem Abstand werde sehr ernst genommen, sagt Mutter Antje Stein.

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